Strommasten und Windräder im Sonnenuntergang (Foto: picture-alliance / Reportdienste, / Panama Pictures)

Lieferengpässe bei rheinhessischen Energieunternehmen

Energiekrise bremst Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen

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Sarina Fischer

Man sollte meinen, dass die aktuelle Energiekrise den Ausbau von Erneuerbaren Energien beflügelt. Doch das Gegenteil ist der Fall, wie das Beispiel des rheinhessischen Unternehmens juwi zeigt.

Gestörte Lieferketten, Materialengpässe - die Energiekrise verschärfe coronabedingte Probleme, sagt Felix Wächter, Unternehmenssprecher bei juwi. Auch im Geschäft mit den Erneuerbaren Energien.

"Für manche Teile liegen die Lieferzeiten jetzt schon bei ein bis zwei Jahren", so Wächter. Das sei nicht nur für die Hersteller von Wind- und Solaranlagen problematisch, sondern auch für juwi: Als Dienstleister unter anderem für kommunale Energieversorger und Industriekunden baut die rheinhessische Firma Wind- und Solarparks auf und betreibt sie.

Juwi drohen Strafzahlungen

Durch die längeren Lieferzeiten würden vor allem die gesetzlichen Realisierungsfristen für Wind- und Solar-Projekte zum Problem: "Wir haben jeweils nur 24 Monate Zeit, ein Windrad fertig zu bauen – bei Solaranlagen sind es sogar nur 18 Monate", erklärt Wächter. Halte die Firma diese Fristen nicht ein, drohten ihr Strafzahlungen und der Verlust von Zuschlägen.

Hintergrund ist das bundesweite Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das Strom aus regenerativen Quellen finanziell fördert und regelt, dass dieser bevorzugt ins Stromnetz eingespeist wird. Um diese Förderung zu erhalten, müssen sich Projektentwickler wie juwi für ihre einzelnen Wind- und Solar-Projekte auf Ausschreibungen der Bundesnetzagentur bewerben. Ab dem Zeitpunkt des Zuschlags gelten dann die genannten Fristen für den Bau der Anlagen.

Juwi fordert deswegen, dass diese Realisierungsfristen kurzfristig verlängert werden. Das sei auch im Sinne der Klimaziele der Bundesregierung, findet das Unternehmen.

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Längere Lieferzeiten, erhöhte Preise

Nicht nur die langen Lieferzeiten sind ein Problem, sondern auch die immer weiter steigenden Kosten für die Bauteile, sagt auch Christoph Zeis. Er ist Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Landesverbands Erneuerbare Energie. Als Geschäftsführer der Energiedienstleistungsgesellschaft Rheinhessen-Nahe (EDG) in Nieder-Olm ist er außerdem für das Energiemanagement des Landkreises Mainz-Bingen zuständig.

Windrad 30 Prozent teurer

"Wir erleben kaum einen Monat ohne erneute Preiserhöhung der Lieferanten", erzählt Zeis. "Bei Solaranlagen hakt es vor allem bei den Unterkonstruktionen und beim Zubehör." Unter anderem seien die Stahlpreise enorm gestiegen.

"Fast alle Hersteller von Windenergieanlagen schreiben gerade rote Zahlen, weil die Rohstoffpreise so hoch sind", sagt auch juwi-Sprecher Felix Wächter. Derzeit koste der Bau eines Windrads bis zu 30 Prozent mehr.

Blick auf einen Solarpark, im Hintergrund sind Windräder zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, Daniel Bockwoldt)
Windkraft- und Solaranlagen sollen in der Energiekrise helfen - doch sie zu bauen, ist gerade schwierig. Daniel Bockwoldt

Politische und bürokratische Hürden bremsen aus

Unabhängig davon müssten ohnehin noch viele politische und bürokratische Hürden abgebaut und die Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt werden, meint Christoph Zeis vom Landesverband Erneuerbare Energie. "Das ist das, was uns am meisten ausbremst."

"Wir stehen wie das Rennpferd im Startblock und wollen endlich losrennen, aber man hält uns noch an den Zügeln fest."

Trotzdem Aufbruchstimmung in der Erneuerbare Energien-Branche

Grundsätzlich sei der politische Rückenwind mit der neuen Bundesregierung nun aber da, sagt Felix Wächter. Das überarbeitete EEG, das zum kommenden Jahr in Kraft treten soll, gehe in die richtige Richtung. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass künftig zwei Prozent der Bundesfläche für Windenergie genutzt werden sollen.

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