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Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die Umwelt aus. Forscher des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie wollen herausfinden, wie stark diese Folgen für die Atmosphäre sind.

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Wem in dieser Zeit ein klarer, blauer Himmel auffällt, der sollte nicht einfach nur an gutes Wetter glauben. Vielmehr könnte dieses Phänomen eine Folge der Corona-Pandemie sein, wie Mainzer Forscher annehmen. Der Verkehr, vor allem der Flugverkehr, wurde durch die Pandemie weltweit heruntergefahren. Die Atmosphäre ist also deutlich geringer mit Schadstoffen belastet. Jos Lelieveld vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie: "Der einzigartige blaue Himmel der vergangenen Wochen lässt sich nicht durch meteorologische Verhältnisse und den Rückgang der Emissionen in Bodennähe erklären."

Mit Messflugzeugen über Europa und den Atlantik

Im Rahmen der Mission "Bluesky" will Lelieveld dem Zusammenhang zwischen Shutdown, weniger Flugverkehr und den Folgen für die Erdatmosphäre auf den Grund gehen. Dafür steigen seine Kollegen selbst ins Flugzeug: Die Messflugzeuge Halo und Falcon untersuchen zwei Wochen lang die Atmosphäre auf Spurengase und Schadstoffe. Sie überfliegen vollgepackt mit komplexer Technik die europäischen Ballungszentren zum Beispiel in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. "Außerdem geht es hinaus auf den Nordatlantik in den Flugkorridor nach Nordamerika", berichtet Lelieveld. Das Mainzer Institut ist bei dem Projekt federführend, zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Die beiden Forschungsflugzeuge Halo und Falcon (Foto: Pressestelle, DLR)
Die beiden Forschungsflugzeuge Halo und Falcon Pressestelle DLR

Trägt Flugverkehr zu mehr Aerosolen bei?

Ziel der Flugzeug-Mission ist es abzuschätzen, wie weniger Emissionen aus dem Luftverkehr die Chemie in der Atmosphäre verändern. Dabei haben die Forscher vor allem die Aerosole im Visier. Das sind fein verteilte, mikroskopisch kleine Partikel in der Luft. Sie streuen und absorbieren Sonnenstrahlung und haben so einen Einfluss auf das Klima. Zudem beeinflussen sie die Wolkenbildung. "Und wir vermuten, dass der Flugverkehr einen größeren Anteil an der Bildung von Aerosol-Teilchen hat als angenommen", erklärt Lelieveld die Auswirkungen auf einen blauen oder weniger blauen Himmel.

Einmalige Chance für die Wissenschaftler

Ihre jetzt gewonnenen Daten können die Experten mit früheren Messungen zu Emissionen im Flugverkehr vergleichen - für die Forscher eine einmalige Chance: "Wir messen eine Referenz-Atmosphäre, die nur wenig mit Emissionen belastet ist. Eine Art Nullpunkt", erläutert Christiane Voigt vom DLR. "Das gibt uns die einzigartige Möglichkeit, erhöhte Emissionen vor dem Shutdown besser zu verstehen."

An Bord des Halo-Forschungsflugzeugs (Foto: Pressestelle, DLR)
An Bord des Halo-Forschungsflugzeugs Pressestelle DLR

20 Experimente betreuen die Mitarbeiter an Bord des Halo-Flugzeugs. Vier Operateure können maximal mitfliegen. Auch diese Flüge müssen unter den aktuellen Corona-Verhaltensregeln über die Bühne gehen. Die Daten werden zu den Wissenschaftlern am Boden übertragen.

Diskussionsbeitrag zu nachhaltigem Flugverkehr

Die Erkenntnisse der Forscher könnten einen Beitrag zur Debatte leisten, wie künftig mit dem Flugverkehr umzugehen ist. Stichwort Lufthansa-Staatshilfe: "Die Regierung hat ja schon angemerkt, aus diesem Anlass mit Lufthansa über die Nachhaltigkeit des künftigen Flugverkehrs zu sprechen." Dabei spiele dann eine Rolle, was alte oder neue Maschinen zur Aerosol-Emission beitragen und was das für die mögliche Erneuerung der Flugzeug-Flotte bedeutet.

Für die Auswertung ihrer Daten werden die Wissenschaftler mehrere Monate brauchen. "Wir haben ja noch nichts bewiesen", sagt Lelieveld. Aber: "Wenn Sie dann gucken, ob der Himmel so schön blau ist wie heute oder anders, dann können wir Ihnen vielleicht sagen, woran das liegt."

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