STAND

Im Rennen um einen Impfstoff zum Schutz gegen eine Covid-19-Erkrankung scheinen das Mainzer Unternehmen Biontech und sein Partner Pfizer einen Schritt weiter: Tests zeigten, dass der Corona-Impfstoff wirksam sei.

Wie die beiden Unternehmen am Montag mitteilen, liegt eine erste Zwischenanalyse der entscheidenden Untersuchungsphase, der klinischen Phase 3, vor. Demnach bietet der Impfstoffkandidat von Biontech einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19. Nach Angaben von Biontech-Chef Ugur Sahin war knapp die Hälfte der Probanden, denen man den Impfstoff verabreicht habe, 65 Jahre alt oder älter. Daraus könne man schließen, dass der Impfstoff auch Personen aus dieser Risikogruppe schütze.

Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden Sahin zufolge bislang nicht beobachtet. Allerdings könne man ein endgültiges Fazit erst nach zwei Jahren ziehen. Bis dahin werde man Daten zur Verträglichkeit in einer Datenbank sammeln und diese der Wissenschaft zugänglich machen.

"Ein besonderer Tag für die Wissenschaft"

Dr. Albert Bourla, CEO Pfizer

Kommende Woche Antrag auf Notfallzulassung in den USA?

Schon kommende Woche könnten genügend Daten vorliegen, um in den USA eine erste Zulassung zu beantragen. Die Zwischenanalyse sei von einem externen, unabhängigen Komitee gemacht worden. Nach bisherigen Erkenntnissen muss der Corona-Impfstoff zweimal verabreicht werden. Ein Schutz bestehe dann nach 28 Tagen. Wie lange dieser anhalte, werde man aber erst in den kommenden Monaten und Jahren herausfinden, so Biontech-Chef Sahin.

Ankündigung katapultiert Börsen weltweit nach oben

Die Nachricht sorgte international für massive Zuwächse der Börsenbarometer. Der Deutsche Aktienindex (DAX) kletterte um knapp fünf Prozent. Erstmals sei Licht am Ende des Tunnels sichtbar, hieß es von Börsen-Experten.

Der Impfstoff war von Biontech im Projekt "Lightspeed" (Lichtgeschwindigkeit) seit Mitte Januar entwickelt worden. Die für eine Zulassung entscheidende Phase-3-Studie begann Ende Juli in verschiedenen Ländern.

Inzwischen haben mehr als 43.500 Menschen mindestens eine der beiden Impfungen bekommen, die im Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Dabei wird auch geprüft, in welchem Maß die Impfung nicht nur vor Covid-19 schützt, sondern auch vor schweren Verläufen der Krankheit.

Video herunterladen (4,5 MB | MP4)

Auch unabhängige Experten beeindruckt

Nach der Verkündung der Studienergebnisse zeigten sich unabhängige Experten beeindruckt. "Ehrlich gesagt ist das die beste Nachricht, die ich seit dem 10. Januar erhalten habe", erklärte beispielsweise der Virologe Florian Krammer von der Icahn School of Medicine in New York.

Der Infektiologe Gerd Fätkenheuer von der Uniklinik Köln spricht von "großartigen und vielversprechenden Daten". "Ich denke, das wird unseren Umgang mit der Pandemie entscheidend beeinflussen und ich hoffe, dass rasch große Mengen des Impfstoffes zur Verfügung stehen werden." Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg rechnet mit einer baldigen Zulassung. Allerdings geben Experten auch zu bedenken, dass die Daten zunächst nur aus einer Pressemitteilung stammen und nicht aus einer wissenschaftlichen Publikation. So fehlten etwa Daten zum Schutzeffekt in bestimmten Altersgruppen.

Bundesgesundheitsminister fordert Liefervertrag mit Biontech

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dringt darauf, dass die EU nun in den nächsten Tagen einen Liefervertrag mit Biontech und Pfizer abschließt. Es gebe bisher einen Vorvertrag, aber keinen Abschluss, kritisierte Spahn am Montagabend im ZDF. Jetzt müsse man zu einem Ergebnis kommen. "Ich könnte es als deutscher Gesundheitsminister jedenfalls schwer erklären, wenn in anderen Regionen der Welt ein in Deutschland produzierter Impfstoff schneller verimpft würde als in Deutschland selbst." Zuvor hatte Spahn von ermutigenden Ergebnissen gesprochen. Man müsse aber die weitere Entwicklung abwarten.

Diese Gefahr sieht die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) nicht: „Es gibt einen Vorvertrag über eine bisher zu liefernde Zahl von Impfstoffdosen. Es soll wohl auch weitere Verträge geben", sagte Bätzing-Lichtenthäler im SWR.

50 Millionen Impfstoff-Dosen noch in diesem Jahr?

Biontech und Pfizer rechnen damit, noch in diesem Jahr weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoff-Dosen bereitstellen zu können, im kommenden Jahr kalkulieren sie mit bis zu 1,3 Milliarden Dosen. Zwar haben schon Länder wie Russland, China und kürzlich erst Bahrain Impfstoffe mit Einschränkungen freigegeben und impfen damit bereits Teile der Bevölkerung. Aber wie gut diese Impfungen tatsächlich schützen und welche Nebenwirkungen sie haben können, ist derzeit weitgehend offen.

Ein Impfstoff gegen Corona Mainzer Unternehmen Biontech testet in Brasilien

"Wenn der Impfstoff da ist, dann wird alles gut..." So einfach ist es wohl nicht, sagen Experten. Aber es wäre ein wichtiger Schritt. Unternehmen wie Biontech aus Mainz arbeiten daran. In Brasilien testet das Unternehmen seinen Impfstoff.  mehr...

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

Medizin Auch mit Impfstoff gibt es kein schnelles Ende der Corona-Pandemie

Das Unternehmen Biontech schürt Erwartungen bezüglich eines Impfstoffs. Sollte er tatsächlich bald vorliegen, gibt es viele Probleme: Man muss entscheiden, wer geimpft wird, jeder Bürger, jede Bürgerin muss zweimal geimpft werden, es gibt Lagerungsprobleme. Christoph König im Gespräch mit Dr. Martin Terhardt von der Ständigen Impfkommission  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Impfstoff gegen Covid-19 Impfzentren in Rheinland-Pfalz schon ab Dezember

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat damit begonnen, die Verteilung eines möglichen Corona-Impfstoffes zu organisieren.  mehr...

Einschätzung zu Biontechs Erfolgsmeldung Virologe Plachter: "Mit diesem Impfstoff auf einem guten Weg"

Der Corona-Impfstoff von Biontech aus Mainz soll eine Wirksamkeit von neunzig Prozent haben. Wir haben den Mainzer Virologen Bodo Plachter nach seiner Einschätzung gefragt.  mehr...

Guten Morgen Rheinland-Pfalz SWR1 Rheinland-Pfalz

STAND
AUTOR/IN