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Werden Tattoos bald weniger bunt? Das ist durchaus möglich, sollte ein von der EU geplantes Verbot von bestimmten Farbpigmenten eintreten. Tätowierern gefällt das gar nicht - zwei Beispiele aus Mainz.

Blue15 und Green7 - das sind zwei der Pigmente, die die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) unter anderem verbieten will. Der Grund: gesundheitliche Bedenken. Die Agentur vermutet, dass sie beispielsweise Blasenkrebs auslösen können. Da es zu Tätowierfarben aber generell kaum Studien gibt, sind diese Vermutungen bislang nicht zweifelsfrei belegt.

In einer Empfehlung zum Verbot verweist die ECHA darauf, dass die Pigmente in Kosmetika zur Anwendung auf der Haut bereits verboten seien. Gleiches müsse für die Anwendung unter der Haut gelten, argumentiert die Agentur.

Über 60 Prozent der Farbmotive wären nicht mehr möglich

Bei den Tattoostudios in Mainz stößt das geplante Verbot auf große Kritik. Besonders schlimm ist für die Tätowierer, dass - sollte das Verbot eintreten - nicht nur die Farben blau und grün wegfallen würden, sondern alle Farbtöne, die die Pigmente als Untermischung enthalten. Demnach dürften nach Angaben der Tätowierer bei einem Wegfall von Blue15 und Green7 mehr als 60 Prozent aller gehandelten Farbmischungen nicht mehr hergestellt werden.

Tätowierfarben, die zum Stechen von Tattoos benutzt werden in den Farben blau, grün, gelb und rot. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Christophe Gateau/dpa)
Blue15 und Green7 dienen auch als Grundlage für viele Tattoo-Farbmischungen. Sollte das Farbverbot in Kraft treten, dürften sie alle nicht mehr hergestellt werden. picture alliance / Christophe Gateau/dpa

Das Vorhaben sei "völliger Blödsinn", sagt Marvin Wedrich vom Tattoostudio Stitch. "Das wird nur dazu führen, dass die Tätowierer sich die Farben dann außerhalb der EU bestellen. Und da weiß keiner, was drin ist!" Auch den Besitzer der Tattoo & Piercing World, Peter Herke, beschäftigt das Verbot. Sollten die beiden Pigmente wirklich nicht mehr benutzt werden dürfen, wäre das für ihn existenzbedrohend, sagt er. Der Trend sei in den letzten Jahren zu immer bunteren Tattoos gegangen. Sein Studio mische zwar eigene Farben, einen so großen Wegfall könne man jedoch nicht kompensieren.

"Gerade weil das Farbspektrum so groß ist, kann man heutzutage so realistisch tätowieren!"

Peter Herke, Besitzer der Tattoo & Piercing World

Herke beklagt außerdem, dass ein Verbot der Farbpigmente auch große Nachteile für die Kunden bedeuten würde. "Man kann heutzutage sehr realistische Motive tätowieren. Das ist besonders deswegen möglich, weil das Farbspektrum so groß ist! Natürlich könnte man bei einem Verbot mit den übrig gebliebenen Farben weiter tätowieren, aber die Möglichkeiten wären bei weitem nicht mehr so groß."

Gesundheitsrisiko ungeklärt

In der schwarzen Tinte hat Stiftung Warentest nicht nur Ruß gefunden, sondern auch potentiell krebserregende Stoffe. Andere Tinten enthalten unter anderem Schwermetalle, die Allergien auslösen können.

Es gibt jedoch kaum Studien darüber, was mit Tattoofarben passiert, wenn sie in die Haut eingestochen worden sind: ob sie an Ort und Stelle bleiben oder zum Beispiel in die Lymphknoten gelangen. Das stört auch die Tätowierer. Herke fordert, dass diesbezüglich mehr Studien auf den Weg gebracht werden: "Wir wollen nicht mit der Kosmetikindustrie in einen Topf geworfen werden und fordern, dass man ordentliche Grundlagenuntersuchungen durchführt, bevor Gesetze auf den Weg gebracht werden."

Dauer

Bislang gibt es weder Vorschriften für Tattoofarben, die in der gesamten EU gelten, noch eine Positivliste der erlaubten, nachweislich ungefährlichen Pigmente. In ihrer Empfehlung hat die ECHA mehr als 4.000 Stoffe gelistet, die in Zukunft für Tattoos und Permanent-Make-Up verboten werden sollen. Alle stehen unter Verdacht, krebserregend, erbgutverändernd, hautreizend oder augenschädigend zu sein.

Online-Petition gegen das Verbot

Eine Online-Petition mit dem Titel #tattoofarbenretten will das geplante Verbot zumindest in Deutschland verhindern und fordert Bundesregierung und Bundestag auf, ein EU-Verbot abzuwenden. Unterzeichnet haben sie bis Freitag rund 146.000 Unterstützer. Darunter sind nach Angaben der Initiative auch einige prominente Fußballer.

Die Petition gegen das Verbot läuft bis Sonntag. Weil sie mehr als die 50.000 notwendigen Stimmen erreicht hat, wird anschließend der Petitionsausschuss des Bundestages in einer öffentlichen Sitzung über die Forderung beraten.

Übergangsfrist geplant

Im April soll das Verbot auch auf EU-Ebene diskutiert werden. Doch egal wie entschieden wird, kurzfristig muss die Tattooszene nicht auf Green7 und Blue15 verzichten. Sollte das Verbot kommen, würde es voraussichtlich eine mehrjährige Übergangsfrist geben, um Alternativen für die beiden Pigmente zu finden.

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