Got Bag-Gründer Benjamin Mandos steht mit einem Rucksack vor einer mit Plastik beklebten Wand (Foto: SWR)

Nach Greenwashing-Vorwurf

Mainzer Rucksack-Hersteller Got Bag verspricht mehr Transparenz

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Viele Menschen kaufen inzwischen umweltfreundliche Produkte. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz aber warnt: nicht überall, wo nachhaltig drauf steht, ist auch nachhaltig drin.

Ein Beispiel ist das Mainzer Unternehmen Got Bag. Das Start-Up produziert Rucksäcke aus Meeresplastik. In der Vergangenheit wurde teilweise im Internet der Eindruck erweckt, dass die Rucksäcke zu 100 Prozent aus Meeresplastik hergestellt werden. "Zeit Online" und "Flip", ein Hamburger Newsletter-Magazin, hatten recherchiert, dass das nicht stimmt.

Got Bag entschuldigt sich für ungenaue Kommunikation

Das Mainzer Unternehmen Got Bag hat sich dafür entschuldigt. Das Gewebe der Produkte sei vollständig aus Meeresplastik, nicht aber der gesamte Rucksack, wie zum Beispiel die Schnallen. Die Kommunikation sei nicht genau genug gewesen, so Unternehmens-Gründer Benjamin Mandos. Aus wie viel Meeresplastik die Rucksäcke genau bestehen, habe das Unternehmen schon seit längerem auf der Website transparent gemacht. Got Bag arbeite daran, die Information in den kommenden Wochen in Onlineshops, wo die Rucksäcke auch verkauft werden, richtigzustellen. In Zukunft will das Unternehmen klarer und transparenter kommunizieren.

Rucksack-Käufer können sich beschweren

Jennifer Häußer von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erklärt, dass Kunden und Kundinnen, die sich betrogen fühlten, auf Got Bag zugehen könnten. Generell habe jeder bei Käufen aus dem Internet ein Widerrufsrecht von zwei Wochen. Verbraucher und Verbraucherinnen könnten sich aber auch bei der Verbraucherzentrale beraten lassen. Sie werde dann Kontakt zu dem Unternehmen aufnehmen.

"Wenn ein Unternehmen damit wirbt, dass ein Produkt aus 100 Prozent recycelten Materialien besteht, muss diese Aussage auch wahr sein. Ist sie das nicht, kann das rechtlich verfolgt werden.“

Kaufvertrag kann angefochten werden

Wenn die falschen Informationen wissentlich und vorsätzlich vom Unternehmen verbreitet worden seien, dann könnten Käufer und Käuferinnen auch den Kaufvertrag gerichtlich anfechten, so Häußer. Dass die falschen Informationen vorsätzlich verbreitet worden seien, sei aber schwierig zu beweisen.

Jennifer Häußer von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz kennt sich mit Greenwashing aus (Foto: SWR)
Jennifer Häußer von der Verbraucherzentrale fordert von Unternehmen mehr Transparenz.

Werbung für nachhaltige Produkte verunsichert Verbraucher

Bei der Verbraucherzentrale meldeten sich immer häufiger Menschen, die wegen Werbeversprechen verunsichert seien, so Häußer. Begriffe wie „klimaneutral“ oder „umweltschonend“ seien nicht transparent. Die Verbraucher und Verbraucherinnen bekämen von den Herstellern oft nicht die nötigen Informationen, um abschätzen zu können, ob das Produkt wirklich nachhaltiger sei als ein konventionell hergestelltes.

Verbraucherzentrale fordert mehr Transparenz

Für immer mehr Verbraucher sei Nachhaltigkeit ein wichtiges Kaufkriterium, bemerkt Häußer. Diese Produkte seien oft teurer als andere. Wenn es dann aber kein nachhaltigeres Produkt gebe, obwohl das suggeriert werde, sei das nicht hinnehmbar. Unternehmen müssten transparenter werden, damit Verbraucher und Verbraucherinnen eine informierte Kaufentscheidung treffen könnten.

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