Emanuel Letz (FDP), neuer Oberbürgermeister von Bad Kreuznach, im SWR-Interview (Foto: SWR)

Neuer Oberbürgermeister im SWR-Interview

Emanuel Letz: "Der Verkehr in Bad Kreuznach ist schon ein dickes Brett"

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AUTOR/IN
Vanessa Siemers

Emanuel Letz (FDP) ist offiziell in das Amt als neuer Oberbürgermeister von Bad Kreuznach eingeführt worden. Im SWR-Interview erläutert er, welche Themen er in der Kurstadt als erstes angehen möchte.

SWR Aktuell: Herr Letz, was ist das für ein Gefühl, jetzt Oberbürgermeister Ihrer Heimatstadt zu sein?

Emanuel Letz: Es ist tatsächlich ein bisschen befremdlich, weil ich jetzt nicht mehr so einfach durch die Stadt gehen kann. Die Leute sind alle nett und grüßen auch, aber man ist eben wesentlich bekannter als vorher. Ich höre zu, wenn sie mich was fragen und es sind viele Fragen oder Anliegen, die an mich herangetragen werden. Ich denke, dass es am Anfang natürlich ziemlich häufig sein wird, aber dass es sich irgendwann auch relativieren wird.

"Wenn man Oberbürgermeister seiner Heimatstadt ist, ist das etwas Besonderes."

SWR Aktuell: Sie haben im Wahlkampf einen 7-Punkte-Aktionsplan aufgestellt. Welchen Ihrer Punkte wollen Sie denn als erstes angehen?

Letz: Der Verkehr hier in Bad Kreuznach ist schon ein dickes Brett und das muss unbedingt angegangen werden. Fahrradverkehr spielt eine große Rolle, der ist wichtig und richtig. Aber es gibt hier Wege, die sind nicht gut platziert und die möchte ich schnellstmöglich beseitigen. Sicherlich werden wir nicht alle Radwege zurückbauen. Die Radwege gehören einfach dazu und wir müssen auch mehr Radwege schaffen. Aber so, dass sie von den Bad Kreuznacher Bürgerinnen und Bürgern auch akzeptiert werden.

"Wir können die Pkw und die Fahrzeuge nicht komplett verdrängen."

Bad Kreuznach ist eine Pendlerstadt. Wir können die Pkw und die Fahrzeuge nicht komplett verdrängen. Aber insgesamt muss der Verkehr auch für Pkw, ÖPNV und Fußgänger anders gestaltet werden. Inklusion spielt auch eine große Rolle. Das höre ich immer wieder. Also wenn wir einen Fahrradweg installieren, müssen wir eigentlich auch an alles andere denken und umgekehrt genauso. Das ist schon eine Riesenaufgabe und die sollte auch im Sinne der Bürgerinnen und Bürger sein, damit das akzeptiert wird.

SWR Aktuell: Auch der nicht genehmigte Haushalt ist ein Thema, das momentan für "Zündstoff" sorgt. Wie wollen Sie Bad Kreuznach in Richtung schwarze Zahlen bringen?

Letz: Ich war erstaunt, wie gering hier doch die Gewerbesteuereinnahmen sind und ich glaube, da muss man ansetzen. Das bedeutet jetzt nicht unbedingt, dass man neue Gewerbeflächen ausweist. Nichtsdestotrotz haben wir noch wenige Flächen, wo wir das machen können. Und wir haben unheimlich viele leerstehende Ladenlokale. Da sollte man schon ansetzen und gucken, dass man da Gewerbe hinbekommt.

"Bad Kreuznach ist eine wunderschöne Stadt mit einer tollen Landschaft, mit gutem Wein."

Dann spielt auch der Tourismus- und Gesundheitsstandort in Bad Kreuznach eine große Rolle. Bad Kreuznach ist eine wunderschöne Stadt mit einer tollen Landschaft, mit gutem Wein. Und ich glaube, dass man da vielleicht zukünftig auch noch Investoren anlocken kann, zum Beispiel im Hotelbau. Wenn ich an Bad Münster denke: Auch da steckt noch Potenzial, wo man Investoren hinlocken kann. Dann denke ich an die Salinen, die stehen ja auch immer wieder in der Diskussion. Wie bezahlen wir den Unterhalt? Ich glaube, da steckt noch viel Potenzial drin, dass wir für die Dinge, die wir ja bereits haben, versuchen, irgendwo Fördergelder zu akquirieren, sprich Land, Bund aber auch EU, um auch unseren Haushalt dadurch besser darzustellen.

SWR Aktuell: Also lieber zuerst schauen, wie man mehr Geld in die Kasse bekommen könnte, anstatt direkt den Rotstift anzusetzen?

Letz: Ja, genau. Klar, wir können alles schließen. Wir können Museen schließen. Wir können die Bäder schließen. Aber was haben wir dann noch in Bad Kreuznach? Dann ist Bad Kreuznach letztendlich nur noch eine Wohnstadt und wir haben nur noch die Landschaft, die man genießen kann. Aber eine Stadt wie Bad Kreuznach muss auch was bieten können. Die Verwaltung spielt auch eine große Rolle, dass wir hier effektiver sind und vielleicht das eine oder andere einsparen können. Aber was genau, das werden wir nochmal genauer betrachten.

"Wir können nicht alles schließen, nur um zu sparen"

SWR Aktuell: Welche Themen halten Sie noch für wichtig?

Letz: Neben dem bereits erwähnten Verkehr wird Familienpolitik in Bad Kreuznach auch eine größere Rolle spielen. Ich habe mal genauer hingeschaut und bin der Meinung, dass Bad Kreuznach letztendlich keine familienfreundliche Stadt ist. Das müssen wir angehen, da gibt es auch verschiedene Konzepte und auch Menschen, die mich dabei unterstützen werden. Klimaschutz ist ein weiterer Punkt, der ist auch parteiunabhängig. Es klingt ja immer so, als wäre das unisono Thema der Grünen. Nein, das muss uns alle angehen und wird eine große Rolle spielen. Es gibt also viele Herausforderungen für Bad Kreuznach. Aber ich sehe sie nicht als Probleme an, sondern das sind Chancen. Und jetzt müssen wir schauen, was wir die nächste Zeit umsetzen können.

SWR Aktuell: Zuletzt die Frage: Der Stadtrat in Bad Kreuznach ist dafür bekannt, dass dort ganz gerne mal hitzigere Diskussionen geführt werden. Wie haben Sie vor, hier etwas Entspannung reinzubringen?

Letz: Wichtige Themen, die Bad Kreuznach betreffen, sollten im Vorfeld mit den Fraktionsvorsitzenden schon mal besprochen werden. Dann können sie diese mit in die Fraktion nehmen und vorher diskutieren, bevor die Stadtratssitzung ist und dort erst diskutiert wird. Das geht meistens in die Hose. Das muss jetzt nicht bei jedem Thema sein, aber bei wichtigen, großen Themen, die wirklich Bad Kreuznach betreffen. Und ansonsten den Stadtrat so sachlich wie möglich ohne Emotionen leiten. Das klingt jetzt zwar ein bisschen seltsam, ohne Emotion, aber ich glaube, nur so kommt man weiter, wenn man sachlich bleibt. Man spricht ja immer vom Stadtrat. Aber es sind einzelne Mitglieder, die sehr laut sein können und dass man da vielleicht auch die Emotion ein bisschen rausholt, um da ein bisschen Sachlichkeit hineinzubekommen.

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Vanessa Siemers