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Am Mainzer Rheinufer gilt von 12 bis 22 Uhr Maskenpflicht - als Corona-Schutzmaßnahme. Eine Joggerin hatte dagegen geklagt, doch das Mainzer Verwaltungsgericht hat ihren Eilantrag jetzt abgelehnt.

Die Begründung für seine Entscheidung will das Mainzer Verwaltungsgericht erst in der kommenden Woche veröffentlichen. Die Anwältin Jessica Hamed hatte den Eilantrag für sich selbst als Joggerin gestellt, weil sie die Maskenpflicht am Mainzer Rheinufer für rechtswidrig hält. Ihr Argument: Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass unter Joggern keine Infektionsgefahr bestehe.

"Die Maskenpflicht im Freien ist eine Gängelung der Bürgerinnen und Bürger, die nichts bewirkt"

Klägerin Jessica Hamed

Dieser Ansicht ist auch Physiker und Aerosol-Experte Gerhard Scheuch. Er hält wenig von einer Maskenpflicht im Freien. "Wissenschaftlich macht das überhaupt keinen Sinn", sagte er im SWR-Interview. "Man müsste sich 15 Minuten sehr eng gegenüberstehen und sich quasi in der Aerosol-Wolke des Gegenübers befinde. Dann kann man sich unter Umständen infizieren." Aber beim Vorbeigehen, Vorbeijoggen oder Radfahren sei die Kontaktzeit viel zu kurz für eine Ansteckung.

Maskenpflicht aus Sicht der Stadt verhältnismäßig

Die Stadt hatte die neue Regelung dagegen als ein verhältnismäßiges Mittel zur Eindämmung der Pandemie verteidigt. Am Rheinufer herrsche ein erheblicher Publikumsverkehr. Laut Robert Koch-Institut bestehe ein erhöhtes Übertragungsrisiko auch im Freien, wenn der Mindestabstand ohne Mund-Nasen-Schutz zwischen Menschen nicht eingehalten werde.

Das Tragen einer Maske beim Joggen könne zwar unangenehm sein, sei aber gesundheitlich unbedenklich, so die Stadt. Zudem gebe es mehrere Alternativen: Man könne vor 12 Uhr und nach 22 Uhr joggen oder zu jeder Zeit auf der anderen Rheinseite ohne Maske laufen gehen.

Klägerin erwägt Beschwerde

Klägerin Jessica Hamed will nun überlegen, ob sie eine Beschwerde gegen die Entscheidung des Gerichts einlegt. Dies sei abhängig von der Begründung des Gerichts, die nächste Woche nachgereicht werden soll. Darauf sei sie gespannt, so Hamed, denn die Begründung der Stadt für die Maskenpflicht habe sie nicht überzeugt.

Die Stadt Mainz sieht sich dagegen vom Mainzer Verwaltungsgericht bestätigt. Ein Sprecher betonte, dass die Stadt die Maskenpflicht am Rheinufer nicht verhängt habe, um die Bürger zu gängeln, sondern um das Infektionsrisiko zu senken.

Genervte Jogger und Spaziergängerinnen

Nicht nur bei Jessica Hamed, auch bei vielen anderen Mainzerinnen und Mainzern stößt die verschärfte Maskenpflicht zwischen Winterhafen und Zollhafen auf Unverständnis:

Viele Leute tragen keine Masken

Anwohner Henry Nestler hält die neue Maskenpflicht für übertrieben. "Schauen Sie sich doch mal um", sagt er und deutet auf die wochentags relativ leere Uferpromenade. "Wer läuft denn hier aufeinander?" Es sei doch genug Platz. Er könne nachvollziehen, dass viele Leute sich nicht an die Regeln halten würden. Mehr als die Hälfte sei das, schätzt er.

Nicht dazu gehört Joggerin Theresa Anslinger. Sie trägt einen Mund-Nasen-Schutz und hat dafür zum Beispiel an Sonntagen auch Verständnis, erzählt sie. "Aber als Joggerin ist das natürlich problematisch. Ich gehe ja raus, um die Luft zu spüren. Mit Maske joggen werde ich hier erst einmal nicht mehr."

Gut mit der Maskenpflicht leben kann Spaziergänger Benjamin Meyer. Klar könne man eigentlich darauf verzichten, wenn nichts los sei. "Aber ganz oder gar nicht", meint er. "Dann tragen wir halt die Maske. Und entweder gilt das für alle oder keinen."

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