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Die Deutsche Flugsicherung (DFS) testet ab sofort tagsüber ein Anflugverfahren am Frankfurter Flughafen, das Mainz vom Fluglärm entlasten könnte. In Rheinhessen könnte es dafür lauter werden.

Getestet wird das sogenannte "Segmented-Approach-Verfahren". Dabei kommen Flugzeuge, die den Frankfurter Flughafen anfliegen, nicht mehr in gerader Linie über die Mainzer Stadtteile Hechtsheim und Weisenau. Die Flugzeuge fliegen stattdessen auf der hessischen Seite am Rhein entlang und drehen erst kurz vor Ginsheim-Gustavsburg Richtung Flughafen ein.

Der Süden von Mainz könnte dank dieser Änderung von Fluglärm entlastet werden. Allerdings würden rheinhessische Gemeinden, die direkt am Rhein liegen, vielleicht mehr Lärm abbekommen - beispielsweise Nackenheim.

Auf einer Karte ist die Route beim "Segmentierten Anflugverfahren" eingezeichnet (Foto: Deutsche Flugsicherung)
Beim neuen Anflugverfahren (rote Linie) fliegen die Flugzeuge auf der hessischen Seite am Rhein entlang und drehen erst kurz vor dem Frankfurter Flughafen ein. Deutsche Flugsicherung

Weniger Flugzeuge wegen Corona-Pandemie

Bislang wurde das Verfahren nur zwischen 23 und 0 Uhr genutzt. Anlass für den jetzigen Test ist, dass aktuell wegen der Corona-Pandemie sehr wenige Flugzeuge unterwegs sind. Dies eröffnet nach Angaben der Fluglärmkommission (FLK) die Möglichkeit, das "Segmented-Approach-Verfahren" auch tagsüber zu erproben. Laut FLK könnte es für 25 bis 50 Flugzeuge am Tag genutzt werden. Als mögliche Zeitfenster nennt die Deutsche Flugsicherung DFS den frühen Morgen, den Nachmittag und den späteren Abend.

Lärmmessungen begleiten Testphase

Der Probebetrieb soll ein halbes Jahr lang laufen und wird von Lärmmessungen begleitet. Im Anschluss an die Testphase sollen die Ergebnisse in einem Konsultationsverfahren geprüft werden. Dabei sollen auch Anwohner zu Wort kommen. Erst danach will die Fluglärmkommission beraten, ob und in welchen Zeitfenstern das "Segmented- Approach-Verfahren" in den Regelbetrieb überführt werden könnte.

Der Mainzer Professor Thomas Münzel zur Auswirkung von Fluglärm auf den Menschen:

Fluglärmgegner in Rheinhessen in Sorge

Karsten Jacobs von der Initiative gegen Fluglärm in Rheinhessen sagte dem SWR, grundsätzlich sei es immer gut, wenn neue Möglichkeiten für Lärmschutz getestet würden. In diesem Fall handele es sich aber wieder einmal nur um eine Lärmverschiebung und das sei auf keinen Fall eine Lösung. Der Fluglärm müsse insgesamt reduziert und nicht einfach nur von einer Region in die andere verschoben werden. Zahlreiche Mitglieder der Initiative befürchteten nun mehr Lärm über ihren Wohnorten - vor allem aus Nackenheim und Bodenheim, aber auch aus dem Süden von Mainz-Laubenheim habe er diese Sorgen gehört, so Jacobs.

Mainzer Umweltdezernentin gegen Umverteilung

Die Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) sagte, sie halte den Probebetrieb für sinnvoll. Es sei immer die Forderung der Fluglärmkommission gewesen, dass die besonders dicht besiedelten Gebiete, also die größeren Städte, umflogen werden - dies könne man mit diesem Verfahren umsetzen. Grundsätzlich halte sie aber an der Forderung fest, dass Fluglärm generell reduziert und nicht umverteilt werden sollte.

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