Vier evangelische Gemeinden in Mainz haben sich für die Aktion "Winterkirche" zusammengeschlossen. (Foto: SWR, Daniel Brusch)

Energiesparen und zusammenwachsen

Evangelische Gemeinden Mainz starten Winterkirche

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Sarina Fischer/Katja Jorwitz

In Mainz beginnt die "Winterkirche" - ein gemeinsames Projekt vier evangelischer Kirchengemeinden. Sie werden in den nächsten drei Monaten die Gottesdienste untereinander aufteilen und so unter anderem Energie sparen.

Die explodierenden Energiekosten machen auch vor Kirchen nicht Halt, deshalb haben sich die vier evangelischen Innenstadt-Gemeinden in Mainz etwas ausgedacht: Sie wechseln sich ab sofort bis Ende März mit den sonntäglichen Gottesdiensten ab - unter dem Motto: "Zusammenrücken – zusammen feiern". Daran beteiligen sich die Gemeinden der Christuskirche, der Pauluskirche, der Altmünsterkirche und von St. Johannis.

In ungenutzten Kirchen bleibt die Heizung aus

Jeden Sonntag werden nun zwei oder drei Gottesdienste an wechselnden Orten stattfinden. In den Kirchenräumen, in denen an den Tagen nichts stattfindet, kann dann die Heizung ausgeschaltet werden, so dass die Kosten hierfür gespart werden können. Je nach Kirchenraum würden dafür pro Tag mehrere hundert Euro anfallen, so der Pfarrer der Gemeinde St. Johannis, Volker Truschel. Die Gottesdienste in der Woche bleiben wie gehabt.

"Sie werden Neues erleben und Bekanntes wiederfinden"

Fahrdienst für ältere Menschen?

Für die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher bedeutet dies, dass sie im Schnitt jeden zweiten Sonntag eine andere Kirche als normalerweise besuchen müssen. Nicht alle Gemeindemitglieder seien begeistert, so die Verantwortlichen, aber der Großteil habe Verständnis.

Bei der Pauluskirchengemeinde denkt man beispielsweise auch über einen Fahrdienst nach. Vor allem ältere Menschen könnten dann zu der anderen Kirche gebracht und wieder abgeholt werden, so Dieter Kurz, Vorsitzender der Pauluskirchengemeinde. Wie sehr das nachgefragt wird und wie die "Winterkirche" insgesamt so ankommt, das müssten die Gemeinden aber erst noch herausfinden.

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Zusammenlegung der Dekanate wird so schon mal "geübt"

Hintergrund der "Winterkirche" ist aber auch der allgemeine Zukunftsprozess der Evangelischen Kirche: Bis 2030 sollen die 22 Gemeinden im Dekanat Mainz zu fünf größeren sogenannten Nachbarschaftsräumen verschmelzen. Die "Winterkirche" sei ein weiterer Schritt hin zu einer engeren Zusammenarbeit, so die Gemeindeverantwortlichen, und dafür werde es ohnehin notwendig, zusammenzurücken.

Das machen die vier Innenstadt-Gemeinden in Mainz zum Teil schon, zum Beispiel haben sie einen gemeinsamen Konfirmanden-Unterricht. Mit der "Winterkirche" wolle man sich jetzt auch auf anderer Ebene besser kennenlernen und langsam zusammenwachsen.

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