Die Angler haben in dem ausgetrockneten Teil des Gräfenbachs (Kreis Bad Kreuznach) mehr als 2.000 tote Fische gefunden. (Foto: Martin Riedel)

Illegal Wasser aus Bach gepumpt

Polizei Bad Kreuznach ermittelt nach Fischsterben im Gräfenbach

STAND
AUTOR/IN
Sibylle Jakobi

Im Gräfenbach bei Gutenberg (Kreis Bad Kreuznach) sind mehr als 2.000 Fische verendet. Anwohner und Kleingartenbesitzer sollen illegal Wasser aus dem Bach gepumpt haben.

Der Gräfenbach war Anfang der Woche auf einer Länge von 300 Metern ausgetrocknet. Zigtausend Kleinstlebewesen und mehr als 2.000 Fische seien verendet, so Angler und freiwillige Helfer. Sie hatten daraufhin eine Rettungsaktion gestartet. Fische, die sich in kleine Pfützen geflüchtet hatten, konnten so noch weiter bachaufwärts in tiefere Wasserstellen umgesiedelt werden.

Anblick der toten Fische schockiert Angler

Angler Martin Riedel ringt noch immer um Fassung. Er hatte in der Nacht zum Dienstag das ausgetrocknete Bachbett entdeckt. Sofort habe er seine Mitstreiter vom Angler-Blog "Bock auf Barsch" und den Angelsportverein alarmiert. Mit Eimern, sonstigen Gefäßen und Sauerstoffpumpen waren die Freiwilligen angerückt, um die Tiere zu retten.

Die Angler haben in dem ausgetrockneten Teil des Gräfenbachs (Kreis Bad Kreuznach) mehr als 2.000 tote Fische gefunden. (Foto: Martin Riedel)
Die Angler haben in dem ausgetrockneten Teil des Gräfenbachs (Kreis Bad Kreuznach) mehr als 2.000 tote Fische gefunden. Martin Riedel

Der Anblick der toten Tiere habe sie alle entsetzt. "Das tut so weh, man kann es nicht beschreiben. Einige Kollegen aus dem Verein waren den Tränen nah", sagt Jens Wichmann, Vorsitzender des Angelsportvereins Nahe. Hunderte Flußkrebse, Bachschmerlen, Gründlinge, Quappen und Forellen seien jämmerlich verendet, so die Angler.

Bachwasser illegal abgepumpt

Auf ihrem Weg durch den Bach seien sie immer wieder auf elektrische Pumpen gestoßen, mit denen Anwohner und Kleingärtner Wasser aus dem Gräfenbach holen. Das geschehe teilweise mit, aber auch ohne Genehmigung der Behörden. Allerdings dürfte bei so einem niedrigen Wasserstand wie derzeit auch mit Genehmigung kein Wasser aus dem Bach geholt werden.

Die Angler sind sicher, durch das Abpumpen wurde der Bach trockengelegt und die Tiere getötet. Es seien auch Dämme gebaut worden, um das Wasser zu stauen und so besser an das ohnehin schon wenige Wasser im Bach zu kommen. "Es ist unfassbar, wie blind der Mensch in die Natur eingreift und ganze Ökosysteme zerstört, nur um einen schönen Garten zu haben", sagt Martin Riedel.

Ein Teilstück des Gräfenbachs war Anfang der Woche ausgetrocknet, offenbar weil illegal Wasser abgepumpt worden war. (Foto: Martin Riedel)
Ein Teilstück des Gräfenbachs war Anfang der Woche ausgetrocknet, offenbar weil illegal Wasser abgepumpt worden war. Martin Riedel

Nachdem die Freiwilligen die illegalen Dämme zerstört haben, sei wieder etwas Wasser in das Bachbett geflossen, so die Angler. Jetzt aber gebe es bereits neue Meldungen, dass wieder Wasser abgepumpt worden sei.

50.000 Euro Strafe für illegales Wasserholen

Die Angler haben die Untere Wasserbehörde bei der Kreisverwaltung und die Kripo eingeschaltet. Nach Angaben der Bad Kreuznacher Kreisverwaltung wurden im betroffenen Bereich acht elektrische Wasserpumpen festgestellt. Wenn nachgewiesen wird, das illegal Wasser aus dem Bach gepumpt wurde, ist das eine Ordnungswidrigkeit. Es drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro. Die Kripo ermittelt darüber hinaus wegen möglicher Straftaten. Im Raum stehen Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und das Gewässerverunreinigungsgesetz.

"Wir sind Angler. Wir sind aber in erster Linie auch Naturschützer und Tierschützer."

Jens Wichmann sieht bei allem Entsetzen über das Fischsterben jetzt aber auch eine positive Reaktion. Viele Anwohner seien sich gar nicht bewusst, was sie anrichten können, wenn sie den Bach anzapfen. Viele seien aber schnell einsichtig.

Das Fischsterben im Gräfenbach habe nun außerdem viele sensibilisiert. In den letzten Tagen bekomme er immer wieder Anrufe von besorgten Anwohnern von Bächen und Flüssen. "Das ist richtig, richtig toll", sagt er. Und er bittet weiter, den Angelsportverein immer zu informieren, wenn die Wasserstände an bestimmten Stellen kritisch für die Fische werden.

Aktionsplan, um Fische zu retten

Der Verein hat eine Art Aktionsplan für solche Fälle. Die Fische könnten dann an tiefere Stellen in den Gewässern umgesetzt werde. Auch der Bad Kreuznacher Bauhof, die Feuerwehr in Rüdesheim und einige Landwirte hätten ihre Unterstützung zugesagt.

Bad Kreuznach

Verborgenes Wasserreservoir Bad Kreuznach gießt mit Wasser aus Pumpstation und spart Geld

Die Stadt Bad Kreuznach braucht kein Trinkwasser, um Bäume und Beete zu bewässern. Das Grünflächenamt nutzt ausschließlich das Wasser einer Pumpstation der Bahnhofsunterführung.  mehr...

Am Nachmittag SWR4 Rheinland-Pfalz

Bad Kreuznach

Bolzen im Kopf Angeschossene Nilgans in Bad Kreuznach soll eingefangen werden

Die Naturschutzgruppe Nahe soll in Bad Kreuznach die angeschossene Nilgans anfüttern und einfangen. Dem Tier war mit einem stiftgroßen Bolzen in den Kopf geschossen worden.  mehr...

Am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

STAND
AUTOR/IN
Sibylle Jakobi