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Zum Auftakt der Deutschen Bischofskonferenz am Montag in Mainz hat der Vorsitzende, Kardinal Marx, die katholische Kirche zum Aufbruch aufgerufen. Heute wollen die Bischöfe den Nachfolger von Marx wählen.

Es gehe nicht darum, sich dem Zeitgeist anzupassen, sondern die Zeichen des Heiles Gottes zu sehen, sagte Kardinal Reinhard Marx am Montagabend im Mainzer Dom bei einem Gottesdienst zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe.

In seiner mehrfach von Applaus unterbrochenen Predigt mahnte Marx zu Zuversicht und Gottvertrauen. Es gelte, keine Angst vor der Moderne zu haben, aus der Quelle des Glaubens zu schöpfen und manches hinter sich zu lassen, was der Vergangenheit angehöre, "was schal geworden ist". Kirche müsse Hoffnung leben und Hass bekämpfen, Brücken bauen und erkennen, "was uns heute aufgetragen ist".

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Andacht am Grab von Kardinal Lehmann

Vor dem eigentlichen Beginn des Gottesdienstes hatten die Bischöfe eine kurze Andacht am Grab des früheren Mainzer Bischofs Kardinal Karl Lehmann gehalten. Der langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz war vor zwei Jahren, am 11. März 2018, gestorben. Seit kurzem weist eine von dem Künstler Thomas Duttenhoefer gestaltete Bronzeplatte auf das Grab des Bischofs hin. Marx sagte, Lehmann bleibe seinen Mitbrüdern in lebendiger Erinnerung.

Eine neue Grabplatte in der Bischofsgruft des Mainzer Doms erinnert an Karl Kardinal Lehmann. (Foto: SWR, Kristina Kiauka)
Die obere Grabplatte in der Bischofsgruft des Mainzer Doms erinnert an Karl Kardinal Lehmann. Kristina Kiauka

Proteste gegen Missbrauch

Am Rande des Gottesdienstes wurde eine Person mit weißer Maske hinausgeführt, die offenbar während der Predigt von Marx in den Altarraum gelangen wollte. Mehrere Betroffene von Missbrauch verharrten in stillem Protest im hinteren Teil des Doms. Sie trugen weiße Plakate, auf denen unter anderem die Zahl der bislang bekannt gewordenen Missbrauchsfälle verzeichnet war.

Bereits am Mittag hatte es vor dem Dom Proteste gegeben. "Für eine geschlechtergerechte und glaubwürdige Kirche" - unter diesem Motto hatten die katholischen Frauenverbände mehr als 130.000 Unterschriften gesammelt, die sie den Bischöfen übergaben.

Keine Kandidaten und kein Wahlkampf

Es ist das erste Mal seit dem Jahr 2000, dass die Deutsche Bischofskonferenz in Mainz zu einer Vollversammlung zusammengekommen ist.

Am Dienstag dann steht die Wahl des Vorsitzenden und eines Stellvertreters an. Das Statut der Deutschen Bischofskonferenz sieht eine geheime Wahl vor, wobei eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder erforderlich ist. Im dritten Wahlgang entscheidet die absolute Mehrheit.

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Mainzer Bischof Kohlgraf hält sich bedeckt

Einen klaren Favoriten für den Vorsitz scheint es nicht zu geben. Denkbar ist etwa der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf - trotz seiner erst kurzen Amtszeit seit August 2017 - mit Blick auf seine Fähigkeiten als Moderator. Im SWR-Interview am vergangenen Freitag wollte Kohlgraf sich nicht zu Personalfragen äußern, schloss eine eigene Kandidatur aber auch nicht aus.

Beratungen über weitere Schritte im Reformprozess

Am Mittwoch wird das Schreiben des Papstes zu den Ergebnissen der Amazonas-Synode im Mittelpunkt der Beratungen stehen. Der Brief mit der Überschrift "Querida Amazonia" (Geliebtes Amazonien) hat die Hoffnung gedämpft, dass der sogenannte Synodale Weg der Kirche in Deutschland zu einem wirklichen Aufbruch mit einer Lockerung der Machtstrukturen und einer Öffnung gegenüber Frauen führen könnte.

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Anstöße SWR1 Rheinland-Pfalz

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