Blick auf einen Fußballplatz (Foto: dpa Bildfunk,  Jannis Mattar (Symbolbild))

Vereine fordern Task Force

Fußball-Amateurliga Wiesbaden: Immer mehr Gewalt

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Pöbeleien, Verletzungen, Spielabbrüche: trauriger Alltag in der Wiesbadener B-Liga 1. Die Verantwortlichen wollen das nicht länger hinnehmen.   

Sonntagnachmittag, 12. September: Bei dem Spiel VfB Westend gegen FC Albania kommt es zu einem Zweikampf. Mehrere Zuschauer sehen, wie ein Spieler von Albania seinem Gegner von hinten mit voller Wucht die Faust in den Nacken haut. Der VfB-Spieler stürzt, ist benommen, kommt ins Krankenhaus. Diagnose: Gehirnerschütterung.

Sonntagnachmittag, eine Woche später, 19. September: Das Spiel FC Nord gegen SG Munzur 62 wird immer hitziger, die Fouls häufen sich. Weil der Schiedsrichter für seinen Geschmack zu wenig unternimmt, zieht FC-Trainer Felix Fiegen in der zweiten Halbzeit die Reißleine und holt seine Mannschaft vom Platz. Später sagt er: "Ich hatte Angst um die Gesundheit meiner Jungs."

Vorfälle mit Krankenwagen-Einsatz häufen sich

Nur zwei Vorfälle von mehreren, die sich seit Saisonbeginn im Wiesbadener Amateur-Fußball zugetragen haben. Mehrfach musste der Krankenwagen Spieler abholen. Für Dieter Elsenbast, Wiesbadener Kreisfußballwart, steht fest: So kann es nicht weitergehen.

"Das nimmt Ausmaße an, die sind nicht mehr nachzuvollziehen."

Jeden Sonntagabend müsse er sich fragen, was nun wohl wieder passiert sei auf den Wiesbadener Fußballplätzen, sagt Elsenbast. "Ich bin restlos bedient. Das ist eine unsägliche Entwicklung, da müssen wir gegensteuern." Schließlich habe man mit den Vereinen auch eine Vorbildfunktion gegenüber Jugendfußballern. Die müssten lernen, dass auch Verlieren zum Fußball dazu gehört.

Angst vor dem Abstieg in die C-Liga?

Über die Gründe für die zunehmende Aggressivität kann Elsenbast nur spekulieren. Möglicherweise habe es damit zu tun, dass eine neue Liga C gegründet wird und in dieser Saison aus den beiden B-Ligen insgesamt 11 Mannschaften absteigen. Da könnte der sportliche Ehrgeiz mit dem ein oder anderen durchgehen. Manch einer sei zudem untrainiert aus der Corona-Pause gekommen und versuche jetzt wohl, mit aggressivem Spiel die mangelnde Fitness auszugleichen.

Sind Schiedsrichter überfordert?

Ein weiteres Problem könnte auch bei den Schiedsrichtern liegen, die manchmal nicht schnell und klar genug durchgreifen. So zumindest hat es FC Nord-Trainer Felix Fiegen am vergangenen Sonntag erlebt. "Der war einfach überfordert", sagt der Coach mit Blick auf den Schiedsrichter beim Spiel seiner Mannschaft gegen Munzur 62. Härte und Emotionen im Spiel seien ok, sagt Fiegen, aber das seien einfach zu viele Fouls gewesen.

Sorge um Gesundheit der Spieler

Deshalb habe er nach 60 Minuten beim Stand von 1:1 entschieden, dass er sein Team nicht weiterspielen lässt, so Fiegen. Auch, wenn das Spiel nun vermutlich für die gegnerische Mannschaft gewertet wird und der FC Nord vielleicht sogar wegen Spielabbruchs eine Strafe bekommt. "Ich würde es jederzeit wieder so machen", sagt er. "Wir kicken hier schließlich zum Spaß, keiner von uns verdient damit Geld. Es ging einfach nur darum, dass sich keiner verletzt."

Taskforce mit allen Beteiligten

Kreisfußballwart Dieter Elsenbast will jetzt mit anderen Verantwortlichen vom Verband und der Stadt eine Taskforce einrichten. Außerdem soll es ein Treffen aller betroffenen Wiesbadener Vereine geben. Und auch mit der Schiedsrichter-Vereinigung wolle man besprechen, wie es weitergehen soll.

 Sportgerichte sollen härter durchgreifen

Daneben fordert Elsenbast, dass Sportgerichte Vorfälle dieser Art rigoros ahnden. "Die müssen bei den Sanktionen an ihre Grenze gehen und ausreizen, was die hergeben." Im Extremfall müssten Vereine, die immer wieder durch besondere Aggressivität auffallen, aus der Liga ausgeschlossen werden.

Verein bestellt Aufsicht zum nächsten Spiel

Der VfB Westend hat bereits eine erste Konsequenz gezogen. Am kommenden Wochenende trifft der Verein auf die SG Munzur 62. Doch diesmal wolle man sich wappnen, sagt Michael Fritzsche, 2. Vorsitzender des VfB Westend. Auf eigene Kosten habe man vorsorglich eine Verbandsaufsicht bestellt - eine weitere Person neben dem Schiedsrichter, die das Spiel beobachtet.

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