Der Newweling wurde 1367 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Name könnte sich von dem Wort Nebel ableiten und so viel wie Nebellicht bedeuten. (Foto: SWR)

Allerheiligen ohne Mainzer Tradition

Bald keine Newweling-Kerzen mehr in Mainz?

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Franz-Hubertus Tusar ist nach eigenen Angaben der letzte Kerzenhersteller in Mainz. Der 69-Jährige stellt auch die traditionellen Newweling-Kerzen her. In diesem Jahr fällt die Produktion aber aus.

Franz-Hubertus Tusar und seine Schwester Maria-Theresia sind ein Zwei-Personen-Betrieb. Normalerweise stellen sie vor Allerheiligen (1.11.) in ihrer Kerzenfabrik am Mainzer Münsterplatz rund 1.000 Newwelinge her. In diesem Jahr wird es die traditionellen Grabkerzen für Allerheiligen aber nicht geben, sagt Tusar.

Der Mainzer Kerzenmacher Franz-Hubertus Tusar steht in seiner Werkstatt. (Foto: SWR, Lucretia Gather)
Seit 1966 arbeitet Franz-Hubertus Tusar in Mainz als Kerzenhersteller. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sein Vater August die Kerzenfabrik wieder aufgebaut. Lucretia Gather

Seine Schwester, die normalerweise die bunten Wachsstränge für den Newweling wickelt, fällt krankheitsbedingt aus. Die aufwändige Produktion der Kerzen könne er in diesem Jahr aber alleine nicht leisten, sagt Tusar.

Eventuell muss Tusar seine Kerzenfabrik früher aufgeben

Tusar sei in der Fabrik gerade "der Mann für alles". Der 69-Jährige stellt weiter Kerzen her, verziert sie auf Auftrag individuell für Taufen, Kommunionen und Konfirmationen aber auch Hochzeiten und verkauft sie. "Sollte meine Schwester mir auf Dauer aber nicht mehr helfen können, muss ich vielleicht auch etwas früher aufhören, als ich es mir eigentlich vorgestellt habe."

"Sollte meine Schwester mir auf Dauer aber nicht mehr helfen können, muss ich vielleicht auch etwas früher aufhören."

Einen Nachfolger für die Firma gebe es nicht, sagt Tusar. "Meine Schwester und ich sind unverheiratet", sagt Tusar. "Also Kinder, die es übernehmen könnten, gibt es nicht."

Nachfolger-Suche bisher erfolglos

Vor knapp fünf Jahren hatte sich eine Frau bei Tusar gemeldet. Sie war Konditorin und wollte bei ihm das Kerzenhersteller-Handwerk erlernen. Auch wenn Tusar keinen Meisterbrief besitzt, hätte er die Ausbildung gerne übernommen. Die Kerzeninnung hatte diesem Modell auch bereits zugestimmt. Allerdings hatte nach einem halben Jahr die Handwerkskammer von der Übernahme abgeraten, sodass die Konditorin abgesprungen ist, erzählt Tusar.

Er übergebe mit der Traditionsfirma auch keinen Baum, wo nur goldene Äpfel hingen und sie nur noch geerntet werden müssten, sagt er. "Das Geschäft rechnet sich nicht und da haben wir es aufgegeben, aktiv nach einem Nachfolger zu suchen." Wie lange er selbst noch arbeiten könne, entscheide "der liebe Gott".

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