Angeklagter Jäger mit seinem Anwalt auf der Anklagebank im Amtgericht Bad Kreuznach (Foto: SWR)

Gericht entscheidet nach Berufung

Nach tödlichem Jagdunfall in Dalberg: Gefängnis oder Bewährung?

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Das Landgericht Bad Kreuznach muss darüber entscheiden, ob ein Jäger nach einem tödlichen Jagdunfall in Dalberg (Kreis Bad Kreuznach) ins Gefängnis muss. Der Angeklagte hatte Berufung eingelegt.

Das Amtsgericht Bad Kreuznach hatte den 62-jährigen Jäger aus Bingen im September 2019 zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann im November 2018 bei einer Jagd in Dalberg eine 86-jährige Frau fahrlässig getötet hatte. Der Schuldspruch ist bereits rechtskräftig, nun wird über das Strafmaß entschieden. Der Angeklagte möchte, dass das Urteil zur Bewährung ausgesetzt wird. Das ist aber nur möglich, wenn das Strafmaß zwei Jahre nicht überschreitet.

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Eigentlich war in dem Verfahren am Montag ein Urteil erwartet worden. Die Richter am Landgericht Bad Kreuznach wollen aber Arztberichte über den Angeklagten einsehen. Sein Anwalt, Ulrich Endres, hatte vor Gericht gesagt, sein Mandant leide seit der Tat unter Depressionen.

Entschuldigung bei den Angehörigen des Opfers

Außerdem bat der Verteidiger im Namen seines Mandaten um Entschuldigung bei den Angehörigen. Seinem Mandaten sei das ein Anliegen, so der Anwalt, auch wenn die Kinder diese Entschuldigung vielleicht nicht annehmen könnten. Eine der Töchter des Opfers sagte dann auch, dass dies zweieinhalb Jahre nach dem Geschehen zu spät sei. Die Kinder der getöteten 86-Jährigen sind Nebenkläger in diesem Prozess.

Angeklagter Jäger mit seinem Anwalt auf der Anklagebank im Amtgericht Bad Kreuznach (Foto: SWR)
Das Amtsgericht Bad Kreuznach hatte den angeklagten Jäger aus Bingen (rechts) wegen fahrlässiger Tötung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Dagegen hatte der Mann Berufung eingelegt.

Jäger aus Bingen bezeichnete Tat als Unfall

Bei der Drückjagd in einem Waldstück in Dalberg bei Bad Kreuznach hatte der Angeklagte mehrfach auf ein Wildschwein geschossen. Dabei traf eine Kugel die Rentnerin, die auf ihrem Grundstück Walnüsse sammelte. Die Frau starb.

Der Jäger habe die 86-Jährige im dichten Gestrüpp nicht sehen können, stellte das Gericht beim ersten Urteil fest. Der Jagdleiter habe die Jäger zuvor angewiesen, nur hangaufwärts zu schießen und nicht in Richtung Dorf.

Erste Erklärung für tödlichen Schuss war falsch

Die Schüsse wurden jedoch hangabwärts abgegeben. Im ersten Verfahren hatte der Angeklagte ausgesagt, er sei ausgerutscht, habe sich deshalb hangabwärts gedreht und dabei habe sich ein Schuss gelöst. Dies sei eine Ausrede gewesen, sagte der Verteidiger jetzt vor Gericht. Sein Mandant habe nicht wahrhaben wollen, was wahr sei. Es seien zwei Schüsse gewesen und er sei dabei nicht ausgerutscht.

Prozess um tödlichen Jagdunfall Freispruch für Jäger in Bad Kreuznach gefordert

Im Prozess um den tödlichen Jagdunfall in Dalberg im Kreis Bad Kreuznach will die Verteidigung einen Freispruch erreichen. Der tödliche Schuss auf eine 86-Jährige sei ein Unfall gewesen.  mehr...

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