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Eigentlich eine gute Nachricht: Nach der neuen Landesverordnung dürfen Lokale in Rheinland-Pfalz bei einer Corona-Inzidenz unter 100 wieder draußen öffnen. Doch in der Gastronomie gibt es neben Hoffnung auch Verunsicherung.

Vor dem Imbiss "Beim Peter" in der Mainzer Neustadt steht ein roter Tisch mit Bank. Es ist ein Symbol dafür, dass die Außengastronomie in Rheinland-Pfalz seit Montag wieder Kundschaft empfangen darf - zumindest in der Theorie. Denn mit Gästen rechnete Inhaber Peter Leussler Anfang der Woche noch nicht. "Das Wetter spielt noch nicht mit. Ich wollte den Kunden einfach suggerieren, sie könnten bei mir essen, wenn sie wollten." 

Imbiss in Mainzer Neustadt stellt Tisch für seine Kunden vor die Tür. (Foto: SWR)
Der Imbiss "Beim Peter" hat einen roten Tisch für seine Kunden vor die Tür gestellt.

Gäste brauchen negativen Corona-Schnelltest

Weil er auch eine Metzgerei betreibt und ohnehin die ganze Zeit vor Ort ist, hat er sich entschieden, den Tisch aufzustellen. Um vor Ort zu essen, sind eine telefonische Anmeldung und ein negativer Schnelltest nötig. Den akzeptiert Peter Leussler nur vom Arzt oder einer Schnellteststelle. Für einen vor Ort durchgeführten Selbsttest hat er keine Zeit: "Das lohnt sich für einen Schnellimbiss nicht." 

Umgang mit Schnelltests noch unklar 

Wie genau man mit den negativen Corona-Tests umgehen soll, hinterlässt bei einigen Gastronomen noch Fragezeichen. "Die Vorgaben von Land und Kommune sind bislang sehr beschränkt," sagt Bernd Riegger, der Geschäftsführer der bundesweiten Restaurantkette "ALEX". Trotzdem serviert das "ALEX" in Mainz seit Mittwoch wieder draußen Essen - als erste Lokalität der Kette in Deutschland. 

Profitabel sei das eher nicht, schätzt Riegger. Man wolle aber den Mitarbeitenden eine Möglichkeit geben, nach Monaten der Kurzarbeit wieder ein volles Gehalt und Trinkgeld zu verdienen. Nach jetzigem Planungsstand müssen die Gäste laut Riegger bei der Anmeldung ein gültiges Testergebnis vorzeigen. Alternativ sollen auch vor Ort Corona-Schnelltests angeboten werden, die dann allerdings bezahlt werden müssen. 

Einige scheuen den Aufwand

Zahlreiche Gastronomiebetriebe in Mainz haben sich trotz der Erlaubnis entschieden, die Terrassen und Biergärten nicht zu öffnen. "Aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens wollen und können wir für euch zurzeit keine Gastgeber sein," schreibt das Restaurant "Laurenz" auf Instagram. Obwohl eine neue, große Außenterrasse fertiggestellt wurde, wolle man vorerst nur Straßenverkauf anbieten.  

Auch viele kleinere Cafés bleiben weiterhin beim To-Go-Angebot. "Die vorgeschriebenen Maßnahmen sind zu schwierig umzusetzen und wirklich einen Durchblick habe ich dabei auch nicht, wie man mit den Schnelltests umgehen soll," heißt es von "Anything but Coffee". Die Betreiberinnen von "dicke lilli, gutes kind" schreiben auf Instagram, dass "unter solchen strengen Auflagen die Öffnung der Außengastronomie weder umsetzbar noch wirtschaftlich tragbar ist".  

Sorge vor der nächsten Schließung

Kai Müller, dem das "Lille Hus" in der Altstadt gehört, befürchtet außerdem, dass die Infektionszahlen weiter steigen. Und wenn die 7-Tage-Inzidenz über 100 klettert, muss auch die Außengastronomie wieder schließen. 

"Es ist alles sehr unsicher," sagte er dem SWR. Weil es zu viel Arbeit sei, den Betrieb hochzufahren, nur um ihn dann nach wenigen Wochen wieder herunterfahren zu müssen, wolle er bis nach Ostern abwarten. "Die positiven Reaktionen der Gäste haben uns in unserer Entscheidung bestärkt," so Müller. Die Leute hätten auch keine Lust auf ein Hin und Her. 

Ansagen der Politik seien zu kurzfristig 

Matay Celik, Inhaber des italienischen Restaurants "Di Alessa", war die Öffnung am Montag zu kurzfristig. Er hatte erst kurz zuvor von den Plänen der Politik erfahren und wollte erstmal die Terrasse sauber machen und die Tische ordnungsgemäß nach den Abstandsregeln aufbauen. 

Außerdem seien die Auflagen schwierig. Celik ist verunsichert, was er alles beachten müsste und will sich vorher noch einmal beim Ordnungsamt rückversichern. Im Laufe der Woche würde er aber auch gerne öffnen: "Es muss funktionieren und sich lohnen - denn es ist besser, als geschlossen zu haben!" 

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