STAND

FFP2-Masken als Schutz gegen das Coronavirus sind begehrt. In Rheinland-Pfalz gibt es inzwischen ein gutes halbes Dutzend Produzenten. Damit die Masken möglichst gut schützen, müssen Hersteller viele Feinheiten beachten.

Dünner weißer Vliesstoff läuft parallel von fünf Rollen auf ein schmales Band und wird mit Ultraschall verschweißt. Ein Nasenbügel wird zugeschnitten und in das Stoffgewebe geschoben - zum Schluss kommen die Ohrenbänder dran. Dann wird die Maske gefaltet, verschweißt, in die richtige Form geschnitten und von Stoffresten befreit. In wenigen Minuten ist eine FFP2-Schutzmaske fertig, vollautomatisch hergestellt - inklusive drei integrierter Qualitätsinspektionen und einer Stichprobenkontrolle. Die Maske wird maschinell in Klarsichtfolie eingetütet und fällt einzeln verpackt in einen Karton. Tausend Stück - dann ist er voll.

Pro Woche vier Millionen Masken an drei Standorten

Seit Mitte vergangenen Jahres produziert das 2004 gegründete mittelständische Familienunternehmen für automatisierte Medizintechnik Imstec GmbH in Klein-Winternheim bei Mainz die in Deutschland zertifizierten Masken, 100.000 bis 120.000 Stück am Tag allein in der Halle in Klein-Winternheim. Weil es an Platz für mehr Fertigungskapazitäten fehlte, habe er zwei Kunden in Pforzheim und Karlsruhe angesprochen, sagt Geschäftsführer Edgar Mähringer-Kunz. So seien 20 Produktionslinien an drei Standorten entstanden. Der Output beträgt mehr als vier Millionen FFP2-Masken pro Woche.

Medizinische Masken vom Autozulieferer

Medizinische Masken sind begehrt, erst recht seit Stoffmasken als Atemschutz in Bus, Bahn und Supermärkten nicht mehr erlaubt sind. Als Schutz vor den sich verbreitenden Virusvarianten könnten sie bald noch häufiger genutzt werden. Sogar branchenfremde Firmen satteln um: In Rheinland-Pfalz sind das etwa der Autozulieferer EPG Pausa in Eichelhardt (Kreis Altenkirchen) sowie Skylotec in Neuwied, ein Spezialist für Absturzsicherungen etwa für Kletterer, Baumpfleger und Hochhaus-Fensterputzer. Nach Angaben der Struktur- und Genehmigungsdirektionen (SGD) Süd und Nord gibt es mindestens sieben solcher Betriebe im Land, sechs davon im nördlichen Landesteil.

Corona-Krise traf das Kerngeschäft

Und wie kam der rheinhessische Automatisierungsspezialist von Medizinprodukten zum Atemschutz? "Zu Beginn der Pandemie war Deutschland von Masken-Importen vor allem aus China abhängig", sagt Imstec-Geschäftsführer Mähringer-Kunz. Wegen Lieferengpässen bei der Schutzausrüstung habe das Bundesgesundheitsministerium Anfang 2020 Aufträge zur Maskenproduktion ausgeschrieben und der Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer einen Aufruf an die Industrie gestartet.

Edgar Mähringer-Kunz, Geschäftsführer der Imstec GmbH, steht in einer Werkshalle für die FFP2-Maskenproduktion (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Edgar Mähringer-Kunz, Geschäftsführer der Imstec GmbH, in einer Werkshalle für die FFP2-Maskenproduktion Picture Alliance

Für die importierten Masken seien mitunter "utopische Preise" verlangt worden - auch für schlechte Qualität. Die weltweite Corona-Krise hatte zugleich das Kerngeschäft seines rheinhessischen Unternehmens getroffen, das auf die Entwicklung und den Bau automatisierter medizinischer Technologie etwa für Stents oder Prothesen spezialisiert war und diese in viele Länder exportierte.

Maskentechnologie kein "Hexenwerk", aber es gibt viel zu beachten

"Die Maskentechnologie ist eigentlich kein Hexenwerk. Wir machen viel kompliziertere Sachen", sagt der Geschäftsführer. "Qualität steht über allem", betont er aber. "Wir produzieren die Masken nach den gleichen strengen Regeln wie medizinische Komponenten." Mit bloßem Auge sehen FFP2-Masken verschiedener Hersteller fast gleich aus. Doch das Land Rheinland-Pfalz hat in der Pandemie bereits mehrmals Masken zurückgerufen - insgesamt Zehntausende - wegen Zweifeln an der Qualität.

"Das Filtervlies fungiert wie ein kleines, elektrisch geladenes Gitter", erklärt Mähringer-Kunz die Wirkung der elektrostatisch aufgeladenen FFP2-Masken. "Wenn Partikel wie Staub oder eben auch Aerosole hindurch fliegen, werden diese festgehalten." Die Norm sehe eine Filtereffizienz von mindestens 94 Prozent vor. Bei guter Qualität komme es aber noch auf mehr an, weshalb sein Unternehmen auch verschiedene FFP2-Masken-Typen herstelle. Die Größe sei entscheidend: "Wenn sie zu groß ist, bleibt ein zu hoher CO2-Anteil in der Maske." Vor allem aber müsse die Maske dicht sitzen, um ihre Wirkung zu entfalten. Dabei komme es unter anderem auf die Länge und den richtigen Sitz des Nasenbügels an, aber auch die Ohrenbänder müssten an der richtigen Stelle festgeschweißt und lang genug sein. "Sonst kann das bei längerem Tragen richtig weh tun an den Ohren", sagt Mähringer-Kunz.

Anlage produziert bis zu einer Million Masken pro Tag Schnellste Masken-Maschine der Welt aus Mayen

Eine Maschinenbaufima aus Mayen hat nach eigenen Angaben die schnellste Maschine für die Produktion von Mund-Nasen-Schutzmasken entwickelt. Die ersten Maschinen werden jetzt ausgeliefert.  mehr...

Großauftrag des Bundesgesundheitsministeriums Produktion von Schutzmasken in Neuwied gestartet

Der Hersteller von Hygieneprodukten "Lohmann & Rauscher" produziert am Standort in Neuwied-Feldkirchen ab sofort auch Mund- und Nasenschutzmasken. Das Bundesgesundheitsministerium hat dort 17 Millionen Stück bestellt.  mehr...

Wegen der Corona-Pandemie Nähmaschinenhersteller Pfaff Industrial produziert Schutzmasken

Der Industrie-Nähmaschinenhersteller Pfaff Industrial aus Kaiserslautern steigt aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie in die Produktion von Schutzmasken ein.  mehr...

Apotheken in Rheinland-Pfalz Ab jetzt kostenlose FFP2-Masken für Arbeitslosengeld II-Empfänger

Menschen, die Arbeitslosengeld II beziehen, können sich seit Dienstag kostenlos FFP2-Masken in rheinland-pfälzischen Apotheken abholen. Außerdem erhalten alle, die von der Krankenkasse einen Berechtigungsschein bekommen haben, die zweite Charge vergünstigter Masken.  mehr...

Weitere Ausgabe-Runde an Corona-Risikogruppen beginnt in Rheinland-Pfalz Bereits mehrere Millionen FFP2-Masken verteilt

Die Apotheken in Rheinland-Pfalz haben bereits mehrere Millionen FFP2-Masken kostenlos an Corona-Risikopersonen verteilt. Nun erhalten berechtigte Bürger weitere Gutscheine.  mehr...

Guten Morgen Rheinland-Pfalz SWR1 Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

OP- oder FFP2-Masken? Das sollten Rheinland-Pfälzer beim Kauf von Masken beachten

Seit Montag gilt in Rheinland-Pfalz die neue Corona-Verordnung - und damit auch eine verschärfte Maskenpflicht. Dabei gibt es einiges zu beachten, gerade bei der älteren Generation.  mehr...

STAND
AUTOR/IN