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Luftverschmutzung ist eines der weltweit führenden Gesundheitsrisiken. Mainzer Forscher haben nun berechnet: Schlechte Luft verkürzt die Lebenserwartung stärker als Rauchen.

Verschmutzte Luft ist bekanntermaßen gesundheitsschädlich und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf- und Atemwegs-Erkrankungen. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Universitätsmedizin Mainz haben nun in einer neuen Studie berechnet, dass Luftverschmutzung die Lebenserwartung der Menschen stärker verringert als Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie beispielsweise das Rauchen.

8,8 Millionen Todesfälle 2015 wegen Luftverschmutzung

Demnach verursachte Luftverschmutzung im Jahr 2015 weltweit 8,8 Millionen vorzeitige Todesfälle. Dies entspricht einer durchschnittlichen Verkürzung der Pro-Kopf-Lebenserwartung von 2,9 Jahren. Im Vergleich dazu: Raucher sterben im Schnitt 2,2 Jahre früher (2015: 7,2 Millionen Todesfälle) und HIV-/Aids-Kranke 0,7 Jahre früher (1 Million Todesfälle). Durch Lebewesen wie Stechmücken verursachte Krankheiten wie Malaria verkürzen die Lebenserwartung um 0,6 Jahre (600.000 Todesfälle).

"Die Ergebnisse deuten auf eine Luftverschmutzungs-Pandemie hin."

Prof. Dr. Jos Lelieveld, Autor der Studie

"Da die Auswirkungen auf die Gesundheit so enorm sind und die Bevölkerung weltweit betreffen, könnte man sagen, dass unsere Ergebnisse auf eine Luftverschmutzungs-Pandemie hindeuten", sagt Prof. Dr. Jos Lelieveld, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie und Erstautor der Studie. Diese Studie sei die erste, die globale Auswirkungen von Luftverschmutzung auf die Gesundheit der Menschen im Vergleich zu anderen Risikofaktoren weltweit untersucht habe.

Schlechte Luft kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen

"Unser Vergleich zeigt, dass Luftverschmutzung eine der Hauptursachen für vorzeitige Todesfälle und den Verlust an Lebensjahren ist. Die frühere Sterbewahrscheinlichkeit wird insbesondere durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht", sagt Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz und Mitautor der Studie.

Die Studie zeigt den Wissenschaftlern zufolge auch, wo die durch die Luftverschmutzung verursachte vorzeitige Sterblichkeit am höchsten ist: In Ostasien und Südasien (35 Prozent bzw. 32 Prozent), gefolgt von Afrika (11 Prozent), Europa (9 Prozent), Nord- und Südamerika (6 Prozent). Australien habe mit 1,5 Prozent die niedrigste Sterblichkeitsrate - und die strengsten Luftreinhaltungsstandards.

Zwei Drittel der Sterbefälle seien vermeidbar

Fast zwei Drittel der durch Luftverschmutzung verursachten Sterbefälle, nämlich rund 5,5 Millionen pro Jahr, sind den Erkenntnissen der Studie zufolge grundsätzlich vermeidbar, denn der Großteil verschmutzter Luft stammt aus dem Einsatz fossiler Brennstoffe. So schätzen die Forscher auch, dass die durchschnittliche Lebenserwartung weltweit um etwas mehr als ein Jahr steigen würde, wenn die Emissionen aus der Nutzung fossiler Brennstoffe wegfallen würden.

Die Forscher der Universitätsmedizin Mainz und des Max-Planck-Instituts für Chemie hatten im vergangenen Jahr eine ähnliche Studie veröffentlicht, die sich mit den Folgen der Luftverschmutzung in Europa befasste: Danach sterben jedes Jahr fast 800.000 Europäer vorzeitig an Krankheiten, die durch Luftverschmutzung mit verursacht werden. Verschmutzte Luft verkürzt die Lebensdauer der Europäer im Schnitt um mehr als zwei Jahre.

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