STAND

Es passiert immer wieder: Gerichte befassen sich zum Beispiel mit dem Krähen eines Hahnes. Ein Rassezüchter aus Alzey fordert nun ein Gesetz, dass es Tieren erlaubt, laut zu sein.

„Meister Eder“ aus Abtweiler im Kreis Bad Kreuznach ist ein Hahn mit kräftiger Stimme. Der Gockel kann richtig laut krähen, so laut, dass ein Nachbar dagegen vor Gericht klagt.

Das ist kein Einzelfall sagt Helmut Demler vom Landesverband der Rassegeflügelzüchter Rheinland-Pfalz. Seit längerem gebe es immer mehr Klagen von Nachbarn, die Tiergeräusche vom Grundstück nebenan nicht mehr hinnehmen wollten.

Gackern, Krähen und Muhen gehören zum Landleben

Das Landleben werde von Städtern häufig romantisiert, sagt Demler. Die von Tiergeräuschen genervten Nachbarn würden dabei aber eines vergessen, das Dorfleben sei nun mal geprägt von Arbeitsprozessen, nämlich von der Landwirtschaft - und da gehörten Tiere dazu.

Junges Zuchtküken (Foto: Helmut Demler)
Ein junges Zuchtküken läuft durch eine Aufzuchtanlage in Alzey. Helmut Demler

Demler betreibt in Alzey selbst eine Zuchtanlage für Rassegeflügel. In den vergangenen Jahren habe die Stadt immer mehr Neubaugebiete ausgewiesen, die Häuser rückten immer näher an seine Anlage heran. Noch gebe es keine Klagen gegen ihn, für die Zukunft wolle er das aber nicht ausschließen.

Hühnerzüchter Helmut Demler (Foto: Helmut Demler)
Rassezüchter Helmut Demler fordert mehr Rechte für Tiere und ihre natürlichen Geräusche. Helmut Demler

Petition gestartet

Mit Hühnerhalterin Silvia Stengel aus Hofheim bei Frankfurt setzt sich Demler für den Schutz des Landlebens ein. Stengel hat eine Petition gestartet, mit der sie sich dafür einsetzt, dass Tiere dort, wo sie gehalten werden, auch Geräusche machen dürfen. Das solle als kulturelles Erbe geschützt werden.

„Wir fordern ein Gesetz wie in Frankreich.“

50.000 Unterschriften müssen zusammenkommen, damit sich der Gesetzgeber mit dem Thema befasst. 45.500 Menschen haben das Vorhaben bereits unterstützt. Stengel und Demler fordern ein Gesetz wie in Frankreich, das bäuerliche Nutztierhaltung und ortsübliche Emissionen unter „kulturellen Schutz“ stellen würde. Das erspare auch den Gerichten viel Zeit, sagen die Initiatoren.

Noch fehlten ein paar Tausend Unterschriften, aber wegen Corona sei die Frist verlängert worden. Ein halbes Jahr sei noch Zeit, die Petition zu unterzeichnen.

Gesetz zum Schutz des Landlebens Frankreich: Krähende Hähne und muhende Kühe werden Kulturerbe

In Frankreich hat das Parlament am Donnerstag ein Gesetz zum Schutz der Geräusche und Gerüche auf dem Land verabschiedet. Damit gehören etwa Hahnenschreie und das Blöken von Schafen bald zum Kulturerbe. Grund dafür war unter anderem eine Klage eines aufs Land gezogenen Paares gegen das frühe Krähen eines Hahnes. Wir erklären, was das Gesetz für das Landleben in Frankreich bedeutet.  mehr...

Roppenheim

Ein zwei Meter hoher Bauzaun vor der Haustür Eingezäunt im eigenen Haus: Nachbarschaftsstreit in Roppenheim eskaliert

Jahrelang streitet sich Familie Jung aus Deutschland mit ihren französischen Nachbarn um den gemeinsam genutzten Hof vor ihren Häusern. Jetzt machen die Nachbarn kurzen Prozess und stellen einen Zaun auf.  mehr...

STAND
AUTOR/IN