Hava Ocak und Sarah Röder stehen vor einer Straßenbahn der Mainzer Mobilität. (Foto: SWR)

Projekt "Frauen in Fahrt"

Alleinerziehende Mütter fahren nun Straßenbahn in Mainz

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Alexander Dietz

Überall fehlt es an Fachkräften - bei der Verkehrsgesellschaft in Mainz fehlen zum Beispiel Mitarbeitende, die Straßenbahn fahren. Drei Frauen sagten sich: Das mache ich!

Bis zum Anruf des Jobcenters hatte die dreifache Mutter Hava Ocak aus Mainz mit Straßenbahnen wenig am Hut. "Und dann war ich bei der ersten Vorstellungsrunde im Jobcenter. Ab dem Punkt habe ich die Straßenbahn mit ganz anderen Augen betrachtet", sagt Ocak. Ihr sei schnell klar gewesen, dass sie die Ausbildung machen will.

Ocaks Kinder sind 20, 15 und 10 Jahre alt und hätten sie während der etwa zweimonatigen Ausbildung super unterstützt, sagt sie. "Es hat meinen Kindern auch gut getan, dass sie ein Stück selbstständiger geworden sind." Ihr ältester Sohn habe auch mal auf seine kleine Schwester aufgepasst. Außerdem hätten Nachbarn oder Ocaks Eltern die 10-Jährige in die Schule gebracht oder sie wieder abgeholt.

Herausforderung für Hava Ocak: Wieder lernen

Die Ausbildung war für die 41-jährige Mainzerin aber auch eine Herausforderung. "Inhaltlich war es eine Umstellung, sich wieder hinzusetzen und etwas zu lernen." Ocak hat in der Türkei islamische Theologie studiert. Kurz vor dem Abschluss habe sie aber festgestellt, dass das Studium nicht das richtige gewesen sei. "Dann bin ich in die Elternzeit gerutscht und dann kam die Trennung."

Gemeinsam mit Hava Ocak haben auch zwei andere alleinerziehende Mütter bei der Mainzer Mobilität die Ausbildung zur Straßenbahnfahrerin abgeschlossen. Sie mussten nicht nur lernen, wie man eine Straßenbahn fährt. Denn zu der Ausbildung gehöre auch technisches Grundwissen, sagt Priska Müller, Sachbearbeiterin in der Personalabteilung der Verkehrsgesellschaft Mainzer Mobilität.

Arbeitgeber geht beim Dienstplan auf Wünsche der Mütter ein

Die Idee für das Projekt "Frauen in Fahrt" hatte das Jobcenter in Mainz. "Da haben wir gesagt, dass wir natürlich gerne mitmachen. Es ist schön, wenn wir alleinerziehenden Frauen, die Möglichkeit geben, wieder zurück ins Berufsleben zu kommen," sagt Müller.

"Wenn ich sage, dass ich niemanden für meinen Sohn habe und ich kann nur in dieser Zeit arbeiten, dann wird das möglich gemacht."

Während Hava Ocak nach der Ausbildung drei Tage in der Woche arbeitet, hat Sarah Röder eine Vollzeitstelle als Straßenbahnfahrerin angenommen. Bei Frühdiensten kümmere sich zum Beispiel ein Freund um ihren neunjährigen Sohn, erzählt sie. Die Mainzer Mobilität komme ihr als alleinerziehende Mutter aber auch in vielen Dingen entgegen. Beispielsweise, wenn ihr Sohn krank ist. "Wenn ich sage, dass ich niemanden habe und ich kann nur in dieser Zeit arbeiten, dann wird das möglich gemacht", so Röder.

Erste Planungen für nächste Projekte laufen

Priska Müller von der Mainzer Mobilität ist mit dem Projekt "Frauen in Fahrt" auch sehr zufrieden. "Die Frauen waren total motiviert. Sie hatten Spaß und wollten das wirklich machen." Auch die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter habe gut funktioniert, sagt Müller.

Sie könne sich gut vorstellen, dass in Zukunft auch weitere Projekte mit dem Jobcenter auf die Beine gestellt werden. Wie die dann aussehen und ob wieder alleinerziehende Mutter ausgebildet werden, stehe aber noch nicht fest, so Müller.

Zurück zu Hava Ocak: Auch ein halbes Jahr, nachdem sie ihre Ausbildung bei der Mainzer Mobilität begonnen hat, macht ihr das Straßenbahnfahren jeden Tag mehr Spaß, sagt sie. "Das gibt einem ein total machtvolles Gefühl, dass man so ein Gefährt durch die Gegend fahren darf. Von Haltestelle zu Haltestelle hat man viel Action."

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