Offener Brief des Vereins "Sterntaler"

Kritik an Situation in Kinderchirurgie der Unimedizin in Mainz

Stand

Von Autor/in Lucretia Gather, Golo Schlenk

Zu wenige Ärzte, Pflegekräfte am Limit: Der Förderverein "Sterntaler" sorgt sich um die chirurgische Versorgung von Kindern an der Mainzer Unimedizin. Die Klinik widerspricht.

In einem bereits am 19. Mai geschriebenen offenen Brief des Fördervereins an den rheinland-pfälzischen Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) heißt es, man sei in "großer Sorge um die Leistungsfähigkeit dieser Einrichtung und somit auch um die chirurgische Versorgung der Kinder in Rheinland-Pfalz."

Kinderchirurgische Station geschlossen

Das Schreiben wurde unter anderem auch an die Kassenärztliche Vereinigung und fünf Fraktionen im Mainzer Landtag geschickt. Darin beschreibt der Vorsitzende des Fördervereins, Wolfgang Puth, die Lage in der Kinderchirurgie: "Die kinderchirurgische Station A3 in der Universitätsmedizin ist seit Monaten stillgelegt. Die kleinen Patientinnen und Patienten sind in der Kinderklinik verteilt."

Pflegekräften von Situation belastet

Das sei ein "Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten" und ein "Versorgungsrückschritt, der in der Elternschaft für großen Unmut sorgt." Hinzu komme, dass die Motivation der Pflegekräfte "erheblich beeinträchtigt" sei, heißt es in dem Brief.

Kritik an Personalsituation in Kinderklinik

Seit September 2020 sei die Stelle des Klinikdirektors und damit auch der Lehrstuhl für Kinderchirurgie unbesetzt. Das habe "erhebliche Auswirkungen auf die Organisation der Klinik und die Ausbildung neuer Kinderchirurgen".

ln den letzten zwei Jahren hätten fünf Fachärzte die Kinderchirurgie verlassen. Die Situation werde sich sogar noch erheblich verschärfen - ab September seien dann nur noch zwei bis maximal zweieinhalb kinderchirurgische Fachärzte im Dienst.

Kinderchirurgie Mainz hat keine Leitung

Die Klinik werde aktuell nur kommissarisch geleitet, bestätigt auch die Unimedizin dem SWR. Wolfgang Puth sagte dem SWR, dass der vorübergehende Leiter die Station allerdings noch im Sommer verlassen werde, eine weitere Ärztin gehe demnächst in Rente. Es würden dann weniger als drei Fachärzte dort arbeiten, so Puth.

Unimedizin weist Kritik zurück

Die Universitätsmedizin widerspricht den im Brief geäußerten Sorgen. Man versuche, in der Kinderklinik Synergieeffekte zu erzielen und möglichst viele kranke Kinder zu behandeln. Die Kinder seien weiterhin gut versorgt. Die kinderchirurgische Station A3 sei im vergangenen Sommer mit der neuropädiatrischen Station A4 als "interdisziplinäre Station" zusammengelegt worden.

Uni: Hohe Qualität weiter gewährleistet

Dies biete dem Personal die Möglichkeit, fachliche Kenntnisse zu erweitern. Diese "interdizipläre Nutzung unserer Personal- und Bettenressourcen" sei Bestandteil des Tranformationsprozesses, in dem sich die Unimedizin befinde. Überwachungspflichtige Patienten würden "unverändert auf der Kinder-Intensivstation behandelt, so dass auch deren Versorgung sichergestellt ist."

Personalsituation soll bald besser werden

Zur Personalsituation heißt es, man sei aktuell in Gesprächen mit "einem aussichtsreichen Kandidaten", der die Leitung der Kinderchirurgie dauerhaft besetzen könne. Zudem würden Einstellungsverfahren für zwei neue Oberarzt-Stellen laufen.

Gesundheitsministerium reagiert auf Kritik

Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium sieht die Versorgung in der Kinderchirurgie der Universitätsmedizin Mainz gesichert. Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) sagte, er danke dem Verein Sterntaler für die jahrelange Unterstützung der Kinderchirurgie und nehme seine Hinweise ernst. Er könne aber beruhigt mitteilen, dass die Versorgung uneingeschränkt gesichert sei. Zudem sei durch die Zusammenlegung von zwei Stationen eine noch bessere Versorgung möglich.

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