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In Zeiten von Online-Shopping und Corona-Lockdown sind die Innenstädte in Rheinland-Pfalz, verwaist. Schon vor Corona hatten gerade kleinere Städte Probleme mit Leerständen. Jetzt sieht die Zukunft der Zentren, unter anderem in Bingen, noch düsterer aus.

"Ich vermisse euch", steht in weißen Buchstaben auf einem Schaufenster in der Binger Fußgängerzone. Der Rollladen an der Tür ist unten, corona-bedingt ist geschlossen. Wie so viele Läden. Eine Querstraße weiter: zwei komplett leere Ladenlokale direkt nebeneinander. Trostlos ist die Binger Innenstadt stellenweise.

Für Passbilder geöffnet hat das Fotogeschäft Jahn. Sonst darf Jürgen Jahn aber nichts anbieten. Er schätzt, dass er in beiden Lockdowns jeweils 40.000 Euro Verlust macht mit seinen beiden Fotoläden. Seine Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.

Staatliche Gelder helfen nur bedingt

Ähnlich düster sieht es zwei Straßen weiter beim Orthopädie- und Schuhhaus Daum aus. Jasmin Sinanovic macht 60 Prozent weniger Umsatz. Er darf geöffnet haben, aber weil alles andere zu hat, kommt niemand.

Die Laufkundschaft fehle, viele blieben Zuhause, deshalb sei im Geschäft viel weniger los, so der Vater von vier kleinen Kindern.

Die finanziellen Hilfen für Selbstständige vom Staat seien schön und gut, aber da das Geld wieder als Gewinn versteuert werden müsste, sei ihm damit nicht geholfen. Dankbar ist Sinanovic seinem Vermieter, der ihm sehr geholfen hat und derzeit auf die Mieteinnahmen verzichten würde. Sonst wäre er vermutlich gar nicht mehr da.

Einzelhändler gucken pessimistisch in die Zukunft

Jasmin Sinanovic und Jürgen Jahn haben beide eigentlich nur einen Wunsch im Moment: dass die Geschäfte bald wieder öffnen dürfen.

Allerdings blicken die Binger Unternehmer selbst bei einer Öffnung nicht sehr positiv in die Zukunft. Die Binger Innenstadt sei bereits vor der Pandemie gebeutelt gewesen, sagt Jürgen Jahn. Ob es in 20 Jahren überhaupt noch Einzelhandel in Bingen geben werde, bezweifelt er.

Es geht auch anders

Dass es auch anders geht, beweist Ilka Heinzen. Sie hat den kleinen Bekleidungsladen "Frollein Wunderbar" in Bingen und kreative Ideen entwickelt, um ihre Ware auch weiterhin an den Kunden beziehungsweise die Kundin zu bringen.

Einkaufen mit Termin

ViP-Shopping ist das Stichwort. Dabei haben die Kunden die Möglichkeit, nach Terminabsprache einzukaufen. „Wenn eine Person kommt, ist diese mit mir alleine im Laden und darf einkaufen. Sollten zwei Personen kommen, überlasse ich den Kunden für eine Stunde mein Geschäft und gehe solange nach Hause, das ist zwei Minuten entfernt“, sagt Heinzen.

Vertrauen vorausgesetzt

Das Ganze funktioniere natürlich nur, wenn man den Kunden vertraue. Aber bislang sei sie nicht enttäuscht worden, niemand habe etwas gestohlen oder randaliert. Mit dieser Taktik fährt Ilka Heinzen sehr gut. Inzwischen sei sogar Kundschaft aus Frankfurt bei ihr gewesen.

Zusätzlich hat die Ladenbesitzerin aus Bingen auch corona-konforme Events organisiert. So hatte sie zum Beispiel einen lebendigen Nikolaus im Schaufenster. Am 06. März kommt nun corona-verspätet sogar das Christkind.

Auch deshalb, sagt sie, blicke sie auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2020 zurück.

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