Zwei Seniorinnen aus Afghanistan spielen im Wohnbereich Orient eines Pflegeheims in Hamburg das Gesellschaftsspiel "Mensch ärgere Dich nicht".  (Foto: dpa Bildfunk, Bodo Marks (Symbolbild))

Menschen mit Einwanderungsgeschichte

AWO Seniorenzentrum in Worms will mehr auf kulturelle Bedürfnisse eingehen

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Sabine Steinbrecher
Sabine Steinbrecher ist Reporterin im SWR Studio Mainz (Foto: SWR, Daniel Brusch)
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Corinna Lutz
Corinna Lutz ist Reporterin im SWR Studio Mainz (Foto: SWR, Daniel Brusch)

Sprache, Religion, Ernährung oder Verhaltensweisen: Das alles prägt Menschen. In Worms wird nun an einem Konzept gearbeitet, das auch die Bedürfnisse von Muslimen berücksichtigt.

Nicht nur für die Pflegenden, sondern auch für die Menschen, die gepflegt werden, kann die unterschiedliche Herkunft eine Barriere sein. In Pflegeeinrichtungen und bei ambulanten Pflegediensten arbeiten immer mehr Pflegebedürftige, die einen Migrationshintergrund haben, kaum Deutsch sprechen und geprägt sind von ihrem Herkunftsland.

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Viele Migranten kamen zwischen 1950 und 1970

Angeworben wurden viele als "Gastarbeiter". Die Menschen kamen aus der Türkei, Griechenland, Italien und anderen Ländern. Viele von ihnen sind in Deutschland geblieben und benötigen jetzt Pflege. In dem Einzugsgebiet des AWO Pflegezentrums in Worms leben viele Migrantinnen und Migranten. Das hat den Vorteil, dass Beschäftigte der Einrichtung die Muttersprachen der Bewohnerinnen und Bewohner können, weil sie auch einen Migrationshintergrund haben.

AWO passt Dienstpläne an

Isabel Neubauer vom AWO Seniorenzentrum sagt, das mache sich die Einrichtung zu Nutze. Man berücksichtige aber auch kulturelle Bedürfnisse. Bei Dienstplänen werde beispielsweise berücksichtigt, dass Männer von Männern gepflegt werden und Frauen von Frauen.

"Für die meisten Menschen ist es nicht relevant, von wem sie gepflegt oder gewaschen werden. Bei gläubigen Muslimen spielt das jedoch eine entscheidende Rolle."

Der Begriff "kultursensible Pflege" beinhaltet mehr, als beim Essensangebot auf Schweinefleisch zu verzichten. Es geht auch darum, Sprachbarrieren abzubauen und bei Freizeitangeboten auf kulturelle Vielfalt der Bewohnerinnen und Bewohner Rücksicht zu nehmen.

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Musik aus anderen Ländern

Nicht jeder, der im Seniorenzentrum in Worms lebt, kennt deutsche Volkslieder. Deshalb will die Einrichtung Angebote machen, von denen alle etwas haben. Isabel Neubauer will Chöre aus verschiedenen Ländern einladen. Außerdem hatten Kinder einen Auftritt in Worms, die einer afrikanischen Trommelgruppe angehören. Das sei eine Sprache, die jeder verstehe, sagt Isabel Neubauer.

Es gibt viele Aspekte, die in dem Konzept einer "kultursensiblen Pflege" mit einfließen können. Das AWO-Team in Worms arbeitet daran, es weiter zu entwickeln. Um damit auch dem eigenen Anspruch gerecht zu werden: Ihre Arbeit den Biografien der Menschen anzupassen.

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Wenn Menschen alt werden, kommen oft Erinnerungen an die Kindheit zurück. Doch was ist, wenn ein Mensch in einem anderen Land aufgewachsen ist? Kultursensible Pflege kann helfen.

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