Drei Seniorinnen sitzen im Frühjahr auf einer Bank aus Holz. Der Fotograf steht hinter ihnen.  (Foto: dpa Bildfunk, Jan Woitas)

Sexualisierte Gewalt

Mainzer Frauennotruf will 2022 wieder mehr ältere Frauen erreichen

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Die Corona-Beschränkungen haben es den Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs Mainz oft nicht leicht gemacht. Ältere Frauen seien beispielsweise schwerer zu erreichen gewesen. Das soll nun besser werden.

Bei vielen älteren Frauen lägen die sexuellen Übergriffe zwar schon Jahrzehnte zurück. Körperliche Einschränkungen oder die Erfahrung, etwas nicht mehr zu schaffen, könnten jedoch bewirken, dass belastende Erinnerungen zurückkehrten, erzählt Eva Jochmann. Sie arbeitet seit 1993 beim Frauennotruf Mainz.

Das Alter bringt Veränderungen mit sich

Älterwerden kann den Verlust von geliebten Menschen mit sich bringen, kann Ohnmacht oder Kontrollverlust bedeuten. Wenn Frauen sich von ihrer Familie plötzlich überall mit dem Auto hinfahren lassen müssen, weil sie die Wege nicht mehr alleine zurücklegen können, kann das eine nie gekannte Abhängigkeit bedeuten. Frauen, die beispielsweise immer gerne gewandert sind oder in einem Chor gesungen haben, und das nun altersbedingt nicht mehr können, denen fehlt eine Beschäftigung. Und Beschäftigung, sagte Eva Jochmann, habe auch etwas mit Bewältigungsstrategie zu tun.

Wenn alte Erinnerungen wieder hochkommen

Frauen, die vergewaltigt oder sexuell belästigt wurden, haben im Laufe ihres Lebens solche Bewältigungsstrategien entwickelt. Wenn diese Strategien nun aber nicht mehr funktionieren, kann das körperliche Auswirkungen haben. Alte Erinnerungen und Gefühle können Albträume oder Angstzustände hervorrufen. Angehörige oder Pflegekräfte haben dafür dann oft zunächst keine Erklärung.

Um ältere Frauen besser zu erreichen, will der Frauennotruf Mainz in diesem Jahr enger mit Pflegekräften und Ehrenamtlichen zusammenarbeiten. In den Pflege- und Seniorenheimen seien die Beschäftigten wegen der Corona-Pandemie mit vielen anderen Dingen beschäftigt gewesen, sagt Eva Jochmann. In diesem Jahr wolle man sie wieder als Multiplikatorinnen einbinden.

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