Winzeraktion (Foto: SWR, Sabine Steinbrecher)

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe

Spendengelder für Ahr-Winzer immer noch nicht ausbezahlt - Frust in Rheinhessen

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Es war eine Spendenaktion mit Herz: Ein Weingut in Nierstein sammelte etwa 1,3 Millionen Euro für Winzer an der Ahr. Doch dann dämpfte die Bürokratie die Stimmung.

Im Weingut St. Antony in Nierstein (Kreis Mainz-Bingen) hatte man nicht lange überlegt, als vor einem Jahr die Bilder von der Not der Winzerkolleginnen und Kollegen an der Ahr zu sehen waren: Mit der Spendenaktion „SolidAHRität“ wurde spontan Hilfe organisiert. Winzer aus Deutschland, Europa und Südafrika spendeten ihre Weine und schickten sie nach Nierstein. Dort verpackten viele freiwillige Helfer immer sechs Flaschen in Überraschungspakete. Diese wurden dann zu einem festen Preis im Internet verkauft. Über die sozialen Netzwerke hatte sich die Idee in wenigen Tagen verbreitet. Und das Ergebnis war überwältigend.

Mit einem Gabelstapler werden Weinkisten aus einem Post-Lkw geladen. (Foto: SWR, S. Steinbrecher)
Mit einem Gabelstapler wurden in Nierstein palettenweise Weinkisten für die Hilfs-Aktion angeliefert. Den Wein hatten Winzerinnen und Winzer aus Deutschland, Spanien, Österreich, Südafrika oder Frankreich gespendet. S. Steinbrecher

Bürokratie verhindert die Auszahlung der Spendengelder

Wochenlang wurde im Weingut St. Antony und in einer angemieteten Halle Wein in Kisten verpackt und verschickt. Über den Verkauf des gespendeten Weines nahm "SolidAHRität" über 1,3 Millionen Euro an Spenden ein. Als das Geld dann an die Winzerkollegen an der Ahr ausgezahlt werden sollte, kam die Ernüchterung: Einzelpersonen dürfen keine Spenden annehmen, hieß es von den Behörden. Und wenn die Spenden an Weingüter ausbezahlt werden, müssten diese Steuern dafür bezahlen. Das war nicht im Sinne der engagierten Rheinhessen, die versprochen hatten, dass das Geld eins zu eins bei den Winzern von der Ahr ankommen werde.

"Das war ein Hin und Her mit dem Land, dem Bund und Bundesfinanzminister Lindner.“

Die Wut in Nierstein war groß

Diese bürokratischen Hürden verhinderten nun fast ein Jahr die Auszahlung der gesammelten Gelder. "Wir waren so sauer, dass wir zwischendurch überlegt haben, alle Spendengelder zurückzubezahlen“, sagt der Initiator des Projekts Dirk Würtz vom Weingut St. Antony in Nierstein. Jetzt endlich scheint eine Lösung gefunden zu sein.

Ehrenamtliche packen auf dem Weingut St. Antony in Nierstein gespendete Weinflaschen in Überraschungspakete. Winzer aus sämtlichen Teilen Europas zeigten sich mit den Ahr-Winzern solidarisch. (Foto: SWR, Sabine Steinbrecher)
Ehrenamtliche packten kurz nach der Flut gespendete Weinflaschen in Nierstein in Überraschungspakete. Winzer aus sämtlichen Teilen Europas zeigten sich mit den Ahr-Winzern solidarisch und stellten ihr Weine für die Aktion zur Verfügung. Sabine Steinbrecher

Marc Adeneuer, Winzer von der Ahr, erklärt, dass die über 1,3 Millionen Euro nun als Sponsorengelder anerkannt werden. Das Geld würde in den nächsten Wochen ausgezahlt. "Nur mit öffentlichem Druck über die Medien ist es jetzt gelungen, eine Lösung zu finden", so Adeneuer weiter. Er ist zuversichtlich, dass die Hilfe nun ankommt, noch vor der Weinlese 2022. Das Geld würde dringend zum Kauf von landwirtschaftlichem Gerät gebraucht.

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