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Wegen der Corona-Regeln haben Clubbetreiber derzeit kaum eine Perspektive. In Mainz gab es jetzt eine Soli-Aktion, doch die musste vorzeitig abgebrochen werden - wegen positiver Corona-Tests.

Die Barhocker im "Schon Schön" in Mainz stehen schon lange auf dem Tresen. "Vor einigen Tagen haben wir sechs Monate Schließung 'gefeiert'", sagt der Betreiber Norbert Schön. Seit Mitte März ist sein Club wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Während sie zu Beginn noch gehofft haben, dass es bald weitergeht, wird die Lage mittlerweile von Woche zu Woche prekärer.

Er habe 1.200 Euro vom Bund bekommen, weil er eine Livemusik-Stätte ist. Ansonsten halte er sich mit Krediten über Wasser, so Schön. Bis auf zwei Mitarbeiter seien alle in Kurzarbeit. Dabei werde jedoch oft vergessen, dass ein wichtiger Bestandteil, das Trinkgeld, wegfalle.

Soli-Aktion wegen positiver Corona-Tests abgebrochen

Um das Problem der Clubbetreiber in das Gedächtnis der Menschen zu rufen, aber auch um endlich wieder etwas arbeiten zu können, gab es mit Unterstützung der Stadt an diesem Wochenende ein Soli-Programm. Alle Erlöse der Konzerte sollten an die beteiligten Clubs gehen. Doch schon nach zwei Konzerten am Freitagabend musste das Festival kurzfristig abgebrochen werden.

Im erweiterten Umfeld des Planungsteams gab es zwei positive Corona-Tests, teilte der Veranstalter, mainzplus Citiymarketing, mit. Nun soll geprüft werden, wann das Event nachgeholt werden kann.

Soziale Bedeutung von Clubs wird selten thematisiert

Natürlich weiß Norbert Schön, dass momentan kein Clubbetrieb wie gewohnt möglich sein kann. Dennoch ist es für ihn belastend, gar keine Aussicht zu haben, wie es weitergehen könnte. Auch die Auflagen für Konzerte seien so viele, dass sie in seinem Laden kaum umsetzbar seien.

Aber nicht nur seine finanzielle Lage macht ihm Sorge. Auch die kulturelle und soziale Funktion, die Clubs besitzen, thematisiert Schön. Die Menschen würden das Feiern nicht sein lassen, nur weil die Clubs zu seien. Jedoch würden dann die Sicherheitskräfte und das Personal aus den Veranstaltungsräumen fehlen. "Was dann passiert, sieht man in Stuttgart und Frankfurt", so Schön.

Sorge um Zukunft von Clubs auch bei anderen

Dass ein Bedarf zum Feiern da ist, das sehen auch andere Menschen aus der Branche. Mike Krämer betreibt eine Kneipe in Mainz und erzählt, dass seine Gäste sich sehr nach Partys sehnen würden.

Auch Timo Filtzinger macht sich Sorgen um das Nachtleben in Mainz. Er ist Nachtkulturbeauftragter in der Stadt und soll die verschiedenen Interessen zum Thema zusammenbringen. Filtzinger sagt: "Es gibt seit mehreren Monaten ein Berufsverbot". Zwar hoffe er, dass die Clubbetreiber die von der Stadt erlaubte Möglichkeit, einen Barbetrieb in den Clubs anzubieten, nutzen werden, allerdings wisse er nicht, ob den Betreibern dies reiche. Er sorge sich, dass in einer Studentenstadt wie Mainz von den sowieso schon wenigen Clubs nun noch einige schließen müssen.

Darüber will Schön noch gar nicht nachdenken. Er sagt, er habe noch nicht nachgerechnet, was ihn das halbe Jahr seit der Schließung gekostet habe, aber er wisse, dass er noch viele Jahre die jetzt genommenen Kredite abbezahlen müsse.

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