STAND

Auch wenn 2020 viel Negatives gebracht hat - in Mainz kann man seitdem wieder besser durchatmen. Wegen Homeoffice und geschlossenen Geschäften bleiben mehr Autos stehen - und das verbessert die Luft.

Larissa Heller wohnt in Mainz am Kaiser-Wilhelm-Ring direkt am Bahnhof. "In meiner Straße fahren Busse, Bahnen, Autos, und ich höre die Züge." Veränderungen im Verkehr fallen Larissa Heller sofort auf, und zwar auf ganz unerwartete Weise. Im Frühjahr stellte die junge Frau etwas Überraschendes fest. "Im ersten Shutdown habe ich gemerkt, dass ich meine Fensterbank weniger wischen muss, weil sich nicht mehr soviel Ruß ablagert."

Wohl überall in Mainz Grenzwerte eingehalten

Dieser subjektive Eindruck täuscht wahrscheinlich nicht. Denn im Frühjahr 2020 waren in Mainz aufgrund der Corona-Maßnahmen definitiv weniger Autos unterwegs. Das könnte eine Erklärung für die Sauberkeit der Fensterbank sein. Eines ist jedenfalls sicher: die Luftqualität in Mainz ist besser geworden, sagt Sabine Riewenherm, Präsidentin des Landesamts für Umwelt. "Sie hat sich auf jeden Fall gegenüber dem Vorjahr verbessert." Mit großer Wahrscheinlichkeit würden die Grenzwerte an allen Stationen eingehalten. "Wir hoffen, dass sich das dann auch in der Endauswertung im Januar so herausstellen wird", so Riewenherm.

Luftqualität in Mainz im Jahr 2019

Messdaten des Umweltbundesamtes zur Luftqualität in Mainz 2019 (Foto: www.umweltbundesamt.de)
So sah nach Angaben des Umweltbundesamtes im Jahr 2019 die Luftqualität an der Parcusstraße in Mainz aus. www.umweltbundesamt.de

Luftqualität in Mainz im Jahr 2020

Messdaten des Umweltbundesamts zur Luftqualität in der Mainzer Parcusstraße 2020 (Foto: www.umweltbundesamt.de)
Und so sah das Jahr 2020 aus: Ein bisschen weniger rote Spitzen zeigen die Messdaten des Umweltbundesamts zur Luftqualität in der Mainzer Parcusstraße. www.umweltbundesamt.de

Dieselfahrverbot abgewendet

Die Luftmessstationen des Landesamts zeichnen zum Beispiel den Wert für Stickstoffdioxid in Mainz auf. Der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft wurde jahrelang an verschiedenen Stellen überschritten. Ein Dieselfahrverbot drohte. Wenn der Grenzwert nun wirklich eingehalten wurde, könnte das endgültig vom Tisch sein.

Elektrobusse und Tempo 30

Doch waren tatsächlich die Corona-Maßnahmen ausschlaggebend für diese Verbesserung der Luftqualität? Laut Sabine Riewenherm haben sie dazu beigetragen. Die Maßnahmen hätten zu einem geringeren Verkehrsaufkommen geführt, dadurch sei die Schadstoffbelastung gesunken. "Dazu kommen aber die nachhaltigen Maßnahmen, die von der Stadt Mainz ergriffen wurden: zum Beispiel die Umrüstung der Busflotte und die Einführung von Tempo 30 in der Innenstadt." Diese Dinge seien hauptsächlich für die bessere Luft in Mainz verantwortlich, sagt Riewenherm. Corona sei nur ein kleiner Teil davon gewesen.

Weniger Lärm dank Corona-Beschränkungen

Larissa Heller hat in ihrer Wohnung am Kaiser-Wilhelm-Ring jedenfalls direkt gespürt, dass die Corona-Regeln wieder verschärft worden sind. "Insgesamt ist der Geräuschpegel niedriger, das merke ich sofort, sobald Shutdown ist." Und in ein paar Wochen wird sie es dann wahrscheinlich auch wieder an ihrer Fensterbank merken.

Vergleich zwischen Stadt und Umwelthilfe Dieselfahrverbot für Mainz vom Tisch

In Mainz wird es vorerst kein Dieselfahrverbot geben. Die Deutsche Umwelthilfe und die Stadt Mainz haben sich vor dem Oberverwaltungsgericht in Koblenz auf einen Vergleich geeinigt.  mehr...

Langsamer fahren für die Umwelt Tempo 30 in der Mainzer Innenstadt - ist die Luft sauberer?

Seit mehr als 100 Tagen gilt in der Mainzer Innenstadt Tempo 30. Wie funktioniert es? Was ist seitdem besser geworden? Die Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) zieht Bilanz.  mehr...

STAND
AUTOR/IN