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Wissenschaftler der Universitäten Mainz und Hamburg rechnen damit, dass die Coronavirus-Pandemie in Deutschland nicht vor August oder September enden wird.

In einer am Montag vorgestellten Modellrechnung kommen die Wissenschaftler um den Mainzer Virologen Prof. Bodo Plachter zu dem Ergebnis, dass dabei zeitweise weit über eine Million Bundesbürger gleichzeitig an Covid-19 erkrankt sein könnten. Für den Fall, dass die verhängten Kontaktverbote und Schulschließungen nach Ostern aufgehoben würden, erwarten sie den Höhepunkt der Epidemie mit rund 1,3 Millionen gleichzeitig Erkrankten für Juni.

 Wissenschaftler sprechen von "grober Prognose"

Würden die strengen Maßnahmen für weitere zwei Monate fortgesetzt, rechnen die Experten mit etwas weniger Erkrankten (1,2 Millionen) und einer Verschiebung des Höhepunktes in den Juli. Nach diesem Modell würde die Zahl der Neuerkrankungen im August oder September gegen Null gehen.

Bei den Zahlen handele es sich um "grobe Prognosen", erklärten die Wissenschaftler, da einige entscheidende Fragen rund um die Coronavirus-Pandemie bislang noch nicht geklärt seien. So fehlten noch immer belastbare Zahlen darüber, wie viele Infizierte keinerlei Krankheits-Symptome zeigen. Auch lasse sich noch nicht genau sagen, wie hoch der Anteil der infizierten Personen an der Gesamtbevölkerung am Ende der Epidemie sein werde.

Autofahrer bekommt einen Corona-Test  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/ZUMA Press)
Erst im Spätsommer ein Ende der Corona-Krise? picture alliance/ZUMA Press

 Optimistischeres Szenario

Für ihre Berechnungen entwickelte die interdisziplinären Forschergruppe auf Grundlage der verfügbaren Zahlen zum Verlauf der Epidemie in der chinesischen Provinz Hubei und in Südkorea auch ein "optimistisches Szenario".

Nach diesem Modell, nach dem insgesamt nur 0,6 Prozent der Bevölkerung als Erkrankte gemeldet werden, wird der Höhepunkt der Epidemie in Deutschland sowohl bei einer Aufhebung als auch einer Verlängerung der Kontaktverbote im Mai erreicht werden. In den meisten Epidemie-Prognosen wird aber mit einer Zahl von sechs Prozent - also dem Zehnfachen - an gemeldeten erkrankten Personen gerechnet. Das wären bei rund 83 Millionen Bundesbürgern knapp fünf Millionen Erkrankte bis zum Ende der Epidemie.

 Trotzdem große Herausforderung für Gesundheitssystem

"Auch das Zutreffen dieses optimistischen Szenarios würde unser Gesundheitssystem vor große Herausforderungen stellen", erklärte einer der Verfasser der Modellrechnung, der Mainzer Volkswirtschafts-Professor Klaus Wälde. In jedem Fall stehe Deutschland derzeit erst am Anfang der Epidemie.

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