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55 Bewohner und über 80 Mitarbeiter der Seniorenresidenz in Nieder-Olm konnten am Sonntag gegen COVID-19 geimpft werden. Damit gehörten sie zu den ersten in ganz Deutschland. Der SWR hat mit dem Einrichtungsleiter, Joachim Schmöckel, über den Impftag gesprochen.

Das Seniorenzentrum Nieder-Olm ist von der Koordinationsstelle des Landes mit ausgesucht worden, als eine der ersten Einrichtungen Impfungen gegen COVID-19 zu erhalten. Am Sonntag war es soweit. Was bedeutet Ihnen dieser Tag?

Joachim Schmöckel: Wir haben uns hier im Team sehr gefreut, dass wir das für unsere Bewohner und Mitarbeiter zur Verfügung gestellt bekommen haben. Wir haben jetzt alle Bewohner erfasst, die zu impfen waren. Wir haben außerdem über 80 Mitarbeiter und Ehrenamtler hier impfen dürfen, und die Bereitschaft dazu war sehr groß. Wir alle haben die Hoffnung, dass wir mit der Impfung für unsere Bewohner und für unsere Lebenskultur hier eine Verbesserung erreichen können.

Wie liefen die Vorbereitungen ab?

Joachim Schmöckel: Da wir die Weihnachtsfeiertage vor uns hatten, war es natürlich doppelt druckvoll. Aber wir haben hier im Team gut zusammenarbeitet. Das Impfzentrum hat uns alles zur Verfügung gestellt, was wir gebraucht haben, und uns wurde ein Impfteam zugeteilt. Mit dem Koordinator konnten wir die Vorbereitungen hier abstimmen und haben also meiner Meinung nach hier im Hause einen sehr ruhigen und guten Ablauf hinkriegen können. Am Ende des Tages waren wir alle sehr zufrieden und hatten ein gutes Gefühl.

"Bewohner müssen vor der Impfung sorgsam beraten werden"

Was war so aufwendig bei den Vorbereitungen?

Joachim Schmöckel: Wir brauchen einen Hausarzt, der das gut mit uns vorbereitet, der die Aufklärungsarbeit macht und der die Möglichkeit jemanden zu impfen, prüft. Da waren wir in der glücklichen Lage, unseren Hausarzt, Herrn Doktor Thomas aus Stadecken-Elsheim, gewinnen zu können, der das übernommen hat und der die Begleitung der Impfung hier komplett von A bis Z durchgeführt hat. Ich glaube, so manches Haus ist an der Hürde gescheitert, vor Weihnachten einen Arzt zu bekommen, der noch mit einsteigt.

Der Impfstoff ist wertvoll und braucht eine besonders sorgsame Behandlung. Und damit müssen auch die impffähigen Bewohner und Mitarbeiter sorgsam ausgesucht werden und auch beraten werden. Denn in der Presse sind ja auch sehr viele Informationen verbreitet worden – das löst bei den Menschen Fragen aus. Die müssen vorher beantwortet werden. Sonst ist die Einstellung zur Impfung nicht die, die wir brauchen.

Im Vorfeld mussten auch Einverständniserklärungen eingeholt werden.

Joachim Schmöckel: Im Vorfeld wurde eine Liste der Impfwilligen erstellt, die wir ins Impfzentrum geschickt haben und das Impfzentrum hat uns dann personalisierte Dokumente zur Verfügung gestellt, die wir für die Aufklärung, die Begleitung während der Impfung und die Nachsorge benutzen können.

Joachim Schmöckel, Leiter der Seniorenresidenz Nieder-Olm (Foto: SWR)
Joachim Schmöckel, Leiter der Seniorenresidenz Nieder-Olm

Impfteam vom Deutschen Roten Kreuz im Einsatz

Wie ist die Impfung am Sonntag in ihrem Haus abgelaufen?

Joachim Schmöckel: Wir haben uns mit dem Impfteam darauf verständigt, dass wir in aller Ruhe erst einmal die Bewohner impfen. Das Apotheker-Team hat den Impfstoff in einem Dienstzimmer hygienisch einwandfrei vorbereiten können. Und das Impfteam ist mit dem Hausarzt oder der Pflegefachkraft dann von Bewohner zu Bewohner gegangen und hat die Bewohner dann noch mal aufgeklärt, vorbereitet, noch mal abgeklärt, dass sie impffähig sind. Das Impfteam vom Deutschen Roten Kreuz hat dann die Impfung ausgeführt. Die Pflegekräfte gehen dann im Nachgang natürlich hin und kontrollieren den Verlauf.

Wir haben dann ab Mittag unsere Mitarbeiter hier in Portionen eingeladen und dann haben sie eine Impf-Straße durchlaufen. Dankenswerterweise hat das DRK-Team drei Mitarbeiter mitgeschickt, die impfen konnten. Da konnten wir also drei Impf-Plätze vorbereiten. Der Hausarzt hat die Impflinge noch mal in Empfang genommen und danach wurden sie geimpft. Im Anschluss wurden sie im Einbahnstraßen-Prinzip in den großen Speisesaal geführt. Dort haben sie dann bei Kaffee und Kuchen auf ihre letzte Kontrolle gewartet, bevor sie wieder nach Hause gehen konnten.

"Impfung ist gut vertragen worden"

Gab es Personen, die Reaktionen auf die Impfung gezeigt haben?

Joachim Schmöckel: Am Impftag hatten wir nur eine Aufreger-Situation, eine Unruhe-Situation, die aber zu keinem Kreislaufproblem geführt hat. Und einen Tag später kann ich sagen, außer einem schmerzhaften Oberarm, der ein bisschen juckt und noch nicht ganz zur Ruhe gekommen ist, gibt es keine weiteren Vorfälle nach der Impfung. Die Impfung ist bis jetzt flächendeckend gut vertragen worden.

Hat die Einrichtung jetzt einen kompletten Schutz vor COVID-19?

Joachim Schmöckel: Das dürfen Sie so nicht sehen, denn die Impfung muss ja in zwei Schritten durchgeführt werden. Vielleicht gibt es schon eine beginnende Schutzphase. Aber es ist trotzdem ein sehr gutes Gefühl. Die Menschen warten darauf, wieder in Normalitätsphasen zurückkehren zu dürfen. Und mit dem zweiten Impfschritt wird ja in der Presse eine sehr hohe Sicherheit vermittelt. Dann ist die Einrichtung natürlich auf einem guten Stand. Hygienemaßnahmen müssen wir immer einhalten. Übertragungswege wird es weiterhin geben. Aber die Sorge um die Krankheit ist dann gemindert.

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