Das Altenheim in Osthofen von außen (Foto: SWR)

Drittimpfungen der Nicht-Infizierten

Inzwischen sieben Tote nach Corona-Ausbruch in Seniorenheim in Osthofen

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In einem Seniorenheim in Osthofen haben alle nicht infizierten Bewohner am Montag eine Drittimpfung erhalten. Mehr als 70 Menschen hatten sich dort mit dem Coronavirus angesteckt, sieben sind inzwischen gestorben.

Nach Angaben der Heimleitung wohnen in dem Seniorenheim um die 100 Menschen. Alle, die nicht aktuell positiv getestet wurden, haben am Montag ihre Auffrischungsimpfung erhalten. Das teilte die Heimleitung auf SWR-Anfrage mit. Die Lage sei immer noch angespannt, es gehe aber ruhig und geordnet zu. Die Versorgung der Bewohner sei gewährleistet. Insgesamt haben sich nach Angaben der Kreisverwaltung mehr als 70 Menschen im Heim mit dem Coronavirus angesteckt.

Zwei weitere Bewohner am Wochenende verstorben

Am Wochenende sind laut Heimleitung außerdem zwei weitere infizierte Bewohner verstorben - ob an oder mit Corona könne noch nicht gesagt werden. Nach Angaben der Kreisverwaltung Alzey-Worms ist weiterhin unklar, wie genau das Corona-Virus in das Heim gelangt ist und warum es sich dort so schnell ausgebreitet hat. Dies sei auch möglicherweise nicht mehr aufzuklären.

Bei vier der sieben Verstorbenen sei eindeutig geklärt, dass sie an Corona gestorben seien. Nahezu alle Infizierten seien im Februar vollständig geimpft worden. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass bei der Impfaktion Fehler passiert seien. Diese sei unter Aufsicht des Impfkoordinators des Kreises korrekt durchgeführt worden.

Ansteckung mit Coronavirus schwer nachzuvollziehen

Auch der Virologe Bodo Plachter von der Universitätsmedizin Mainz hält es für schwierig, genau nachzuvollziehen, wieso sich im Seniorenheim in Osthofen so viele Bewohner und Bewohnerinnen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Einen Grund sieht er in den Wohnverhältnissen. In Altenheimen würden die Seniorinnen und Senioren auf verhältnismäßig engem Raum zusammenleben. Außerdem würden ältere Menschen nicht immer auf den nötigen Abstand achten, unter anderem, weil sie vergesslich oder schwerhörig seien.

Grundsätzlich hätten Ältere auch oft viele Grunderkrankungen, die zum Tod führen könnten. Wenn dann noch eine Infektion hinzukomme, könne das unter Umständen lebensbedrohlich werden.

Stiko empfiehlt Drittimpfung ab 70 Jahren

Nach Worten des Virologen Plachter fehlen immer noch ausreichend Erkenntnisse darüber, wie gut die Corona-Impfung bei sehr alten Menschen wirkt. Da betrete man Neuland, da gebe es noch viele Fragezeichen. Abgesehen davon gebe es bei keiner Impfung einen 100-prozentigen Schutz. Aus diesem Grund habe die Ständige Impfkommission auch empfohlen, alle Menschen ab 70 Jahren ein drittes Mal zu impfen.

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Mitarbeitende arbeiten bis an ihre Grenzen

"Den Mitarbeitenden gebührt Respekt!"

Wie die Heimleiterin sagt, arbeiten die Mitarbeitenden derzeit über das normale Maß hinaus: "Ständig müssen sie ihre Schutzkleidung wechseln und trotz der Umstände verbreiten sie gute Stimmung bei unseren Bewohnern und Bewohnerinnen."

Virusvarianten deuten auf Delta hin

Die Virusanalysen, die das Gesundheitsamt des Kreises Alzey-Worms durchgeführt hat, deuten darauf hin, dass sich die Infizierten mit der Delta-Variante angesteckt haben. Die Mitarbeitenden des Heims hoffen nun, dass nicht noch weitere Todesfälle hinzukommen.

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