Natalie Nonnengießer ist seit Jahren in Mainz als Foodsaverin im Einsatz – das bedeutet, sie rettet Lebensmittel vor dem Müll. In ihrer Freizeit klappert sie Supermärkte und Bäckereien ab und holt die Lebensmittel ab. Ein Teil landet in den Fairteilern von Foodsharing.

Interesse an Projekt wächst

Foodsharing Mainz: Schranktür auf, kostenlose Lebensmittel raus

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Corinna Lutz

Menschen kaufen mehr, als sie essen können. Obst bleibt wegen brauner Flecken im Supermarkt liegen. Bäcker haben Brötchen übrig. In Mainz landen solche Lebensmittel nicht im Müll sondern auch in sogenannten Fairteilern.

In einem Hauseingang in der Mainzer Altstadt steht ein Holzschrank. Öffnet man die mit Draht bespannte Tür steht man vor mehreren Regalen. Oben kommen Brot und Brötchen rein, in der Mitte Obst und unten Gemüse. Im Gemüsefach liegen ein paar Stangen Sellerie. Die darf sich jeder, der möchte, mit nach Hause nehmen. Alles in dem Schrank ist kostenlos.

In einem Fach eines Fairteilers in Mainz liegen ein paar Stangen Sellerie.
Die Fairteiler sind für alle da. Sie werden nicht abgeschlossen. Jeder darf Lebensmittel reinlegen und herausnehmen. Es gibt allerdings Regeln.

Natalie Nonnengießer ist seit Jahren in Mainz als Foodsaverin im Einsatz. Das bedeutet, sie rettet Lebensmittel vor dem Müll. Der Verein Foodsharing Mainz hat mit verschiedenen Betrieben in der Stadt die Vereinbarung getroffen, dass Lebensmittel nicht in der Tonne landen, sondern abgeholt werden dürfen. "Dazu zählen Supermärkte, Bäckereien, Bistros, Mensen oder Weihnachtsmarktstände", erzählt Natalie Nonnengießer. In ihrer Freizeit klappert sie diese Orte regelmäßig ab und bekommt so allerhand geschenkt: Belegte Brötchen, Salate, Bananen oder Radieschen seien keine Seltenheit, sagt sie. Vieles lasse sich zwar leider nicht mehr verkaufen, aber essen.

"Die Menge an Lebensmitteln, die es zu retten gibt, ist so groß. Und es sind so gute Sachen. Die haben teilweise eine super Qualität. Das ist echt verrückt und auch traurig"

Einen Teil der Lebensmittel, die gerettet werden, landen in den Fairteilern. Andere behalten die Mitglieder von Foodsharing oder verteilen sie unter Freunden und Bekannten. Im Stadtgebiet Mainz gibt es sechs Fairteiler und einen auf der anderen Rheinseite in Kostheim. In der Mainzer Neustadt wird derzeit noch ein neuer Standort gesucht. Das Interesse an diesen Schränken scheint in jüngster Zeit zugenommen zu haben. Genau kann das die Foodsaverin aber nicht sagen, weil die Fairteiler ja nicht überwacht werden.

"Wir haben in den letzten Wochen und Monaten häufiger Anfragen zu den Fairteilern bekommen (...) Vermutlich wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise und der Inflation"

Im Stadtteil Mainz-Mombach stehen zwei graue unscheinbare Schränke an der Ortsverwaltung. Ein älterer Mann erzählt, er komme regelmäßig vorbei. Er lebe von der Grundsicherung. "Manchmal sind da Brötchen oder Konserven drin. Vor kurzem lag da ein Säckchen Kartoffeln. Das habe ich mitgenommen, die Kartoffeln sahen zwar nicht mehr ganz so gut aus - das stört mich nicht."

Die Fairtailer in Mainz-Mombach stehen auf dem Gelände der Ortsverwaltung.
Gähnende Leere im Fairteiler in Mainz-Mombach. Die Schränke werden in unregelmäßigen Abständen gefüllt. Da kann es auch mal passieren, dass nichts drin ist.

Privatleute dürfen auch spenden

Die Schränke sind alle bei der Stadt Mainz gemeldet und werden von den Foodsharern regelmäßig sauber gemacht. Auch Privatleute dürfen dort Lebensmittel reinstellen. Wer zum Beispiel Konserven hat, die bald ablaufen oder aus dem Corona-Bestand noch zu viele Nudeln oder Reis in der Speisekammer hat, der kann mithelfen. Es gibt allerdings Regeln: So dürfen zum Beispiel keine Nahrungsmittel reingestellt werden, die gekühlt werden müssen wie Joghurt oder Käse. Auch alkoholische Getränke sind tabu. Denn die Schränke werden nicht abgeschlossen. Kinder und Jugendliche haben genauso Zugang wie Erwachsene.

Keine Konkurrenz für die Tafeln?

Natalie Nonnengießer ist eine von 500 Menschen in Mainz, die als Lebensmittelretter regelmäßig in der Stadt unterwegs sind. Als Konkurrenz zu den Tafeln im Land sehen sie sich aber nicht. Die Tafel habe feste Abholzeiten. "Wir rufen auch abends manchmal spontan in den Supermärkten und Bäckereien an und dann heißt es, kommt vorbei", sagt sie. Man habe das gleiche Ziel wie die Tafel: Alles zu tun, damit keine Lebensmittel weggeworfen werden müssen.

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