Die Chagall-Fenster der Katholischen Pfarrei St. Stephan in Mainz. (Foto: SWR)

Viele Freiwillige wollen bei Aufsicht helfen

Chagall-Fenster in Mainz können bald wieder ganztägig besichtigt werden

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Sabine Steinbrecher

Lange Zeit konnten die berühmten Chagall-Fenster in der Mainzer Kirche St. Stephan kaum besichtigt werden. Wegen der Corona-Pandemie gab es nur noch wenige Ehrenamtliche, die die Kirche beaufsichtigt haben. Jetzt haben sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger gemeldet, die helfen wollen.

Weil viele Ehrenamtliche aus gesundheitlichen Gründen in der Pandemie keine Aufsicht mehr machen konnten, ist die Kirche St. Stephan nur stundenweise geöffnet. Viele Touristinnen und Touristen stehen seit Monaten enttäuscht vor verschlossenen Türen.

Seitdem darüber unter anderem im SWR Fernsehen berichtet worden war, haben viele Menschen der Gemeinde ihre Hilfe angeboten.

"Direkt nach dem Bericht hat das Telefon nicht mehr still gestanden, wir waren überwältigt, dass sich so viele Menschen gemeldet haben, sind überrascht und sehr, sehr dankbar."

Viele Menschen haben sich gemeldet und wollen helfen

Pfarrer Thomas Winter sagt, der Rückhalt in Mainz sei gewaltig: Er habe 45 Personen auf dem Zettel, weitere 30 aus dem Kreis der Mainzer Gästeführer würden ebenfalls ehrenamtlich die Kirche beaufsichtigen.

Petra Jung aus Mainz ist eine der vielen, die der Kirche ihre Hilfe angeboten hat. Die Chagall-Fenster seien für sie aber nicht nur eine Touristenattraktion. Auch persönlich verbinde sie viel damit: "Ich bin in Mainz geboren und aufgewachsen, die Bedeutung der Chagall-Fenster ist mir von Kindesbeinen an bewusst."

Die Chagall-Fenster der Katholischen Pfarrei St. Stephan in Mainz. (Foto: SWR)
Die Stephanskirche in Mainz.

Chagall-Fenster sind Touristenhighlights

Die Chagall-Fenster sind vor allem für Amerikanerinnen und Amerikaner ein Highlight in Mainz, sagt die Mainzerin. Sie finde es schrecklich, dass seit einiger Zeit viele der Touristinnen und Touristen vor verschlossenen Kirchentüren stehen würden und die Chagall-Fenster nicht besichtigen könnten.

Chagall-Fenster sind deutschlandweit einzigartig

In Mainz hat der jüdische Künstler Marc Chagall die einzigen Fenster für eine Kirche in Deutschland geschaffen. Die neun Fenster mit biblischen Motiven haben vor Corona 200.000 Besucherinnen und Besucher jährlich angelockt.

"Sie sind ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung, der Völkerverständigung, der Verständigung zwischen Juden und Christen, zwischen Franzosen und Deutschen."

Dass Chagall die Fenster überhaupt für die katholische Kirche geschaffen hat, ist dem mittlerweile 98-jährigen ehemaligen Pfarrer von St. Stephan, Monsignore Klaus Mayer, zu verdanken.

Mainz ist stolz auf seine Chagall-Fenster

Die Stadt Mainz ist stolz auf die Chagall-Fenster. Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) lobt, dass Monsignore Mayer es geschafft hat, den Künstler dazu zu überreden, die Fenster für die Kirche in Mainz zu gestalten. Die Chagall-Fenster und St. Stephan seien ein einzigartiges Denkmal in ganz Deutschland und Europa. Geld für den Unterhalt und die Aufsicht der Kirche gibt es aber von der Stadt nicht.

Die finanzielle Situation der Kirchengemeinde ist durch die Pandemie dramatisch. "Wir haben einen Einbruch beim Förderverein allein im letzten Jahr von über 40.000 Euro. Der Verwaltungsrat der Gemeinde hat überlegt, die Fensterversicherung zu kündigen," sagt Pfarrer Winter.

Dank der Solidarität in der Bevölkerung kann das jetzt vielleicht noch verhindert werden. Pfarrer Winter will jetzt schnell ausloten, wann die Ehrenamtlichen einsatzbereit sind, um dann die Chagall-Fenster wieder ganztägig der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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