Biontech-Schriftzug mit Spritze (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Sven Simon)

Erfolgreicher Test an Mäusen

Biontech arbeitet an mRNA-Impfstoff gegen Multiple Sklerose

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Der Mainzer Impfstoff-Hersteller Biontech hat eigenen Angaben zu Folge einen mRNA-Impfstoffansatz gegen Multiple Sklerose (MS) entwickelt. Eine gemeinsame, vorklinische Studie mit der Mainzer Universität sei erfolgreich verlaufen.

Der Impfstoff basiere auf der mRNA-Technologie, die auch bei der Impfung gegen das Coronavirus angewandt werde. Ein entsprechender Beitrag wurde am Donnerstag in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht. Wie Biontech mitteilt, konnte der Impfstoffansatz bei Mäusen eine MS-Erkrankung verhindern. Zudem verhindere er, dass bei Mäusen, die bereits leicht erkrankt waren, die Krankheit fortschreitet. Demnach konnten motorische Funktionen sogar wiederhergestellt werden. Laut Biontech unterdrückt der Impfstoff auch nicht die Wirkung von anderen Impfstoffen, zum Beispiel gegen das Grippe-Virus.

So funktioniert der Ansatz von Biontech

Bei der Behandlung von MS wurde bislang das komplette Immunsystem heruntergefahren. Biontech verfolgt jedoch den Ansatz, mit Hilfe von mRNA-Molekülen den Körperzellen Botschaften zu überbringen, damit diese das Immunsystem präzise steuern. Hierfür hat Biontech zusammen mit Forscherinnen und Forschern der Universitätsmedizin Mainz sowie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ein mRNA-Molekül entwickelt, das genau diese falsche Reaktion des Immunsystems gegen die Nervenhüllen unterdrückt und im Anfangsstadium teilweise auch wieder rückgängig machen konnte. Bislang wurde das aber nicht im Menschen, sondern nur bei Mäusen gemacht. Das Krankheitsbild ist dabei künstlich erzeugt - es ähnelt MS, ist aber noch keine menschliche MS.

Studie am Menschen frühestens in zwei Jahren

Die Studie an den Mäusen ist nach Einschätzung der SWR-Wissenschaftsredaktion so vielversprechend, dass nun der Start von klinischen Studien an Menschen das nächste Ziel ist. Die können aber frühestens in zwei Jahren beginnen, denn bevor man damit Patienten behandelt, muss der Ansatz erstmal im Labor an menschlichen Zellen getestet werden. Eine Studie an Patienten kann dann nochmals Jahre dauern. Das liegt daran, dass sichergestellt werden muss, dass diese MS-Therapie auch im Menschen genau gegen diese eine Fehlsteuerung im Immunsystem wirkt und nicht etwa gleichzeitig auch die Immunabwehr gegen Grippeviren oder das neue Coronavirus schwächt.

Mainz

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