Lkw von Feuerwehr und Katastrophenschutz vor der Turnhalle im rheinhessischen Mettenheim, wo die Geflüchteten aus der Ukraine die Nacht verbracht haben. (Foto: Wilfried Eichner)

Rheinhessen statt Bayern

Kriegsflüchtlinge aus Ukraine landen im "falschen" Mettenheim

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Sie wollten vor dem Krieg in der Ukraine nach Bayern fliehen. Stattdessen landeten sie in Rheinhessen.

Die Überraschung im rheinhessischen Mettenheim war groß am vergangenen Sonntag. Plötzlich standen 39 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine mitten in der Nacht am Bahnhof und wussten nicht mehr weiter.

Eigentlich wurden sie nämlich nicht im Landkreis Alzey-Worms, sondern im oberbayerischen Mettenheim erwartet. Aber dieses Ziel im Landkreis Mühldorf am Inn hatten die Geflüchteten um etwa 460 Kilometer verfehlt.

Spontane Hilfe in Mettenheim

Im rheinhessischen Mettenheim wurde den Menschen aber trotzdem spontan geholfen. Anwohner hatten die Gruppe Geflüchteter bemerkt und den Notruf alarmiert.

"Ich wollte gerade ins Bett!"

Polizei, Feuerwehr und ein Rettungswagen waren schon da, als Ortsbürgermeister Wilfried Eichner dazukam. "Mein Handy klingelte, als ich gerade ins Bett gehen wollte", sagte er dem SWR. Es war kurz vor Mitternacht.

Kurzfristig in die Turnhalle

Als er von der Gruppe Geflüchteter hörte, packte er gleich seinen dicken Schlüsselbund ein. Daran hängt auch der Schlüssel der Mettenheimer Turnhalle. "Ich bin jeden Tag dort und wusste, dass es dort warm ist", erzählt er. Außerdem gibt es in der frisch renovierten Halle sanitäre Anlagen, eine Küche und einen Mehrgenerationenraum.

24 Kinder dabei

"Die Feuerwehr hat die Turnmatten auf dem Boden verteilt und viele haben sich gleich hingelegt und sind eingeschlafen", sagt Eichner. Er schätzt, dass es sich bei der Gruppe um drei Großfamilien handeln muss. "Es waren mindestens 24 Kinder dabei", sagt er - eins davon noch ein Baby, das Hunger hatte.

Babybrei von Nachbarn

"Es ist schon lange her, dass ich Vater geworden bin", lacht Eichner, der sich jetzt auf einmal wieder um Babynahrung kümmern musste. Da kam wieder sein dicker Schlüsselbund ins Spiel, denn daran hängt auch der Schlüssel des benachbarten Kindergartens, der auch unter Zweijährige betreut. "Ich habe dort geguckt, ob es etwas zu essen für das Baby gibt, aber nichts gefunden."

Ein junger Feuerwehrmann klingelte dann Freunde mit Baby aus dem Bett und besorgte die Babynahrung, so Eichner. Die "Schnelleinsatzgruppe Betreuung" der Feuerwehr beschaffte Essen für die anderen und kochte Tee.

"Kommunikation war schwierig"

Die Kommunikation sei etwas schwierig gewesen, weil niemand aus der Gruppe englisch sprach, erzählt Wilfried Eichner. Ein Jugendlicher habe ein bisschen deutsch gesprochen und einer der beiden Polizisten, die zuerst da waren, sprach russisch. So kam heraus, dass die Gruppe ins bayerische Mettenheim wollte, weil dort schon die erwachsene Tochter eines Mitglieds der Gruppe war.

Weiterfahrt am nächsten Morgen

Gegen acht Uhr am Montagmorgen ist die Gruppe dann wieder aufgebrochen. "Sie hatten sehr viel Gepäck dabei", erzählt Eichner. "Die Feuerwehr hat das in ihren Lkw geladen und zum 300 Meter entfernten Bahnhof transportiert", sagt der Ortsbürgermeister.

Die Polizei hat die Gruppe noch mit einem Plan der Zugverbindungen ausgestattet und dann ging's los. "Ich habe mir gedacht, mit dem ganzen Gepäck und den Kinder so oft umsteigen, das ist schon eine ganz schöne Herausforderung", so Eichner. Schaut man den Fahrplan nach, sind es mindestens vier Umstiege von Mettenheim nach Mettenheim.

Flüchtlinge sind heil in Bayern angekommen

Aber die Gruppe hat es geschafft. Wie der Landkreis Mühldorf am Inn dem SWR mitteilte, ist die Gruppe am Montagabend wohlbehalten im Kulturhof Mettenheim angekommen, wo der Landkreis ein Drehkreuz für Geflüchtete aus der Ukrainie eingerichtet hat. Von dort aus warten sie nun darauf, weiterverteilt zu werden.

"Wir sind vorbereitet auf weitere Geflüchtete."

Michael Matthes, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Kreises Alzey-Worms hat den Einsatz in Mettenheim mit koordiniert hat. "Es war top", sagt er. "Alle haben wunderbar zusammengearbeitet. Wenn wieder Flüchtlinge aus der Ukraine kommen, dann ist der Kreis Alzey-Worms vorbereitet."

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