Ein Geldautomat in der Volksbank in Stromberg im Kreis Bad Kreuznach wurde in der Nacht auf den 13. Januar 2022 in die Luft gesprengt. (Foto: Polizeipräsidium Mainz  )

Immer wieder hohe Schäden

LKA-Ermittler untersuchen Geldautomaten-Sprengungen

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Es vergeht kaum eine Woche, in der in Rheinland-Pfalz nicht irgendwo ein Geldautomat in die Luft fliegt. So zum Beispiel vor einigen Tagen in Bausendorf in der Eifel oder in Nackenheim. Auch im Mainzer Stadtteil Mombach hat es unlängst gekracht. Die Täter gehen dabei fast immer demselben Muster nach.

Hochprofessionell, kaltblütig und rücksichtslos gehen die Täter vor. Um dem zu begegnen, hat das Landeskriminalamt in Mainz eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, die sich mit den Sprengungen befasst. Und auch wenn diese Gruppe beispielsweise 2020 mehr als die Hälfte der Sprengungen aufgeklärt hat, gibt es immer wieder Täter, die nicht geschnappt werden. Sie sind mit frisierten, PS-starken Wagen unterwegs und außerordentlich schnell. Nur ein paar Minuten brauchen sie, um einen Automaten zu sprengen, mehr nicht, sagt Kriminaloberkommissarin Seidel, die der Ermittlungsgruppe angehört.

Auch Mainzer Staatsanwaltschaft mit im Boot

Die Ermittler des Landeskriminalamtes arbeiten eng mit der Mainzer Staatsanwaltschaft zusammen. Dort werden alle Fälle von Geldautomatensprengungen in ganz Rheinland-Pfalz bearbeitet. So soll sicher gestellt werden, dass schnelle Entscheidungen getroffen werden können, außerdem müssen sich die auf Sprengungen spezialisierten Staatsanwälte nicht jedesmal neu in die Thematik einarbeiten.

Täter nehmen bei Sprengung und Flucht enorme Gefahren in Kauf

Wenn die Täter nach einer Sprengung fliehen, geht es meist in die Niederlande. Denn dort kommen die meisten der professionellen Sprenger her, die wegen der räumlichen Nähe zu den Niederlanden bevorzugt im Südwesten Deutschlands agieren. Mit zum Teil mehr als 300 Kilometern pro Stunde rasen sie dann über die Autobahnen, ohne Rücksicht auf Verluste. Es wird rechts überholt und der Standstreifen genutzt. Die Polizei versucht die Täter oftmals gar nicht erst zu stoppen. Zu groß sei die Gefahr, dass Menschen verletzt oder gar getötet werden könnten. Diese Gefahr besteht übrigens auch bei den Sprengungen selbst, sagt Oberkommissarin Seidel vom LKA. Denn sowohl Passanten, als auch Anwohner sind gefährdet.

"Gerade in den letzten Jahren ist die Höhe an Sachschäden sehr gestiegen. Was darauf zurückzuführen ist, das die Täter von der Sprengung mit Gasgemischen zur Sprengung mit Festsprengstoffen gewechselt haben"

Die Sprenger-Banden arbeiten im Team. Es gibt Sprengstoff-Spezialisten, die die Bomben bauen, andere sind für das Werkzeug zuständig, mit dem die Geldautomaten geöffnet werden. Wieder andere haben logistische Aufgaben. Sie sorgen beispielsweise dafür, dass immer genügend schnelle Fluchtwagen vorhanden sind. Mehrere hundert Männer aus den Niederlanden kommen so immer wieder in unterschiedlichen Konstellationen über die Grenze, um in Deutschland Geldautomaten zu sprengen.

Niederländische Geldautomaten sind sicherer

In den Niederlanden gibt es für die Täter nichts mehr zu holen. Dort wird nur noch selten mit Bargeld bezahlt, und die wenigen Geldautomaten sind sicherer als ihre deutschen Pendants. Die Banden besitzen sogar selbst deutsche Geldautomaten: Zu Übungszwecken. Sie trainieren den Umgang mit den Automaten, um so möglichst schnell und professionell zu agieren. Dabei legen sie eine erstaunliche Kaltblütigkeit an den Tag: Zeugenaussagen zufolge arbeiten viele der Täter nach den Sprengungen weiter - selbst dann, wenn bereits Zeugen um sie herumstehen und zuschauen.

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SWR