Long-Covid-Patientin Leyla Ergen aus Mainz sitzt am Rheinufer. Auch Monate nach ihrer Corona-Infektion hat die sportliche junge Frau noch Beschwerden. (Foto: SWR, Sabine Steinbrecher)

Junge Mainzerin leidet unter Long-Covid

"Erschreckend, was für Folgen ich durch Corona bekommen habe"

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Sabine Steinbrecher

Mehr als 155.000 Menschen in Rheinland-Pfalz haben eine Covid-19-Erkrankung hinter sich. Viele von ihnen leiden dauerhaft unter gesundheitlichen Einschränkungen. Eine betroffene Mainzerin erzählt vom Leben mit "Long Covid".

Leyla Ergen ist 24 Jahre jung und sehr sportlich. Schon als Schülerin ging sie zum Kickboxen und zum Tanzen. Sie liebt schnelle, anstrengende Sportarten und hochintensives Intervalltraining. Doch im Februar erkrankte sie an Corona - seitdem geht ihr im wahrsten Sinne des Wortes oft die Luft aus.

Corona-Infektion im Februar verlief mild

"Corona war eigentlich wie eine Erkältung", erzählt Leyla im SWR-Interview. Sie sei ein bisschen müde und kaputt gewesen und habe einige Tage keinen Geschmacks- und Geruchssinn gehabt. Ansonsten sei es ihr gut gegangen. Vier Wochen war die junge Mainzerin in Quarantäne. Dann ging es ihr eigentlich wieder gut.

Nur noch 80 Prozent des Lungenvolumens

Nach einiger Zeit bemerkte sie aber, dass sie schnell außer Atem kam. Im Juni ging es Leyla dann so schlecht, dass sie zum Lungenarzt und zum Kardiologen ging. Die Ärzte stellten fest, dass die junge, sportliche Frau nur noch 80 Prozent ihres Lungenvolumens hat. Sie bekam Asthma-Sprays verschrieben.

"Wenn ich zuhause in den vierten Stock gehe, rast mein Herz."

Die 24-Jährige macht nach wie vor täglich Sport, merkt jedoch, dass sie nicht mehr so fit ist. Sie muss jetzt öfters Pausen machen. Das hat auch Auswirkungen bei den Jugendreisen, die sie seit vielen Jahren als Teamleiterin begleitet. In diesem Sommer konnte sie keine sportlichen Aktivitäten anbieten und nur noch im Kreativbereich Gruppen übernehmen.

Bändchen knüpfen statt Mountainbike fahren

Die 24-Jährige studiert Ernährungs-Ökonomie und hatte einen Nebenjob als Rezeptentwicklerin bei einem Lebensmittelkonzern. Den musste sie aufgeben. Ihr Geschmackssinn ist nach der Corona-Erkrankung zwar zurückgekommen, aber die Aromen kann sie nicht mehr so gut unterscheiden wie früher.

"Ich hatte nie Angst um mich. Ich habe mich immer an alle Corona-Maßnahmen gehalten, um meine Eltern und meine 85-jährige Oma zu schützen."

Sie habe bei Corona nie Angst um sich selbst gehabt, erzählt Leyla. "Gerade weil ich eine sehr sportliche Person bin, die nie krank war. Mir ging es eigentlich immer top." Jetzt merke sie, dass sie sich schnell erkälte und nicht mehr so gut Luft bekomme.

Trotzdem möchte Leyla keine Schwäche zeigen und stark bleiben. Die junge Mainzerin hofft, dass die Zeit alles heilt. Dass sie irgendwann wieder zu ihrer ursprünglichen Form zurückfindet und auch beim Sport wieder 100 Prozent geben kann.

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