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An der Nordmole am Mainzer Zollhafen entsteht gerade eine Grünanlage. Bei Erdarbeiten stießen die Bauarbeiter auf Teile der Festung Mainz, des Wallgrabens und der historischen Kaimauern.

Mainz als Festung hat eine 300-jährige Geschichte - die neusten Entdeckungen gehen auf die jüngere Zeit der Festung zurück. Im 19. Jahrhundert wurde die Festung in Mainz mehrmals ausgebaut. 1872 wurde die Neustadt erweitert und die Kaiserstraße gebaut, heißt es auf dem Portal des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Universität Mainz. Zu der Zeit zähle zum Beispiel auch das Cavalier "Prinz Holstein" und das erst kürzlich wieder entdeckte Gonsenheimer Tor.

Auf der Nordmole wurde nun ein Teil der Festung freigelegt, der 1872-1879 als Teil des Rheingauwalls erbaut wurde. Dieser diente als Festungsring zur Sicherung der Neustadt, teilte die Landesarchäologin Marion Witteyer am Donnerstag an der Fundstelle mit. Es handele sich um einen Festungsring von Kaiser Wilhelm I.. Benannt war er nach Pritzelwitz, dem preußischen General der Infanterie und Gouverneur der Festung Mainz, so Witteyer.

Kaiser Wilhelm II. entschied jedoch im Jahr 1904, noch vor dem ersten Weltkrieg, dass die Festung nicht weiter benutzt werden soll. Die Begründung: Die Schutzwirkung sei zu gering.

Kaimauer und Wassergraben ausgegraben

Aus der Zeit des "Cavalier Pritzelwitz" ist an der Nordmole eine Kaimauer erkennbar. Außerdem wurde das Ende des Wassergrabens sichtbar gemacht, durch den der Gonsbach in den Rhein geleitet wurde. Auch eine Stahlkonstruktion als Stütze der Brücke über den Graben ist zu sehen.

Landesarchäologien Marion Witteyer zeigte sich beeindruckt von den Funden. Das sei alles sehr gut erhalten, eine tolle handwerkliche Arbeit für die Zeit. Sie lobte auch die gute Zusammenarbeit mit der Bauherrin, der Zollhafen Mainz GmbH. Die Landesarchäologie sei frühzeitig über die Funde informiert worden.

Freigelegte Festung an der Nordmole am Mainzer Zollhafen (Foto: SWR)
Das historische Mündungsbauwerk des Wassergrabens soll in die Grünflächengestaltung integriert werden.

Historische Kaimauer bleibt erhalten

Diese Funde werden jetzt parallel zu den Bauarbeiten, die an der Nordmole stattfinden, von den Landesarchäologen dokumentiert. Es handelt sich laut Witteyer nicht um eine archäologische Ausgrabung. Andernfalls wäre der Zeitplan nicht einzuhalten, bis 2025 mit dem Quartier am Zollhafen fertig zu werden.

Die Außenseite der historischen Kaimauer soll nun Teil der neuen Kaimauer werden. Die restlichen Steinmauern werden nach genauen Untersuchungen wieder zugeschüttet. Da entsteht dann die Rheinuferpromenade.

Grünfläche für Freizeit und Hochwasserschutz

Im Herbst vergangenen Jahres hatte der Rückbau der alten Kaimauer an der Nordmole begonnen. Dafür wird nach Angaben der Zollhafen GmbH das Ufer an der Nordmole um rund zwei Meter abgesenkt. Die dort geplante Grünfläche könne als Freizeitgelände genutzt werden. Sie diene aber auch dem Hochwasserschutz, weil sie im Falle eines Hochwassers geflutet werde. Der Rückbau der Nordmole ist umstritten, weil dadurch auch eine Schiffsanlegestelle für Binnenschiffer wegfällt.

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