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Am Continental-Standort in Rheinböllen sollen nach Angaben des Autozulieferers in Zukunft neben Bremsen auch Transportroboter produziert werden. Trotzdem werden Stellen gestrichen.

Die Gewerkschaft IG Metall, Betriebsrat und Automobilzulieferer Continental haben sich auf ein sogenanntes Transformationskonzept für den Standort Rheinböllen geeinigt. Details dazu wurden am Mittwoch in einer Pressekonferenz mitgeteilt. Nach Angaben von Continental soll am Standort Rheinböllen ein Kompetenz- und Produktionszentrum für autonom fahrende Transportroboter entstehen.

Stellenabbau bei Continental in Rheinböllen

Nach IG-Metall-Angaben soll die Bremsenproduktion am Standort in Rheinböllen bis 2028 von acht Millionen Bremsen auf vier Millionen Bremsen pro Jahr halbiert werden. Damit soll ein massiver Stellenabbau einhergehen. Durch den jetzt ausgehandelten Zukunfts- und Sozialvertrag für die Beschäftigten am Standort könnten die Folgen jedoch gemildert werden.

Mitglieder der IG Metall könnten demnach betriebsbedingt bis Ende 2023 nicht gekündigt werden, teilte die Gewerkschaft mit. Bis zum 30. April 2025 werde eine Mindestpersonalbemessung von 315 Beschäftigten vereinbart. Continental wird laut IG Metall zudem garantieren, dass es 2028 immer noch genug Arbeit für mindestens 250 Menschen gibt. Derzeit sind am Standort Rheinböllen rund 650 Menschen beschäftigt.

"Ein Kahlschlag konnte verhindert werden."

IG-Metall-Sprecher Ingo Petzold zum Stellenabbau bei Continental


Der Bevollmächtigte der IG Metall Bad Kreuznach, Ingo Petzold, sagte, er betrachte das Verhandlungsergebnis mit den vorliegenden Eckpunkten als guten Kompromiss: "Ein Kahlschlag konnte verhindert werden." Durch die Einigung habe ein unbefristeter Streik in letzter Minute abgewendet werden können.

Continental: Schmerzhafte Einschnitte

Das Unternehmen spricht selbst von schmerzhaften Einschnitten, die aber notwendig seien. Mithilfe von Altersteilzeit, freiwilligen Maßnahmen und einer Transfergesellschaft sollen die Folgen abgemildert werden. Es würden einvernehmliche sozialverträgliche Lösungen angestrebt. "Die Einigung schafft nun für alle Beteiligten Klarheit", sagte Standortleiter Stephan Nachtmann.

Roboter wurde in Rheinböllen entwickelt

Während die Bremsenproduktion in Rheinböllen zurückgefahren wird, soll ein neues Produkt in den Fokus rücken: autonom fahrende Roboterfahrzeuge. Die Transportroboter wurden laut Continental in Rheinböllen mitentwickelt und sollen testweise auch schon im Einsatz sein.

Das Unternehmen plant nach eigenen Angaben, mit den autonomen Transportfahrzeugen die Effizienz in der Produktion zu steigern. Die Roboter könnten zum Beispiel Lasten von mehr als einer Tonne transportieren und Gabelstaplerfahrten ersetzen.

Autonomer Transportroboter aus dem Continentalwerk Rheinböllen (Foto: SWR)
Mit den selbstständig fahrenden Transportrobotern plant Continental, die Effizienz in der Produktion zu steigern. Gabelstabler könnten in einigen Bereichen möglicherweise durch die Fahrzeuge ersetzt werden.

Umstellung der Produktion: Transportroboter statt Bremsen

Nach Angaben von Betriebsrat Ralf Stehl sind für den Bau der Transportroboter umfangreiche Umschulungsmaßnahmen nötig. In Rheinböllen werden seit mehr als 50 Jahren Bremsen produziert - der Bau von Transportrobotern sei "etwas komplett anderes". Stehl zeigte sich jedoch optimistisch, dass die Mitarbeiter am Standort die Hürde meistern werden.

Der Großteil der Beschäftigten ist nach Angaben des Betriebsrats zufrieden mit dem Verhandlungsergebnis. Als Continental 2020 angekündigt habe, bundesweit 13.000 Stellen abzubauen, sei das ein Schock für alle gewesen, sagte Stehl, der selbst schon 42 Jahre für Continental arbeitet. Vor dem Hintergrund sei er froh über den Kompromiss, der in Rheinböllen gefunden worden sei.

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