Ein junges Mädchen hält sich die Hände vor ihr Gesicht.  (Foto: dpa Bildfunk, Nicolas Armer)

Wegen großer Nachfrage

Mainzer Frauennotruf berät jetzt auch Mädchen ab 12 Jahren

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Lucretia Gather

Mädchen ab 12 Jahren können sich ab sofort an die Beratungsstelle des Mainzer Frauennotrufs wenden, wenn sie sexuelle Übergriffe erlebt haben. Die Nachfrage ist enorm gestiegen.

"Sexualisierte Gewalt ist auch für Kinder ein Thema", sagt Emma Leonhardt vom Mainzer Frauennotruf. Die Gewalt gehe nicht nur von Erwachsenen, sondern auch von Gleichaltrigen aus. Im vergangenen Jahr hätten sich dreimal so viele Mädchen an den Frauennotruf gewandt wie ein Jahr zuvor. Dies bedeute nicht unbedingt, dass es auch mehr Übergriffe gegeben habe. Es hätten aber mehr Mädchen Hilfe gesucht.

Sexualisierte Gewalt leider alltäglich

Nach Angaben des Frauennotrufs Mainz haben Mädchen ein erhöhtes Risiko, sexualisierte Gewalt zu erleben. Für viele sei sexuelle Belästigung sogar Teil ihres Alltags. Oft würden schon 12-Jährige damit ungewollt konfrontiert, etwa durch anzügliche Witze, zweideutige Anspielungen oder Berührungen, die sie nicht möchten. Auch digitale Gewalt sei verstärkt ein Thema – beispielsweise Grenzüberschreitungen, die sich online in Chats abspielten.  

Scham spielt auch eine Rolle

Die Gespräche mit den Betroffenen seien sehr unterschiedlich, erzählt Emma Leonhardt. Oft traue sich eine Frau oder ein Mädchen auch nach mehreren Beratungen nicht, genau zu schildern, was ihr passiert sei. "Das ist aber auch okay. Wir zwingen niemanden, intime Details preiszugeben. Wir zeigen Wege auf, wie man mit dem Erlebten umgehen kann und welche Folgen ein Übergriff haben kann." Oft helfe es den Betroffenen schon, zu wissen, dass ihre Reaktion auf einen sexuellen Übergriff ganz normal sei.

Mädchen kommen selten allein in die Beratung

Häufig kamen die Betroffenen in Begleitung eines Sozialarbeiters oder einer Sozialarbeiterin zum Frauennotruf. Von einem Elternteil wurden sie seltener begleitet und die wenigsten kamen alleine in die Beratungsstelle. "Für viele Betroffene ist der Weg hier in die Beratung nicht einfach", sagt Emma Leonhardt. Umso wichtiger sei es, das Angebot so niederschwellig wie möglich zu gestalten. "Es wird versucht, es den Mädchen so einfach wie möglich zu machen, Kontakt zu den Frauennotruf-Beraterinnen aufzunehmen", sagt Leonhardt.

Neu: Kontakt über Messanger-Dienst

Ab nächster Woche können sich deshalb Mädchen und Frauen auch über den Messanger-Dienst Signal an den Frauennotruf wenden. Per Text-Nachricht. "Wenn der erste Kontakt erst einmal geschafft ist, können wir gemeinsam überlegen, ob die Betroffene eine telefonische Beratung möchte oder ein persönliches Gespräch", sagt Emma Leonhardt.

Mainzer Frauennotruf wirbt an Schulen

Um mehr junge Frauen und Mädchen auf das Beratungsangebots des Frauennotrufs aufmerksam zu machen, wirbt der Frauennotruf mit Flyern vor allem dort, wo sich Jugendliche aufhalten: in Schulen, Vereinen oder auch in Bars. Denn: "Der Nährboden für Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist da", sagt Leonhardt.

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