Der Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten der Partei Die Linke, Gerhard Trabert, stellt sich am Rande der Fraktionssitzung der Partei im Reichstagsgebäude vor.  (Foto: dpa Bildfunk, Kay Nietfeld)

Mainzer Sozialmediziner

Linke präsentiert Mainzer Sozialmediziner Trabert als Kandidaten für Bundespräsidenten-Wahl

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Die Linke hat den Mainzer Sozialmediziner Gerhard Trabert am Dienstag in Berlin als Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten vorgestellt.

Trabert soll gegen Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier antreten - dieser kann mit einer breiten Mehrheit für seine Wiederwahl rechnen, da ihn sowohl die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP als auch CDU und CSU unterstützen.

Die Co-Parteivorsitzende der Linke Janine Wissler sprach am Dienstag in Berlin von einem beeindruckenden und überzeugenden Kandidaten und sagte, der "Arzt der Armen" verkörpere das Prinzip, dass Solidarität unteilbar sei. Der Co-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch sagte, seine Partei wolle eine "demokratische Alternative" zur Wiederwahl von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anbieten und das Thema Armut auf die Agenda setzen.

Trabert war von den Linken angesprochen worden. "Wenn man so ein Angebot bekommt, dann muss man das einfach annehmen und die Chance nutzen, eine Stimme für die Menschen zu sein, die unter sozialer Ungerechtigkeit leiden", sagte er dem SWR.

Er wolle seine Kandidatur unter die Überschrift stellen: "Mehr soziale Gerechtigkeit wagen". Dieses Thema müsse viel intensiver in die öffentliche Debatte gerückt werden - und genau darin sehe er auch eine Aufgabe eines Bundespräsidenten.

Trabert nahm auch an der Bundestagswahl teil

"Natürlich wäre es an der Zeit, dass eine Frau Staatsoberhaupt wird", sagte Trabert. Nach der Direktkandidatur für die Bundestagswahl in Mainz sehe er es nun aber als seine Pflicht an, das Thema der sozialen Ungleichheit auch "auf diesem ganz anderen Level" in die öffentliche Diskussion zu bringen.

Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr hatte Trabert im Wahlkreis Mainz als parteiloser Direktkandidat der Linken für den Bundestag kandidiert, er wurde aber nicht gewählt. Der Sozialmediziner erhielt 12,7 Prozent der Erststimmen.

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Der Bundespräsident wird von der Bundesversammlung gewählt, die am 13. Februar zusammentritt. Die Bundesversammlung wird 1.472 Mitglieder zählen - die 736 Abgeordneten des Bundestags und eine gleich große Zahl von Menschen, die die 16 Landtage entsenden.

Linken-Politiker würdigen Engagement Traberts

Die Linken-Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow bezeichnete den 65-Jährigen, der für sein Engagement für Obdachlose, Arme und Geflüchtete bekannt ist, am Sonntagabend auf Twitter als "Menschen der Tat mit großem Herzen". "Würdig und eine gute Wahl für das Amt des Bundespräsidenten", schrieb Linksfraktionschef Dietmar Bartsch auf Twitter.

Trabert geht nicht davon aus, gewählt zu werden

Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, die sich auf Partei- und Fraktionsspitze sowie Trabert selbst berief. "Ich möchte die Kandidatur nutzen, um auf die Armut und soziale Ungerechtigkeit in diesem Land hinzuweisen, und um als Fürsprecher von Menschen aufzutreten, die zu wenig gehört werden", sagte Trabert der "Süddeutschen Zeitung".

Natürlich werde er nicht zum Staatsoberhaupt gewählt werden, aber er sehe schon ein Stück weit die Chance, eine Diskussion anzuregen. Trabert engagiert sich seit langem für Obdachlose, Arme und geflüchtete Menschen. Der Mediziner ist Gründer und Vorsitzender des Vereins Armut und Gesundheit in Deutschland. Er nahm wiederholt an zivilen Einsätzen zur Seenotrettung von Migranten im Mittelmeer teil.

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