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Auf einer Querdenker-Demo in Worms zeigte der Polizei-Chef, dass er nicht nur etwas von Grundrechten versteht, sondern dass er sich auch in Bibelfragen ganz gut auskennt. Lob kommt auch vom Polizeipräsidenten.

"Was ich in den letzten drei Tagen erlebt habe, ist - gelinde gesagt - einmalig", sagt der Wormser Polizeichef Thomas Lebkücher (42). Seitdem das Video über ihn im Netz kursiere, habe er unzählige Mails erhalten - eine stamme sogar aus Südafrika. Die evangelische Kirche habe sich ebenso positiv geäußert, wie der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf.

"In erster Linie ist es aber der Verdienst meiner vielen Kolleginnen und Kollegen, die täglich in den unterschiedlichsten Situationen Geduld aufbringen, Verständnis zeigen, versuchen auf ihr Gegenüber einzugehen und erklären, warum wir so handeln, wie wir es tun"

Wormser Polizei-Chef Thomas Lebkücher

Am vergangenen Sonntag stand Lebkücher mit seinen Kollegen in der Nähe des Lutherplatzes in Worms. Sogenannte Querdenker und Menschen, für die die Corona-Pandemie eine Erfindung ist, waren auf die Straße gegangen, um für ihre Rechte zu demonstrieren. Sie wollten an dem Wochenende, an dem in Worms Luther-Feierlichkeiten stattfanden, einen, wie sie sagen, "Luther-Gottesdienst" abhalten. Das war ihnen jedoch von Seiten eines Gerichtes untersagt worden.

Etwa fünf Personen standen in der Nähe des Luther-Denkmals und sangen ein Kirchenlied. Einige, so Lebkücher, taten das ohne Maske oder ohne Mindestabstand. Nach drei Strophen sprach der 42-Jährige die vermeintliche Vorsängerin an.

Die sogenannten Corona-Leugner beriefen sich an diesem Tag jedoch auf ihre Religionsfreiheit und stützten ihre Aussagen auf Jesus Christus. Doch da hatten sie die Rechnung ohne den bibelfesten Polizeioberrat gemacht. Er erzählte vom Garten Gethsemane: Jesus wird von Soldaten verhaftet. Ein Jünger greift daraufhin einen Soldaten an, schlägt ihm das Ohr ab. Jesus flieht nicht, er heilt den Verletzten.

Lebkücher war früher Ministrant

Nächstenliebe sei das fundamentale Gebot, sagte Thomas Lebkücher den Demonstranten, die ihm zuhörten. "Wenn wir uns alle daran halten, haben wir kein Problem." Dem SWR verriet Lebkücher einen Tag später, dass er früher mal Ministrant in der katholischen Kirche gewesen sei. Dieses Gleichnis sei ihm in diesem Moment einfach eingefallen.

"Nicht nur eloquent und sachlich, sondern auch in einer Form bibelfest, wie ich es nicht erwartet hätte."

Polizeipräsident Reiner Hamm

Der Mainzer Polizeipräsident Reiner Hamm sagte, er sei sehr froh darüber, solche Mitarbeiter in Führungspositionen zu haben. Gleichwohl wisse er, dass alle Polizistinnen und Polizisten tagtäglich ähnliche Gespräche führten. Er sei stolz auf jede einzelne und jeden einzelnen. Ihnen gelte sein Dank.

Polizisten werden oft gefilmt

Dies sei umso gewichtiger, sagte Hamm, weil es immer alltäglicher werde, dass Polizisten bei ihren Amtshandlungen gefilmt und oftmals zu Unrecht kritisiert würden. "Die sehr positive Resonanz im Netz nehmen wir gerne an. Sie ist auch Lohn unserer anspruchsvollen Arbeit", sagte Hamm.

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