Winzerinnen aus Rheinhessen #Winewoman - Junge Frauen im Weinbau

Sie lesen Trauben, führen ihre Familienbetriebe und sind auf Instagram aktiv: Junge Winzerinnen aus Rheinhessen mischen die einstige Männerdomäne auf.

Schwarze Lederhose, braune Wildlederstiefeletten, Jeanshemd. Das Haar trägt sie offen. Das Foto könnte sicherlich genauso gut jedes Modemagazin schmücken. Es ist aber die Begrüßung auf der Homepage des "Weingut Becker" im rheinhessischen Spiesheim.

Weingut Becker (Foto: Sabrina Becker)
Sabrina Becker: Die Rebzeilen sind ihr Laufsteg Sabrina Becker

Sabrina Becker ist nicht Model, sondern Winzerin. Ihre Rebzeilen sind sozusagen ihr Laufsteg. Aktuell sind das 25 Hektar Rebfläche Riesling, Burgunder oder Silvaner. "Die Leute denken tatsächlich oft, wir machen nur das Marketing. Dann sage ich: Schauen sie sich ruhig mal meine Hände an", sagt Sabrina Becker. Es freut die 28-Jährige, wenn sie immer noch meist männliche Weinfreunde als Chefin im Weingut überraschen kann.

Junge Winzerinnen auf Instagram

Sabrina Becker steht für eine ganze Generation junger Winzerinnen. Sie führen ihre Familienbetriebe, sie lesen Trauben, sie bauen ihre Weine im Keller aus oder besuchen Händler in der ganzen Welt. Und sie vermarkten ihre Weine und nicht selten sich selbst immer mehr in sozialen Netzwerken. 

"Juwel Weine" folgen auf Instagram 12.000 User. Der Name steht für Juliane Eller, Winzerin aus Alsheim. Sie ist schon fast sowas wie eine Influencerin in Sachen Wein. Wobei Wein dabei mehr ist als ein Getränk, eher ein Lebensstil. Alles andere als das verstaube Wein-Image, mit dem ihre Eltern kämpfen mussten. "Natürlich gehört meine Persönlichkeit dazu", sagt Eller. "Wir transportieren Emotionen. Darüber läuft auch am Ende des Tages der Verkauf."

Juliane Eller als "Mysterious Woman"

Der Gault Millau hat ihre Weine prämiert. Auf Instagram inszeniert sie ganz bewusst ästhetische Einblicke in ihr Leben und ihren Winzeralltag. Das schwäbische Damenmode-Label "Marc Cain" warb mit ihr als "Mysterious Woman". Bei den Fashion-Shows schenkt sie ihren Wein aus. "Natürlich ist das super, wenn unsere Weine in solche Welten eintauchen und auch dort deutscher Wein getrunken wird."

Auch Lisa Bunn steht im Zentrum ihres Winzerbetriebs in Nierstein. "Lisas Lila Rot" heißt ihr Rotweincuvée, ihr Riesling "Fleißiges Lieschen". Lisa Bunn fusionierte das Weingut ihrer Eltern mit dem elterlichen Weingut ihres Ehemanns. Der taucht, zumindest beim Blick auf die Homepage vom "Weingut Lisa Bunn", aber eher am Rande auf.

Weingut Lisa Bunn (Foto: Lisa Bunn)
Winzerin Lisa Bunn aus Nierstein Lisa Bunn

Lisa Bunn führt das Weingut mit ihrem Mann

"Mein Mann ist da zum Glück sehr selbstlos", lacht sie. Die Weine machen sie gemeinsam. "Wir haben damals alles geändert, da war schon ein Risiko dabei." Die beiden wollten den Winzer als Persönlichkeit in den Vordergrund stellen und entschieden sich für Lisa. Vor wenigen Wochen kam ihr zweites Kind zur Welt. "Gerade in der Schwangerschaft hat mein Mann da natürlich die Hauptarbeit geleistet." 

Die jungen Winzerinnen sind nicht die erste Generation Frau, die die einstige Männerdomäne aufmischen. "Für mich ist das schon keine Besonderheit mehr als Frau im Weinbau“, sagt Gesine Roll. Die 35-jährige Winzerin hat die Frauen-Frage schon oft beantworten müssen. "Frauen produzieren genauso wenig einen femininen Weinstil, wie Männer einen maskulinen“, schickt die Winzerin des Weingutes Weedenborn in Monzernheim hinterher.

Weingutes Weedenborn (Foto: Gesine Roll)
Gesine Roll aus Monzernheim Gesine Roll

"Klar ist, die Frauen sind längst im Weinbau angekommen."

Deutsches Weininstitut

2003 saß sie mit nur zwei anderen Frauen in der Berufsschulklasse. Im Jahr 2000 lag laut Deutschem Weininstitut der Frauenanteil bei 18 Prozent, im Jahr 2015 bei rund 22 Prozent. Wie viele Weingüter tatsächlich von Frauen geführt werden, verraten die Statistiken nicht. Vinissima, das Weinnetzwerk für Frauen, gibt es seit mehr als einem Vierteljahrhundert.

Was zählt, ist letztlich der Geschmack

Auch Katharina Wechsler aus Westhofen hinterfragt das "ganze Genderding im Weinbusiness" nicht mehr. "Man braucht Geschmack, eine Vision, eine Idee von dem, was man in die Flasche bringen will und wie man es vermarktet. Das können Frauen natürlich ganz genauso."

Weingut Wechsler (Foto: Katharina Wechsler)
Katharina Wechsler aus Westhofen Katharina Wechsler

Für sie gibt es einen einfachen Grund, warum das Thema Frauen im Weinbau gerade Konjunktur hat. "Winzerinnen haben oft die spannenderen Geschichten. Das macht den Wein einprägsamer." Sie freut sich, dass sich Frauen im Weinbau ganz unterschiedlich präsentieren: "Wir kommen raus aus der verstaubten Ecke: Winzer haben alle eine Knollennase und ein blaues Hemd an."

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