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Anhänger der Klimabewegung "Fridays For Future" sind am Freitag wieder weltweit auf der Straße gegangen. Der Mainzer Student Clemens Traub gehörte anfangs zu den begeisterten Anhängern – jetzt übt er scharfe Kritik.

Clemens Traub ist kein Klimaleugner. Der 23-Jährige studiert in Mainz Politik und war lange Zeit selbst begeisterter "Fridays For Future"- Anhänger. "Ich hatte das Gefühl, absolut auf der richtigen Seite zu stehen", erzählt er. Heute sieht er die Bewegung kritisch: "Je häufiger ich auf Demonstrationen war, desto fremder wurde mir die Bewegung." Denn seiner Erfahrung nach findet bei "Fridays For Future" nur ein Schwarz-Weiß-Denken statt. Dass es auch Grauzonen gebe, spiele keine Rolle. "Und das erschwert Diskussionen ungemein."

Fridays For Future: "Bewegung der Privilegierten"

Die Augen geöffnet hätten ihm Besuche in seiner südpfälzischen Heimat, erzählt er. Das Dorf, in dem er aufgewachsen sei, habe gerade einmal 2.000 Einwohner. Nicht mal einen Supermarkt gebe es. Und dort sei er mit seiner Begeisterung für "Fridays For Future" auf völliges Unverständnis gestoßen. "Das hat Kopfschütteln ausgelöst, weil in meiner Heimat ,Fridays For Future' vor allem als eine Bewegung der Privilegierten betrachtet wird. Und ich habe ganz häufig den Satz gehört, dass ‚Fridays For Future‘ mit ihren Forderungen an der Lebensrealität ganz vieler hart arbeitender Menschen vorbeigeht."

Zum Beispiel werde das Auto auf dem Land nicht als "Klimamonster" wahrgenommen. "Sondern es ist das Normalste der Welt, um seinen eigenen Alltag bestreiten zu können." Solche Sichtweisen fehlen Traub bei "Fridays For Future". Er beginnt, die Klimabewegung zu reflektieren und veröffentlicht Anfang des Jahres ein Buch darüber: "Future for Fridays? Streitschrift eines jungen ‚Fridays for Future‘-Kritikers". Aus seiner Sicht ist die Klimabewegung zu homogen, zu bürgerlich und zu privilegiert, um die Sorgen und Ängste ganz vieler Menschen verstehen zu können.

Quadriga-Verlag

"Klima-Krise nicht gegen Corona-Krise ausspielen"

Die Corona-Krise habe das noch einmal verschärft. "Durch die Wirtschaftskrise haben viele gerade Angst, dass ihre eigene kleine Welt auseinanderbricht", sagt Clemens Traub. Angst, den Job zu verlieren oder die Miete nicht bezahlen können. "Deswegen ist für viele Klimaschutz nicht das drängendste Thema zurzeit." Das würden viele "Fridays For Future" Aktivisten nicht verstehen, wodurch zwei Welten aufeinanderprallen würden. Clemens Traub ist es aber wichtig, dass beide Krisen nicht gegeneinander ausgespielt werden. "Man darf das nicht zu einer Art Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit machen."

Er wünscht sich, dass sich "Fridays For Future" weiter für das Klima einsetzt – eine Klimabewegung werde dringend gebraucht. Aus Sicht von Clemens Traub müsse die aber "inklusiver und offenherziger" auftreten. Und sich aus den eigenen Wohlfühlzonen, wo man ohnehin Bestätigung erhalte, herausbegeben. Viel wichtiger sei es, Dörfer aufzusuchen oder Handwerksbetriebe. Aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern um ein offenes Gespräch zu suchen. "Vielleicht auch mal mit Menschen, die ‚Fridays For Future‘ kritisch gegenüberstehen. Und dann ist die entscheidende Aufgabe, auch diese Menschen zu überzeugen."

Nach monatelanger Corona-Pause Tausende bei "Fridays for Future" auf der Straße

Monatelang waren sie während der Corona-Pandemie nicht im öffentlichen Raum präsent, jetzt waren die Aktivisten von "Fridays for Future" wieder auf rheinland-pfälzische Straßen gegangen. In Mainz versammelten sich rund 1.000 Unterstützer.  mehr...

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