Oliver Mattern  (Foto: SWR, Thomas Oberfranz)

Polizei fragte Daten ab

Die Geschichte hinter dem Mainzer Luca-App-Skandal

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In die Kneipe gehen, in der Luca-App einchecken, den Abend genießen. Die Daten sind sicher – das dachte sich auch der Mainzer Oliver Mattern. Doch das war nicht der Fall.

Regelmäßig geht der Mainzer Oliver Mattern in die Kneipe Sixties zum Quiz-Abend. Schnell und bequem mit der Luca-App einchecken – und der Abend kann beginnen. Hier, sagt der Komponist, könne er entspannen und den Kopf freiräumen.

Er musste sich bisher auch keine Gedanken über die Daten der Luca-App machen – die seien sicher, hieß es immer. Nur zur Corona-Kontaktverfolgung dürfen die Daten vom Gesundheitsamt ausgelesen werden. So steht es auch explizit auf der Internetseite der Landesregierung. Die Polizei soll auf sie keinen Zugriff haben.

Polizei griff auf Luca-App-Daten zu

An einem Montagabend im November kommt es vor der Kneipe zu einem mutmaßlichen Sturz mit Todesfolge. Die Polizei sucht nach Zeugen und will dazu an die Daten der Luca-App. Staatsanwaltschaft und Gesundheitsamt willigen ein. Die Polizei meldet sich bei Oliver Mattern, der aber der Polizei gar nicht helfen kann. Er war zur fraglichen Zeit schon lange weg, hatte vergessen sich aus der App auszuchecken.

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Nach dem Telefongespräch mit der Polizei fragt sich der 52-Jährige: "Wie geht das, wenn eigentlich nur die Gesundheitsämter dran kommen dürfen?" Er wendet sich schließlich über Facebook an das ARD-Politikmagazin REPORT Mainz.

"Das war mir wichtig, dass das öffentlich gemacht wird, damit es schnell unterbunden wird und das Vertrauen in den Rechtsstaat nicht weiter verloren geht."

Die Recherchen lösen ein bundesweites Echo aus. Einige Politiker rufen sogar dazu auf, die Luca-App vom Handy zu löschen. Mattern nutzt die Luca-App jedoch weiterhin. Auch ihn persönlich haben viele Reaktionen erreicht: "Es gibt viel Positives, auch mir persönlich gegenüber", sagt er.

Es gebe aber auch kritische Rückmeldungen: "Einige Leute haben auch schon gesagt, es ist doch gar kein Problem, man ist ja auf Facebook, dann gibt man seine Daten ja auch frei."

"Vertrauen brauchen wir in diesen Zeiten"

In einer Stellungnahme hatte die Mainzer Staatsanwaltschaft den rechtswidrigen Zugriff auf die Luca-Daten eingeräumt und die Betroffenen um Entschuldigung gebeten. Bei den Betroffenen persönlich hat sich aber offenbar bisher niemand gemeldet und entschuldigt.

"Ich habe mich auch direkt ans Innenministerium gewendet und dort angekündigt, dass ich mich an die Medien wenden werde. Von da (dem Ministerium, Anm. d. Redaktion) kam aber noch nichts, keinerlei Reaktion."

Für Oliver Mattern geht es um Vertrauen - in den Staat und seine Institutionen. "Vertrauen brauchen wir in diesen Zeiten unheimlich. Wenn der Staat selber Vertrauen verspielt, dann können wir noch größere Probleme bekommen als wir sie schon haben."

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