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Ausstellungsbesuche sind nicht mehr möglich. So bringt die Kunsthalle Mainz jetzt neue Werke zu den Menschen nach Hause. Auf Facebook oder Instagram zeigen internationale Künstler, wie sie auf die Ausnahmesituation reagieren.

Kunst kann körperliche Nähe nicht ersetzen, aber erzwungene Isolation erträglicher machen - in dieser Überzeugung hat die Kunsthalle Mainz jetzt neue digitale Formate aufgebaut. "Mit 'Kunsthalle Mainz@home' knüpfen wir an vergangenen Ausstellungen an und laden Künstlerinnen und Künstler ein, in dieser Situation einen anderen Blickwinkel einzunehmen", sagte die Leiterin der Kunsthalle, Stefanie Böttcher.

"Jetzt, wo alle mehr oder weniger zu Hause sind und wir uns nicht mehr in der Kunsthalle Mainz sehen können, kommen wir mit der Gegenwartskunst zu Ihnen nach Hause."

Stefanie Böttcher, Leiterin der Kunsthalle Mainz
Stefanie Böttcher (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/picture alliance / Peter Zschunke/dpa)
Stefanie Böttcher picture alliance/picture alliance / Peter Zschunke/dpa

Künstler animieren zum Mitmachen

Auf Facebook, Instagram und künftig auch auf der erneuerten eigenen Homepage lädt das Ausstellungshaus am Mainzer Zollhafen auch zu Mitmachaktionen ein. "Sei wie ein Spiegel für dein Gegenüber", fordert der britische Theaterautor und Performance-Künstler Tim Etchells die Betrachter zu einem Bewegungsspiel mit dem eigenen Körper auf. Und der Schweizer Künstler Uriel Orlow, dessen Schau mit dem Titel "Conversing with Leaves" (Mit Blättern sprechen) bis Februar in der Kunsthalle zu sehen war, lud Kinder ein, aus Pflanzen Farben herzustellen. Die Ergebnisse sind jetzt auf Instagram zu sehen.

Austausch zwischen und Kunst und Gesellschaft lebendig halten

Zwei Gedanken seien für sie bei der Entwicklung des Konzepts wesentlich gewesen, erklärte Böttcher. Zum einen gehe es darum, den Austausch zwischen Gesellschaft und Kunst weiter lebendig zu halten. Zum anderen wolle sie einen kleinen Beitrag dazu leisten, Künstlerinnen und Künstlern mit der Honorierung ihrer Werke für "Kunsthalle Mainz@home" finanziell abzusichern. "Wenn das mehrere Institutionen machen, geht das vielleicht schon ein bisschen."

Der libanesische Schauspieler, Regisseur und bildende Künstler Rabih Mroué schickte der Kunsthalle die "Rekonstruktion eines Tagebuchs" mit handschriftlichen Einträgen wie "I feel sick. I have all the signs of CV19" (Ich fühle mich krank. Ich habe alle Symptome von Covid-19). Wenige Tage später dann: "I feel better" (Ich fühle mich besser). Sein Kalender zeigt für März und April internationale Termine an, die alle mit dem Querbalken "Cancelled" (Abgesagt) durchgestrichen sind.

Böttcher: Kunst kann auch über das Internet emotional berühren

Sie habe die Künstler um Beiträge zu Fragestellungen gebeten, die sie selbst beträfen, erklärte Böttcher. In der Gestaltung - ob in Text, einem kurzen Video oder einem Lied - sollten sie sich völlig frei fühlen. Vorgaben gibt es nur von den Online-Plattformen - höchstens acht Bilder für einen Instagram-Post und maximal vier Gigabyte für ein Facebook-Video. "Ich freue mich, dass alle gerne mitmachen, die wir angefragt haben." Angekündigt sind noch Beiträge der tschechischen Künstlerin Kateřina Šedá und des türkischen Künstlers Ahmet Ögüt.

Kunst ermögliche es den in der Corona-Situation "zwangsverkapselten" Menschen, sich als global und weltweit vernetzte Wesen wahrzunehmen, erklärte die Leiterin der Kunsthalle. "Physische Berührungen sind im Internet unmöglich. Aber man kann emotional oder sinnlich berührt werden. Das ist in einer Ausstellung zwar schöner und leichter, aber wir versuchen es jetzt digital."

Menschen (Foto: Getty Images, Getty Images/Cavan Images RF)

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