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Die Freizeitmöglichkeiten sind eingeschränkt, deswegen gehen mehr Menschen spazieren. Doch wenn zu viele Menschen gleichzeitig im Mainzer Lennebergwald unterwegs sind, flüchten manche Tiere - und das kann tödlich enden.

Spaziergänger, einige mit Hunden, Jogger und Mountainbikefahrer sind die Farbtupfer im Einheitsbraun des winterlichen Lennebergwalds. "Ich bin früher dreimal die Woche in den Sport gegangen. Das geht jetzt nicht mehr", sagt eine Spaziergängerin. "Jetzt gehen wir im Wald laufen." Die Meinung unter den Waldbesuchern ist einhellig: Es sind viel mehr Leute draußen unterwegs, mehr Familien mit Kindern, mehr Gassigänger. "Am Wochenende ist es extrem. Da gehen wir nicht in den Wald", sagt ein Mann.

Tiere im Wald werden gestört

Zuviel Andrang im Wald - das missfällt nicht nur den Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie, auch die Wildschweine und Rehe fühlen sich gestört. Das bereitet Revierjagdmeister Thomas Köhrer große Sorgen. Die Leute kämen jetzt auch zu Zeiten, wo man früher kaum jemanden angetroffen hat. "Sie joggen oft tief in der Nacht mit Stirnlampe", sagt er.

Doppelt so viele Wildunfälle wie 2019

Wenn sich Tag und Nacht Menschen im Wald aufhalten und womöglich noch abseits der Wege gehen, greift bei den Tieren, die hier leben, der Fluchtreflex, erklärt der Revierjagdmeister. Und der ende oftmals tödlich. Denn rund um den Lennebergwald und auch quer hindurch verlaufen viel befahrene Straßen. "Wir haben im Durchschnitt 30 Wildunfälle im Jahr", so Köhrer. "Und wenn man jetzt das Jahr 2020 Revue passieren lässt, haben wir fast eine Verdopplung."

Spaziergänger sollen auf Wegen bleiben

Rund 60 Wildunfälle rund um den Mainzer Lennebergwald im Jahr 2020 - eine traurige Bilanz. Und deshalb wünscht sich Thomas Köhrer ein bisschen mehr Rücksichtnahme von den Menschen. Die Ausflügler sollten auf dem Weg bleiben und tagsüber kommen. "Nachts nutzen die Tiere die Zeit, in der sie vermeintlich etwas mehr Ruhe haben, um ihren Nahrungsbedarf zu decken." Eigentlich sei genug Platz für alle im Lennebergwald, so Köhrer. Immerhin erstreckt er sich über rund 700 Hektar - zwischen Mainz, Budenheim und dem Ingelheimer Stadtteil Uhlerborn.

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