Jürgen Ott von der L.U.P.O. Gesellschaft für angewandte Landschaftsökologie und Umweltplanung holt mit einer Reuse amerikanische Sumpfkrebse aus einem Weiher in Worms-Herrnsheim. (Foto: SWR, Golo Schlenk)

Invasive Art entdeckt

Bis zu 1.000 amerikanische Sumpfkrebse im Wormser Weiher

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In einem Weiher in Herrnsheim vermuten Experten bis zu 1.000 amerikanische Sumpfkrebse. Die Krebse gelten als invasive Art und gefährden das Ökosystem.

Der Biologe Jürgen Ott von der L.U.P.O. Gesellschaft für angewandte Landschaftsökologie und Umweltplanung hat in dem Weiher im Herrnsheimer Schlossgarten Reusen ausgelegt. An den Fallen hat er Katzenfutter als Köder festgemacht, weil das besonders stark riecht und die Tiere anlockt.

Der Trick funktioniert: Immer und immer wieder zieht er einen der auffällig schwarz-rot gefärbten amerikanischen Sumpfkrebse mithilfe der Reusen aus dem Wasser. Durch diese Untersuchung konnte Ott jetzt hochrechnen, dass zwischen 500 und 1.000 dieser Krebse in dem kleinen Weiher am Herrnsheimer Schloss leben.

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Krebse wurden vermutlich ausgesetzt 

Ott vermutet, dass jemand die Krebse aus seinem Aquarium ausgesetzt hat. Denn der Weiher sei ein ziemlich isoliertes Gewässer. "Natürlicherweise sind die nicht hier reingekommen", glaubt Ott und stellt fest: "Die haben sich dann ganz gut entwickelt." Die Krebse würden sich schnell vermehren und hätten hier keine Fressfeinde, so der Biologe.

Amerikanischer Sumpfkrebs schadet Artenvielfalt

Dass die Krebse in dem Weiher überhaupt entdeckt wurden, ist nach Angaben der Stadt Worms ein glücklicher Zufall. Einer der städtischen Gärtner habe die Krebse im letzten Jahr entdeckt, erzählt Erich Kulling, der für die Pflege von Parks und Gewässern in Worms zuständig ist: "Er ist selbst Angler und hat dann am Gewässer auch einen entsprechenden Blick für sowas."

Ein amerikanischer Sumpfkrebs ist im Grad. Die invasive Art wurde bei einem Weiher in Worms-Herrnsheim entdeckt. (Foto: SWR, Damaris Diener)
Die schwarz-roten amerikanischen Sumpfkrebse können bis zu 15 Zentimeter lang werden. Damaris Diener

Weil der amerikanische Sumpfkrebs als sogenannte invasive und gebietsfremde Art gilt, muss er laut einer EU-Verordnung entfernt werden. Demnach sind die Tiere schädlich für die biologische Artenvielfalt. Nach Angaben von Ott können die Sumpfkrebse 8 bis 10 Jahre alt werden. Sie würden andere Wasserbewohner wie Frösche oder Libellen verdrängen, indem sie deren Laiche oder Larven fressen.

"Die amerikanischen Sumpfkrebse sind sehr aggressiv und fressen alles weg, was im Teich ist. Sie bringen das gesamte Ökosystem durcheinander."

Krebse sollen verfüttert werden

Sobald die Krebse gezählt sind, sollen sie laut Biologe Ott mit einem großen Schleppnetz im Weiher gefangen werden. Und das sollte möglichst bald passieren. Denn die Tiere könnten auch über Land gehen und andere Gewässer besiedeln. "Das wollen wir auf jeden Fall verhindern", so Ott.

Aus Bächen seien sie beispielsweise viel schwieriger zu entfernen als aus einem isolierten Gewässer wie dem Wormser Weiher. "Da wird man sie dann nicht mehr rausbekommen." Den Krebsen droht übrigens ein trauriges Ende: Wenn alle Tiere gefangen wurden, sollen sie an andere Tiere im Zoo oder Tierpark verfüttert werden.

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