Seit inzwischen 18 Wochen treffen sich dienstagsabends sogenannte Querdenker in Simmertal, um gegen die Corona-Politik zu demonstrieren. Unter ihnen sind nach Angaben der ehemaligen Ortsbürgermeisterin Christina Bleisinger (SPD) auch Rechtsextremisten, Reichsbürger und Verschwörungsideologen.
Die Frage, wie man mit diesen Demonstrationen umgehen soll, spaltet zunehmend die kleine Gemeinde im Kreis Bad Kreuznach. Sie hat nun zum Rücktritt der Ortsbürgermeisterin geführt.
Wie soll man mit den Querdenker-Demos umgehen?
Der Gemeinderat von Simmertal war mehrheitlich der Meinung, man solle sich bei den Dienstagsspaziergängen der Querdenker neutral verhalten, sagte der erste Beigeordnete Jürgen Tatzke (FWG) dem SWR. Wenn man den Demonstrationen keine große Beachtung schenken würde, verliefen sie sich im Sande.
Bleisinger hingegen sah das anders. Sie hatte sich der Bewegung entgegengestellt und zu Gegendemonstrationen gegen die Spaziergänge aufgerufen - als Privatperson, wie sie selbst sagt. Sie sei sich durchaus bewusst, dass das schwer von ihrer Rolle als Ortsbürgermeisterin zu trennen sei, so Bleisinger.
Bleisinger verkündet Rücktritt auf Gemeinderatssitzung
Diese unterschiedlichen Meinungen haben zunehmend für Konflikte gesorgt. Die Freie Wählergemeinschaft (FWG), die die Mehrheit im Gemeinderat hat, sieht nach eigenen Angaben keine Grundlage mehr für eine gute Zusammenarbeit. Es habe keine Gesprächsbereitschaft mehr gegeben.
Bei der Gemeinderatssitzung am Montagabend wollte sie Bleisinger deshalb zum Rücktritt auffordern. Dem kam Bleisinger zuvor. Sie hielt eine Rücktrittsrede, die sie anschließend auch auf Facebook veröffentlichte. Darin spricht sie auch von zunehmenden Anfeindungen und von einer Hetzkampagne gegen sie.
Demonstrationen in Simmertal gehen weiter
An der Situation der Demonstrationen und der Unruhe im Ort ändert Bleisingers Rücktritt vermutlich nichts. Wie und ob jetzt eine neue Führung im Gemeinderat die Wogen etwas glätten kann, bleibt abzuwarten. Jürgen Tatzke sagte dem SWR, der komplette Rat wolle nun zeigen, das Simmertal mehr zu bieten habe, als die Dienstagsdemonstrationen.
"Lasst uns zusammenfinden und miteinander reden, anstatt zu kämpfen und Angst zu verbreiten."