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Die Bischöfe haben neue Regeln für Zahlungen an Betroffene von sexuellem Missbrauch beschlossen. Diese sollen demnach mehr Geld bekommen. Entschädigungen wie von Opfern gefordert, gibt es jedoch nicht.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, sagte, dass die neuen Grundsätze zu einheitlichen Verfahren und höheren Leistungen führen würden.

Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, erklärte die neuen Grundsätze im Detail. Man habe sich dafür entschieden, auch künftig keine pauschalen Beträge an Missbrauchsopfer zu zahlen, sondern individuelle Zahlungen festzulegen. Die Höhe der Zahlungen der katholischen Kirche solle sich zwischen 5.000 und 50.000 Euro bewegen.

Opferverband hatte 300.000 Euro gefordert

Die Pläne der Bischofskonferenz stießen bei der Opferinitiative Eckiger Tisch auf Ablehnung. "Das ist kein Ausgleich für die Verbrechen der Institution", sagte Sprecher Matthias Katsch. Katsch und der Eckige Tisch hatten pauschale Entschädigungen pro Missbrauchsopfer in Höhe von 300.000 Euro gefordert. Auch eine Arbeitsgruppe der Bischöfe, zu der auch Bischof Ackermann gehörte, hatte vor rund zwei Jahren 300.000 und 400.000 Euro als Entschädigung vorgeschlagen.

Damit sollten auch Nachteile abgegolten werden, die die Betroffenen erlitten, weil sie etwa wegen der in der Kindheit erlittenen Traumata auch als Erwachsene Probleme im Berufsleben und dadurch finanzielle Nachteile hatten.

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Keine Deckelung bei den Zahlungen

Ackermann führte aus, dass sich die Kirche bei den Zahlungen am Rahmen von staatlichen Gerichten bei Schmerzensgeldurteilen orientiere. Man wolle dabei aber am "am oberen Ende des Ermessensspielraums" zahlen, sagte der Trierer Bischof. Es könne aber durchaus auch Summen geben, die darüber hinaus gehen werden. Man habe keine Deckelung festlegen wollen. Bisher hatten die sogenannten Anerkennungszahlungen für das Leid in der Regel bei 5.000 Euro gelegen, in Ausnahmefällen auch darüber.

Zu ersten Auszahlungen könne es, so Ackermann, voraussichtlich am Jahresende kommen. Auch künftig werden laut Bischofskonferenz weiterhin Kosten für Psychotherapie und Paartherapie übernommen.

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Die Festlegung der Anerkennungszahlungen erfolgt den Angaben zufolge durch ein unabhängiges Gremium auf der Grundlage einer Plausibilitätsprüfung. Dabei gehe es nicht darum, dass Opfer etwas beweisen müssten.

Verantwortung der Täter an erster Stelle

Die Auszahlung der Leistungen erfolgt nach Angaben der Bischofskonferenz zentral. Dabei ist es die Verantwortung der zuständigen Diözese, die notwendigen Gelder aufzubringen. Die Bischöfe haben in ihrem Papier aber festgelegt, dass die erste Verantwortung beim Täter liege.

Bischof Dr. Stephan Ackermann bei der Abschluss-PK der Deutschen Bischofskonferenz 2020 (Foto: SWR)
Der Trierer Bischof Ackermann ist der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche

Vorwärts auf dem Synodalen Weg

Bätzing bekräftigte in seiner Bilanz den Synodalen Weg hin zu kirchlichen Reformen: "Wir wollen nach vorne gehen." Der Synodale Weg wurde vor gut einem Monat gemeinsam mit den Laienverbänden im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) mit vier thematischen Foren gestartet, darunter das Verständnis des Priesteramts und die Rolle von Frauen in der Kirche.

"Wir werden nicht in zwei Jahren einen Weg der Öffnung ins Weiheamt haben", sagte Bätzing. Dies sei auch den Frauen klar, die sich dafür engagierten. Es gehe aber darum, im Prozess des Synodalen Weges bestehende Spielräume stärker aufzugreifen als bisher. Mit Blick auf Traditionalisten in den eigenen Reihen sagte Bätzing, der Synodale Weg diene auch der Evangelisierung. Denn so könnten Blockaden weggeräumt werden, die verhinderten, dass das Evangelium bei den Menschen in diesem Land ankomme.

Bätzing: Staaten an EU-Außengrenzen nicht allein lassen

Auch die Situation der syrischen Christen und die Flüchtlingsproblematik standen auf der Tagesordnung der Frühjahrsvollversammlung. Bätzing kündigte an, die katholische Kirche wolle den Wiederaufbau Syriens stärker unterstützen. An die Politik appellierte er: "Die Staaten an den europäischen Außengrenzen dürfen mit der Problematik nicht alleingelassen werden."

Wer jede weitere Aufnahme von Flüchtlingen aus der Türkei ablehne, "verschließt die Augen vor der Realität." Als Gast hatte auch der Apostolische Nuntius in Syrien, Kardinal Mario Zenari, an dem Treffen in Mainz teilgenommen. Er hatte dabei unter anderem gefordert, die westlichen Sanktionen gegen Syrien "kritisch zu prüfen", um das Leid der Bevölkerung nicht weiter zu verschärfen.

Bätzing, der gebürtig aus dem Westerwald stammt, war am Dienstag bei der Frühjahrsvollversammlung zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Er folgt in diesem Amt auf den Münchner Kardinal Reinhard Marx, der auf eine Wiederwahl verzichtet hatte.

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