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Die beiden hatten schon immer Großes vor: zuerst haben sie dem Krebs den Kampf angesagt, dann haben sie einen Impfstoff gegen das Corona-Virus entwickelt.

Özlem Türeci (54) und Ugur Sahin (55) sind Kinder türkischer Einwanderer. Türeci hat Humanmedizin an der Universität des Saarlandes in Homburg studiert. Habilitiert hat sie sich an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Ugur Sahin hat an der Universität Köln Medizin studiert, dort hat er sich auch habilitiert. Kennengelernt haben sich die beiden in den 1990er Jahren am Universitätsklinikum Homburg. 2002 haben sie geheiratet. Die beiden haben eine Tochter und leben in Mainz.

Schon früh in der Krebsforschung aktiv

Das Ehepaar verbindet seit Jahrzehnten die medizinische Forschung. In Mainz gründeten sie ein biopharmazeutisches Forschungsinstitut an der Johannes Gutenberg-Universität. Später machten sie sich selbstständig. Özlem Türeci soll damals 65 Millionen Euro für die Erforschung eines Krebsmedikaments eingesammelt haben.

Wegweisend für mRNA basierten Corona-Impfstoff

Damals waren Investoren offenbar schon von dem Forschungsansatz der beiden überzeugt. Die Idee: Krebspatienten sollten nicht mehr mit einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung behandelt werden. Stattdessen sollte der Körper individuell und gezielt darauf trainiert werden, den Krebs selbst zu bekämpfen und zu zerstören. Dahinter steckt die mRNA-Technologie, die Jahre später bei der Forschung für einen Corona-Impfstoff zum Einsatz kam.

"Wir suchen die Eigenschaften aus, die für die Krebszellen dieses Patienten spezifisch sind (...) und stellen einen Impfstoff her, (..) der eine Art Fingerabdruck dieses Krebses ist."

Gründung von Biontech in Mainz

Um die Studien an dieser mRNA-Technologie zu intensivieren, gründete das Paar 2008 das Biotechnologie-Unternehmen Biontech in Mainz. Sahin ist der Vorstandsvorsitzende, Türeci ist der medizinischer Vorstand der Firma. Seit dem Jahr 2019 ist das Unternehmen börsennotiert.

In Interviews erzählt Ugur Sahin, dass er im Januar 2020 einen Artikel über eine bis dahin noch namenlose chinesische Lungenkrankheit gelesen habe. Da habe er sofort gedacht, dass diese Krankheit sich weltweit ausbreiten werde. Mit der mRNA-Technologie sah er jedoch eine Chance, einen Impfstoff gegen das Virus herstellen zu können.

"Wir sahen uns verpflichtet, etwas zu tun, weil wir die Grundvoraussetzung dafür haben, Impfstoffe zu entwickeln."

"Lightspeed" nannte das Forscher-Ehepaar das ehrgeizige Projekt - übersetzt Lichtgeschwindigkeit. Innerhalb eines knappen Jahres entwickelten sie in Mainz den Corona-Impfstoff. Er wurde getestet und schließlich als erster zugelassen. Türeci und Sahin sollen inzwischen zu den reichsten Menschen in Deutschland zählen. Aber Biontech-Gründer Sahin betonte kürzlich: "Ich bin Mediziner und Wissenschaftler und unsere primäre Motivation ist sicher nicht, unsere finanzielle Situation zu optimieren, sondern Arzneimittel zu entwickeln."

Biontech-Gründer Ugur Sahin (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Andreas Arnold)
Biontech-Gründer Ugur Sahin picture alliance/dpa | Andreas Arnold

Das nächste Ziel des 55-Jährigen ist die Krankheit Multiple Sklerose zu bekämpfen. Er und seine Frau Özlem Türeci hätten dagegen schon einen Impfstoff im Labor, so Ugur Sahin.

Özlem Türeci und Ugur Sahin erhalten um 11:30 Uhr das Bundesverdienstkreuz. Bundespräsident Steinmeier überreicht die Orden im Schloss Bellevue in Anwesenheit von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Das Bundespräsidialamt überträgt die Veranstaltung live.

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