Studie der Mainzer Unimedizin zu Corona-Langzeitfolgen

40 Prozent der Corona-Infizierten klagen über Long-Covid

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Über Long-Covid weiß man noch nicht viel. Eine neue Studie der Universitätsmedizin Mainz zeigt, dass rund 40 Prozent aller Corona-Genesenen langfristig gesundheitliche Probleme haben.

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Betroffen seien Erwachsene jeder Altersgruppe. Das betreffe sowohl Menschen, die sich wissentlich infiziert haben, als auch unwissentlich Infizierte, sagte Studienleiter Philipp Wild in Mainz. Er stellte erste Ergebnisse zu Spätfolgen der Sars-Cov-2-Infektion vor.

Von Long-Covid-Symptomen betroffen sind laut Studie häufiger Frauen als Männer. Kinder waren bei der Untersuchung nicht einbezogen.

Immer mehr Menschen nach Infektion in Reha

Es gebe immer mehr Menschen, die sich nach überstandener Infektion mit Erkrankungen in Arztpraxen oder Rehabilitationskliniken vorstellten. Man sehe jetzt anhand der Studie, dass da ein großer Bedarf sei, so Studienleiter Wild.

"Wir müssen uns sehr schnell anpassen. Das Gesundheitssystem sollte sich mehr auf Long-Covid einstellen."

Fast ein Drittel nicht mehr voll leistungsfähig

Fast 30 Prozent aller Infizierten beklagen, dass sie ihre ursprüngliche Leistungsfähigkeit nach der Erkrankung nicht wieder erreicht hätten. "Diese hohe Zahl hat uns überrascht, denn das hat teils weitreichende Folgen für die Patienten", so Wild. Knapp 15 Prozent fühlten sich dauerhaft in ihrem Alltagsleben eingeschränkt, mehr als sechs Prozent auch in ihrem Arbeitsleben.

Einen Zusammenhang gibt es laut Studie zwischen Long-Covid und der akuten Infizierung: Je mehr Symptome während der akuten Erkrankung auftreten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Long-Covid-Symptome folgen. "Viele der Beschwerden werden abklingen, aber es verbleibt eine Gruppe, die dauerhaft Beschwerden hat", sagte Wild.

Rund 10.000 Studienteilnehmer mit und ohne Infektion

Für die Studie wurden 10.250 Menschen im Alter zwischen 25 und 88 Jahren untersucht. Zu einem großen Teil konnten die Forscher auf bereits im Vorfeld erhobene Daten zurückgreifen. Zu den Teilnehmern zählten sowohl Infizierte als auch Menschen ohne eine Infektion.

Symptome ohne einheitliches Muster

Studienleiter Wild wies darauf hin, dass die häufigsten Long-Covid-Symptome wie Müdigkeit, Kurzatmigkeit oder Abgeschlagenheit relativ unspezifisch seien. Es gebe noch kein einheitliches, klinisches Muster. So hätten auch 22 Prozent der Probanden, die keine Infektion durchgemacht hatten, angegeben, sie fühlten sich im Vergleich zu vor der Pandemie ungesünder. Es sei aber falsch zu sagen, das Krankheitsbild Long-Covid gebe es nicht. Die Ergebnisse zeigten vielmehr, wie groß der Forschungsbedarf sei, so Wild.

Weitere Untersuchungen bis zum Frühjahr 2022

Die Forscher wollen nun in einer umfangreicheren Untersuchung weitere Details zu Long-Covid herausfinden - unter anderem dazu, ob bestimmte Personen stärker betroffen sind, ob es Risikofaktoren gibt und welche Behandlungsmöglichkeiten sich daraus ergeben können. Im zweiten Quartal 2022 wird mit ersten Ergebnissen gerechnet.

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